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Stadt Hannover Pläne für Lüpertz-Fenster liegen auf Eis
Aus der Region Stadt Hannover Pläne für Lüpertz-Fenster liegen auf Eis
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00:19 15.09.2018
So soll es aussehen: An der Südseite der Kirche soll das Lüpertz-Fenster an die Reformation erinnern. Quelle: ©2017 Matthias Riemann
Hannover

Eigentlich sollte das spektakuläre neue Buntglasfenster der Marktkirche schon am Reformationstag, also am 31. Oktober, eingeweiht werden. Doch jetzt ist ungewiss, ob der Entwurf des Starmalers Markus Lüpertz überhaupt je realisiert wird. „Wir haben das Projekt vorerst auf Eis gelegt“, sagt Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann.

Nach Informationen der HAZ hegt Georg Bissen, der Stiefsohn und Urheberrechtserbe des Nachkriegsarchitekten Dieter Oesterlen, massive Bedenken gegen den Entwurf des rund 13 Meter hohen Fensters, das Altkanzler Gerhard Schröder der Marktkirche schenken möchte: „Herr Bissen hat uns gegenüber bekundet, dass er dagegen ist“, bestätigt Pastorin Kreisel-Liebermann.

Anfang Oktober will der in Japan lebende Georg Bissen zu einem klärenden Gespräch nach Hannover kommen. In der Marktkirchengemeinde hofft man, ihn noch umstimmen zu können. Schließlich habe Bissen vor zwei Jahren auch dem Austausch der alten Korbgeflechtsstühle in der Kirche großzügig zugestimmt, heißt es. Auch beim Umbau des ebenfalls von Oesterlen entworfenen Landtages erteilte er trotz Bedenken dann doch massiven Veränderungen seinen Segen.

Es droht ein Verfahren

Sollte Bissen jedoch hart bleiben, muss die Kirchengemeinde entscheiden, ob sie es auf eine gerichtliche Auseinandersetzung mit ihm ankommen lassen will. In einer Feststellungsklage müsste dann darüber entschieden werden, ob Bissen den Einbau des Fensters mit Verweis auf das Urheberrecht verhindern darf; es droht ein langwieriges Verfahren.

Zudem kommt in Gestalt des Denkmalschutzes noch eine andere Unwägbarkeit ins Spiel. Das kirchliche Amt für Bau- und Kunstpflege hat zwar keine grundsätzlichen Bedenken gegen das Lüpertz-Fenster – knüpft seine Zustimmung allerdings an bestimmte Bedingungen. So dürfte das Buntglasfenster die Lichtverhältnisse im Kirchenraum nicht bedeutend verändern, sagt Amtsleiter Martin Krause.

Die Denkmalpfleger möchten bei der Herstellung der Scheiben in der Glaskunstmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein dabei sein, um die Farbgebung des Fensters gemeinsam mit Markus Lüpertz festzulegen: „Es hängt vom Künstler ab, ob er sich auf einen solchen Eingriff in sein Werk einlässt“, sagt Krause. Lüpertz habe seinerseits bereits angeboten, Kirchenvertreter in der Manufaktur zuzulassen, sagt Pastorin Kreisel-Liebermann – bei der Farbgebung sei er gesprächsbereit.

Kontroverse Debatten

Manchem Kritiker in der Gemeinde käme es jedoch gut zupass, wenn die Fensterpläne scheitern würden. Der Lüpertz-Entwurf, der neben einem stilisierten Luther auch fünf dicke Fliegen zeigt, hat bereits für kontroverse Debatten gesorgt. Zudem hat der zum Katholizismus konvertierte Exzentriker sich im Magazin „chrismon“ jüngst mit dem Satz „Über Gott steht noch der Künstler“ zitieren lassen – eine Aussage, die in kirchlichen Kreisen teils mit wenig Begeisterung aufgenommen wurde.

Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Reinhard Scheibe, verteidigt den Entwurf indes: „Zeitgenössische Kunst im öffentlichen Bereich ist oft umstritten – bei den Nanas war die Kritik damals noch viel größer“ sagt er. Gemeindemitglied Veit Pagel moniert hingegen, der Kirchenvorstand habe sich mit seinem Votum für das Fenster undemokratisch über die Köpfe der Gemeinde hinweggesetzt: „Eine Abstimmung und ein Künstlerwettbewerb wären der bessere Weg gewesen“, sagt der Hotelier. Dass er das Motiv nicht gut findet, hat Pagel auch Gerhard Schröder gesagt. Der Altkanzler soll die Kritik gelassen aufgenommen haben.

Eine Anmaßung

 

Die Marktkirche ist so alt, dass niemand ganz genaue Daten zu ihrer Entstehung kennt. Die Gemeinde ist stolz darauf, dass hier seit mehr als 750 Jahren Gottesdienst gefeiert wird. Viele Generationen haben den Bau wachsen lassen. Haben gleichsam Schicht um Schicht aufgetragen – und oft auch wieder entfernt. „Die“ Marktkirche gibt es historisch gar nicht; jede Zeit hatte ihre eigene Variante dieses Wahrzeichens unserer Stadt. Kluge Denkmalpfleger wissen so etwas und akzeptieren somit die Begrenzung ihrer Möglichkeiten. Architekten-Erben hingegen sehen das offenbar anders – und das ist anmaßend.

Man muss das Fenster von Markus Lüpertz nicht mögen, man kann auch die Art seiner Präsentation mit guten Gründen kritisieren. Die Vorstellung jedoch, dass in einem uralten, zentralen Gebäude der Stadt nun weiter Bau- und Denkverbote greifen, weil ein einzelner Architekt vor Jahrzehnten einmal einen Beitrag zu ihrer Gestaltung geliefert hat, ist absurd. Nun muss das Fenster erst recht kommen.

Von Hendrik Brandt

Von Simon Benne

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