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Stadt Hannover „Luther steht nicht im Zentrum“: So feiern die Protestanten heute
Aus der Region Stadt Hannover „Luther steht nicht im Zentrum“: So feiern die Protestanten heute
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00:16 03.11.2018
Erinnerung an die Freiheit: Landesbischof Ralf Meister predigte zum Reformationstag in der Marktkirche. Quelle: dpa
Hannover

Orgelbrausen, Bach-Kantaten und eine geschliffene Predigt: Mit einem feierlichen Gottesdienst haben mehrere Hundert Gläubige in der Marktkirche den Reformationstag begangen, der in diesem Jahr erstmals regulärer gesetzlicher Feiertag war. Schola und Bach-Chor intonierten Psalmen und Choräle, Oberbürgermeister Stefan Schostok trug das Evangelium vor: „Selig sind, die Frieden stiften.“ Keine Frage: Der Protestantismus ist in Hannover eine kulturprägende Größe.

„Beim Reformationstag steht aber nicht die Verehrung Martin Luthers im Mittelpunkt“, sagt Landesbischof Ralf Meister – es gehe vielmehr darum, über gesellschaftliche Veränderungen nachzudenken. In seiner Predigt warnte Meister davor, angesichts rasanter Umbrüche in Nostalgieseligkeit zu versinken oder aber alle Neuerungen unkritisch zu bejubeln.

Die entscheidende Botschaft jedes Reformationstages sei es, die Freiheit des Menschen neu zu entdecken: „Wir sind frei, dem Zorn zu gehorchen oder die Versöhnung zu suchen! Wir sind frei uns nur um uns selbst zu kümmern oder das Wohl der Gemeinschaft in den Blick zu nehmen!“

Proteste von Kirchenkritikern

Vor der Kirche demonstrierte eine Handvoll Aktivisten der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung: „Wir sind gegen einen Feiertag, der allen Menschen aufgezwungen wird, die nicht evangelisch sind“, sagt David Farago. Der Künstler hatte eine nackte Luther-Skulptur vorm Portal der Marktkirche aufgestellt, um an den Antisemitismus des Reformators zu erinnern. Die Kirchgänger nahmen es gelassen: „Der Protest ist ästhetisch wenig originell“, sagt Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann, „und mit Luthers Judenhass setzen wir uns ohnehin immer wieder kritisch auseinander.“

Zahlreiche Gemeinden feierten den Reformationstag mit Gottesdiensten und anderen Aktivitäten. In der Gartenkirche predigte Hannovers oberster Katholik, Propst Martin Tenge – ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Bei der Einführung des Reformationstags habe es „etwas geruckelt“, sagte Tenge: „Jetzt aber müssen wir alle gemeinsam uns für ein gutes Miteinander in Vielfalt einsetzen.“

In der Marktkirche ging es am Nachmittag bunt zu: Beim „Fest der Begegnung“ entfachte der Jugendgospelchor der Christian Hope Church Begeisterungsstürme. Flüchtlingshelfer berichteten von ihrer Arbeit, und Vertreter von arabischen, vietnamesischen und finnischen Gemeinden zeigten, wie vielfältig das Christentum ist. In einer Talkrunde nutzte die Muslimin Hamideh Mohagheghi den Reformationstag, um für interreligiöse Brückenschlägen zu werben: „Wenn man sich kennt, muss man keine Angst voreinander haben.“

Von Simon Benne

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