Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Tödliche Unfälle: Was kann Hannover von Schweden lernen?
Aus der Region Stadt Hannover Tödliche Unfälle: Was kann Hannover von Schweden lernen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 24.06.2018
An der Ecke Industrieweg/ Vahrenwalder Straße starb im Früjahr 2018 ein elfjähriger Junge, weil er auf seinem Fahrrad von einem abbiegenden Lastwagenfahrer nicht gesehen wurde. Quelle: Rainer_Droese (Archiv)
Hannover

Die Unfallstatistik der Region Hannover im Jahr 2017 ist erschreckend: 100 Unfälle täglich und 550 Schwerverletzte und 38 Tote in jedem Jahr. Die Verkehrsunfallzahlen stagnierten seit zehn Jahren auf hohem Niveau, berichtet Regionsverkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. Wie kann der Verkehr sicherer werden? Rund 70 Bürger sind jetzt mit der Hoffnung auf Antworten und eine erhellende Diskussion zur Podiumsdebatte „Region im Dialog“ ins Haus der Region gekommen.

Gesprächspartner von Moderatorin und NDR-Journalistin Rosa Legatis waren Cornelia Zieseniß von der Landesverkehrswacht, Heiko Johannsen, Leiter der Unfallforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Polizeidirektor Uwe Lange, „Spiegel“-Wissenschaftsredakteur Marco Evers und eben Verkehrsdezernent Franz.

Journalist Evers referierte zum Auftakt über das Projekt Vision Zero. Das in Schweden entwickelte Konzept sieht vor, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 auf null zu senken. „Das ist wohl die radikalste und revolutionärste Aktion in der Verkehrssicherheit“, findet Evers. Lässt sich das auf Hannover übertragen?

Bei "Region im Dialog" diskutierten Moderatorin Rosa Legatis (v.l), Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht Cornelia Zieseniß, Dr. Heiko Johannsen, Leiter der Unfallforschung an der MHH, Uwe Lange, Leitender Polizeidirektor der Polizeidirektion Hannover, Ulf-Birger Franz, Dezernent für Verkehr der Region Hannover und Marco Evers, Wissenschaftsredakteur beim "Spiegel". Quelle: Laura Ebeling

Mehr Kreiselverkehre, verengte Straßen und Fahrbahnen, Leitplanken zwischen zwei Fahrspuren gleicher Fahrtrichtung und mehr Alkohol- und Radarkontrollen – das ist das Spektrum möglicher Maßnahmen nach dem Vision-Zero-Vorbild. In Schweden zeigten sie Wirkung, wie Zahlen belegten: Die Anzahl der Verkehrstoten sei dort zwischen den Jahren 1997 und 2007 von 541 auf 253 gesunken. Evers berichtet von einer These, die das Zeug hat, in Deutschland für gehörigen Aufruhr zu sorgen: „Die Verkehrsplaner dort sind der Auffassung, dass die Menschen einfach dumm sind und ein Verkehrssystem brauchen, das einfach idiotensicher ist.“

Warum gibt es so etwas wie die Vision Zero nicht hier, wollte Moderatorin Legatis von Dezernent Franz wissen. „In Schweden ist die Kultur eine andere“, erklärt ein vorsichtiger Franz. Die Region baue schon mehr Kreisel, aber beim Thema Straßenverengungen oder Tempo-30-Zonen gebe es zum Teil massiven Widerstand bei den Bürgern. Polizeidirektor Lange zitierte eine Studie aus Nordrhein-Westfalen, wonach sich durch Kontrollen an aktuellen Unfallorten kurzfristig keine positive Wirkung feststellen lasse – auf lange Sicht zeigten die Überprüfungen aber Wirkung. „Verkehrskontrollen sind ein zentraler Bestandteil der Verkehrssicherheitsarbeit und langfristig geeignet, die Hauptunfallursachen zu bekämpfen“, sagte Lange.

Deutschland setze weniger auf bauliche Maßnahmen, sondern eher auf Fahrassistenzsysteme. „Es ist normal, dass wir Fehler machen“, sagte MHH-Unfallforscher Heiko Johannsen. „Aber diese Assistenzsysteme helfen dabei, diese Fehler auszubügeln und zum Teil Unfälle zu verhindern.“ Cornelia Zieseniß von der Verkehrswacht forderte, dass alle Menschen im Verkehr fair und angemessen miteinander umgehen sollten. „Manchmal ist man zwar juristisch im Recht, aber wenn man richtig aufgepasst hätte, hätte ein Unfall gar nicht passieren müssen“, ergänzte Forscher Johannsen.

Viele der Besucher im Regionshaus machten deutlich, wie sehr sie ein Unfall aufgewühlt hat, der sich im Frühjahr an der Kreuzung Vahrenwalder Straße/Industrieweg ereignet hatte. Ein elfjähriger Junge auf seinem Fahrrad war dort unter einen abbiegenden Lkw geraten und getötet worden – beiden, dem Jungen und dem Lkw-Fahrer hatte die Ampel Grün gezeigt. „Auch wenn wir für die Stelle nicht verantwortlich sind, haben wir geprüft, ob wir einige Ampelschaltungen umstellen“, erklärte Franz. Zukünftig sollen Linksabbieger und Rad- und Fußgänger an manchen Stellen nicht mehr gleichzeitig Grün haben. Es werde auch geprüft, ob es ein Lichtsignal für Lkw-Fahrer geben kann, wenn Radfahrer sich der Kreuzung nähern. „Wir müssen auf jeden Fall was verbessern“, bestätigte Franz.

Die Region hat kürzlich selbst einen Impuls vorgestellt, der gewisse Ähnlichkeiten mit der, aber auch deutliche Unterschiede zur schwedischen Vision Zero aufweist. Das Ziel: die Unfallzahlen bis 2035 um immerhin 40 Prozent zu senken. Erste Maßnahme: ein Netzwerk von Institutionen zu organisieren, das neue Strategien und Handlungskonzepte entwickelt. Außerdem will die Region in Richtung Technik voranschreiten und die eigenen schweren Fahrzeuge mit Tote-Winkel-Warnsystemen ausrüsten.

Von Laura Ebeling

Stadt Hannover Zwischen Bothfeld und Herrenhausen - A2 wird bei Hannover wieder zur Dauerbaustelle

Auf der Autobahn 2 muss ab Freitag mit Behinderungen gerechnet werden. Zwischen Hannover-Bothfeld und Herrenhausen werden bis September die Mittelleitplanken erneuert. Auch bei Lehrte wird bis in den Herbst gebaut.

21.06.2018

Seit einer Gerichtsentscheidung wurden keine Sonntagsflohmärkte mehr genehmigt. Jetzt hat der Landtag das Feiertagsgesetz geändert. Flohmarktbetreiber und Besucher sind erleichtert.

21.06.2018

Jede Woche kommen derzeit 40 bis 50 neue Flüchtlinge in Hannover an. Die Unterkünfte sind weitgehend belegt, deshalb plant die Stadt neue Standorte.

24.06.2018