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Stadt Hannover So geht es weiter auf dem alten Schlachthof
Aus der Region Stadt Hannover So geht es weiter auf dem alten Schlachthof
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00:15 13.02.2019
Zufrieden, dass es eine Zukunft gibt: Mieter-Vertreterin Gabriele Wicke und die Verwalter Stefan Böhm und Dominik Krause-Dommnich-Meerheimb. Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Die Stadt sucht dringend Gewerbeflächen für kleine mittelständische Betriebe – aktuell will sie sogar Kleingärten in Hainholz dafür roden, was heftige Proteste auslöst. Umso erstaunlicher, dass ein funktionierendes Gewerbeareal am Pferdeturm mit 70 Betrieben lange Zeit um seine Zukunft zittern musste. Die Hängepartie hat jetzt ein Ende. Nach „mehrmonatigen Verhandlungen“ sei die Zukunft mit einem neuen Achtjahresmietvertrag gesichert, teilt die Stadt mit. Wobei „mehrmonatig“ untertrieben ist: Seit viereinhalb Jahren drängt die Verwaltung des Gewerbeparks Alter Schlachthof auf eine Perspektive für die Mieter, von der 300 Arbeitsplätze abhängen. „Wir sind aber sehr froh, dass jetzt eine Lösung gefunden wurde“, sagt Verwalter Stefan Böhm.

Von 1881 bis März 2017 wurden Tiere auf dem großen Areal am Pferdeturm geschlachtet. Die Betreibergesellschaft allerdings meldete in den Neunzigerjahren Insolvenz an, seitdem entwickelt sich das Gelände zu einem Gewerbepark mit einer großen Vielfalt ansässiger Kleinbetriebe. Die Hannoversche Gewürzmühle, zwei Kaffeeröstereien, Installateure und Malerbetriebe, Caterer und der Fliesenladen Keramik-Loft sind ansässig.

Mieter beklagen „Zeit der Ungewissheit“

2017 kam nach der letzten Schlachtung der medizinische Laborservice Hannomed mit gut 50 Mitarbeitern hinzu, ganz neu ist seit 2019 die Werbeagentur Print48 mit sieben Mitarbeitern. Künstlerateliers, Werkstätten für Töpferkurse, ein bei Schatzsuchern beliebter Betrieb zum Bau von Metallspürgeräten, zwei Gospelgemeinden und viele andere wirtschaften auf dem 55 000 Quadratmeter großen Gelände. Mit der Firma Aket gibt es sogar einen Fleisch-Zerlegebetrieb – nur geschlachtet wird nicht mehr vor Ort. Das Problem: Der Mietvertrag mit der Stadt läuft 2021 aus. „Es war eine lange Zeit der Ungewissheit“, sagt Mietervertreterin Gabriele Wicke: „Niemand hier konnte mehr langfristig planen.“

Gewerbepark Alter Schlachthof soll modernisiert werden

Die Stadt möchte das Gelände mit seinen typisch-spitzen Industrie-Shetdächern und dem maroden Charme gerne modernisieren und wollte die Hanova-Gewerbe, Tochtergesellschaft der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, mit Neubauten beauftragen. Das Problem: „Wenn hier moderne Gewerbeflächen errichtet werden, können viele Kleinbetriebe sich die Mieten nicht mehr leisten“, sagt Mietersprecherin Wicke.

Mietvertrag am Pferdeturm läuft bis 2029

Der jetzt vorgefundene Kompromiss sieht vor, dass die Hanova-Gewerbe einen General-Erbpachtvertrag für das Areal erhält und auf Teilflächen im Süden bereits neu bauen darf. Bis mindestens 2029 aber soll die bisherige Verwaltung des Gewerbeparks Hauptmieter sein, damit behalten alle Untermietverträge mit den Firmen ihre Gültigkeit. Möglich sei sogar eine Verlängerung bis 2031, sagt Mitverwalter Dominik Krause-Dommnich – solche Vereinbarungen müssten dann aber einzeln von der Hanova-Gewerbe abgesegnet werden.

Bisher nur „Schlachthof und Fettschmelze“ zugelassen

Der Rat muss der Planung noch zustimmen – und dann muss der Bebauungsplan geändert werden. Bisher sehe der als einzige Nutzung für die Fläche „Schlachthof und Fettschmelze“ vor, sagt Verwalter Böhm: „Derzeit darf hier kein Bauantrag genehmigt werden, der nicht diesen Bestimmungen entspricht.“ Man sei aber zuversichtlich, dass es Unterstützung in der Politik gebe: „Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne und Bürgermeister Thomas Hermann haben sich jahrelang für uns stark gemacht.“

Frühlingsempfang im „Turm 2“

Noch haben die Sektkorken nicht geknallt am Pferdeturm. Das soll aber nachgeholt werden: Für April ist ein Frühlingsempfang in Wickes Galerie „Turm 2“ geplant. „Da wollen wir die Zukunft der Firmen im Alten Gewerbepark ausgiebig feiern“, sagt Wicke.

Stadtgeschichte seit 1879

Bis 1879 waren in Hannover Stadtteil-Schlachtungen üblich: Jeder ansässige Fleischer schlachtete sich bei Bedarf sein Fleisch selbst, oft in Hinterhöfen, Kellern oder provisorisch hergerichteten Betriebsräumen. Zunehmende Hygieneprobleme führten aber dazu, dass in allen Großstädten kommunale Schlachthöfe eingerichtet und die Stadtteilschlachtungen verboten wurden.

An der Röpkestraße 12 wurde im Juli 1879 der Grundstein für den „Central-Schlacht- und Vieh-Hof“ gelegt. Heute zeugt ein großes Gussmetallschild am Eingang zum Gewerbepark nahe der Pferdeturmkreuzung von der Geschichte. Das Gelände war nach dem Krieg fast viermal so groß wie der heutige Gewerbepark. Eine prachtvolle Allee führte hindurch, gesäumt von Backsteinbauten. Herzstück war die große Schlachthalle, die eher wie eine Markthalle wirkte. Der Großteil der Bausubstanz überstand den Krieg, wurde aber später abgerissen, um zu modernisieren.

Nach 100 Jahren Schlachthofgeschichte erwies sich das Gelände als zu groß. Die Stadt verkleinerte es und privatisierte den Schlachtbetrieb. Das Konzept scheiterte: Hohe Erbpachtschulden häuften sich an. 1996 kam die Insolvenz, fast 15 Jahre lang stand das Gelände unter Zwangsverwaltung.

Seit 2003 füllt sich der alte Schlachthof als Gewerbepark zunehmend mit Mietern. 2011 wurde die Zwangsverwaltung aufgelöst, seitdem siedeln sich immer mehr Kleinbetriebe im Gewerbepark Alter Schlachthof mit 18 610 Quadratmetern Gebäudefläche an.

Die Verwaltung muss von den Mieteinnahmen die Unterhaltung der städtischen Gebäude bezahlen – und hat in den vergangenen Jahren viel geschafft. Dächer wurden modernisiert, Fassaden frisch geweißt, viel von der Haus- und Heiztechnik ist modernisiert. Dem neuen Vertrag mit der Stadt zufolge muss das so auch weitergehen: Für die nächsten acht Jahren verpflichtet sich der Gewerbepark, weitere 1,1 Millionen Euro in die Immobilien zu investieren.med

Von Conrad von Meding

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