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Stadt Hannover Das Edelrestaurant Clichy schließt 
Aus der Region Stadt Hannover Das Edelrestaurant Clichy schließt 
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09:50 15.03.2018
Au revoir: Das Restaurant Clichy am Weißekreuzplatz schließt. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

 Es gibt Entscheidungen, die fallen nicht über Nacht. Tausend Dinge gilt es zu überlegen – bis man schließlich die schwere Sache in Angriff nimmt, weil sie einfach nicht mehr aufgeschoben werden kann. Ein gutes Jahr hat Ekkehard Reimann gebraucht, bis er an diesem Punkt angelangt ist. Nun sagt er: „Ich hatte ein tolles Leben, aber dieses Kapitel geht zu Ende, und es kommt ein neues.“

Das Clichy war Reimanns Leben. 39 Jahre lang. Bald wird das französische Spitzenrestaurant am Weißekreuzplatz aus seinem Leben verschwinden. Am 30. April schließt es seine Türen. Damit geht eine Ära zu Ende. Reimann und sein Clichy – eine Institution in der hannoverschen Gastronomieszene. 

76 Jahre alt ist der Mann, dessen Soßen stadtbekannt sind. „Ich fühle mich noch gar nicht so“, sagt er. Und doch musste er einsehen, dass Zwölf- bis 14 Stunden-Tage, davon viele am Herd in der aufgeheizten Küche, weder den Knien noch dem Kreislauf gut tun. „Ich bin ja auch für meine Mitarbeiter verantwortlich“, sagt er. Letztlich hätten „die Vernunft und der Bauch im Gleichklang“ entschieden.

Hannover - Treffen mit Ekkehard Reimann, Winfried Kirchner und Björn Hensoldt im Clichy - Foto Tim Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt

Reimanns Rückzug aus der Gastronomie ist dies aber nicht: Seinem Reimanns Eck, seit 2009 Kontrapunkt mit gutbürgerlicher Küche und nur einen Steinwurf vom Clichy entfernt, bleibt der Namensgeber treu. Er könne, versichert er, auch gut damit leben, dass in den freiwerdenden Clichy-Räumen zum 1. Juni eine Niederlassung der hannoverschen Burgerkette Duke Einzug hält. „Vielleicht machen die ja auch einen Clichy-Burger.“

Wenn Reimann erzählt, schwingt Wehmut mit. „Das Clichy war immer eine Herzensangelegenheit. Ich habe hier Azubis ausgebildet, von denen manche heute selbst einen Betrieb haben, ich habe – das kann man wohl so sagen – die Gastronomie in Hannover mitgeprägt , und ich habe hier so viele Gäste begrüßt.“ Dazu zählten auch die jeweils aktuellen Spieler und Trainer von Hannover 96, „Wirtschaftsbosse“ und Politiker unterschiedlichster Couleur. „Alle niedersächsischen Ministerpräsidenten haben hier gegessen.“ Er wiederum sei „Sozialdemokrat vom Scheitel bis zur Sohle“, betont Reimann. Über Jahrzehnte ohne Parteibuch. Erst jüngst ist er wieder eingetreten, das musste mal sein.

Mit 14 startete der junge Ekkehard aus Berlin seine Kochlehre in Köln. 1974 kam er nach Hannover, als Küchenchef im Central-Hotel Kaiserhof am Hauptbahnhof, und fünf Jahre danach machte er sich schon mit dem Clichy selbstständig. Später gehörten auch das Gattopardo im Nikolaiviertel, das Röhrbein in der Galerie Luise und das Königsberg (heute Bar Celona) auf der Lister Meile zu seinem kleinen Gastroimperium. Nach und nach hat er dieses bewusst verkleinert. Doch im Clichy wollte er eigentlich „arbeiten, bis ich umfalle“.

Das hat er sich nun anders überlegt. Auch weil es schwer war, einen Nachfolger für das Edelrestaurant zu finden. Den Kontakt zu den Burgerbratern von Duke vermittelten Reimanns gute Freunde Winfried Kirchner und Wolfgang Hensoldt. Die beiden Gastronomen sind ihm seit Januar 2017 auch geschäftlich verbunden. Seinerzeit stiegen sie bei Reimanns Eck und bei Reimanns Fische am Courtyard-Hotel als Geldgeber ein und sind nun an den Umsätzen beteiligt. Vertraglich ist vereinbart: Sollte sich Reimann, der im Eck nach wie vor für die Speisekarte des Tages und die Qualitätskontrolle zuständig ist, ganz aus dem Geschäftsleben zurückziehen, bekommt er von seinen Partnern, zu denen auch Hensoldts Sohn Björn sowie die Jung-Gastronomen Moritz Mestwerdt und Simon Ario gehören, eine monatliche Rente auf Lebenszeit.

Erst einmal aber haben sie und Reimann gemeinsame Pläne. Zum Beispiel den Auftritt auf dem Maschseefest im Sommer – dort wird dann zumindest auf Zeit der Name Clichy wieder auftauchen. Die berühmte Gänsebraterei an den Weihnachtsfeiertagen übernimmt ebenfalls das neue Team vom Reimanns Eck, zu dem bald auch Reimanns langjähriger Clichy-Küchenchef Elmar Nußbaum gehören wird. Für alle 18 Mitarbeiter des Clichy gebe es auch weiterhin einen Arbeitsplatz, betont Reimann. Entweder im Eck oder andernorts. Dafür hat er sich eingesetzt, das ist ihm wichtig. „Ich habe ja nun mal keine Zeit für eine eigene Familie gehabt, und das hier war meine Familie.“

Wie er von seinen Gästen Abschied nimmt, muss er noch überlegen. „Vielleicht machen wir am letzten Tag eine Inventurparty.“ Doch alle Weinvorräte aufzutrinken, werde man wohl nicht schaffen. Sicher aber ist: Mindestens eines der Sofas aus dem Clichy soll als Erinnerungsstück im Reimanns Eck aufgebaut werden. 

Von Juliane Kaune und Andrea Brack Peña

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