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Stadt Hannover Hier wird eine Stadtbahn zerlegt
Aus der Region Stadt Hannover Hier wird eine Stadtbahn zerlegt
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00:23 12.06.2018
Hannover, Demontage der defekten Stadtbahnen, nahe Wallensteinstraße Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Es rumst. Es donnert. Es knirscht und staubt und stinkt. Das hat es noch nicht gegeben in Hannover: Zwei Stadtbahnen werden auf offener Strecke zerlegt. Zersägt. Zerrissen. Beteiligt sind ein Radlader, ein Bagger und acht Männer.

Das Spektakel an der Wallensteinstraße nahe der St.-Thomas-Kirche hatte am Freitagabend begonnen. Üstra-Mitarbeiter und Spezialisten einer Braunschweiger Abbruchfirma legten Eisenplatten auf die Gleise, um die Schienen zu schützen, dann ging es los. Vier Wochen lang hatten die beiden Züge der Linien 3 und 17 auf den Schienen gestanden, nachdem sie am 8. Mai an der Kehranlage zusammengestoßen waren. Die betagten grünen Waggons der Baureihe TW 6000 waren so ineinander verkeilt, dass sie keinen Zentimeter mehr aus eigener Kraft rollen konnten. 15 Verletzte gab es bei dem Unfall, den eine falsch gestellte Weiche verursachte, auch die beiden Stadtbahnfahrerinnen wurden schwer verletzt. Doch jetzt war es Zeit, aufzuräumen in Oberricklingen.

An diesem Wochenende, das hat die Üstra berücksichtigt, pendelten ohnehin keine Bahnen zwischen Wettbergen und Stadionbrücke. Der Ricklinger Stadtweg war gesperrt, dort waren andere Gleisbauarbeiten im Gange. So hatten die Männer, die die demolierten TW 6000 verschrotteten, freie Bahn. Für die Container, auf denen die zerrupften Fragmente aus Stahl, Eisen, Alu und Kunststoff abtransportiert wurden, hatte man zusätzlich noch eine Fahrbahn der Wallensteinstraße abgesperrt.

Für rund 20 Anwohner war das Spektakel am Freitagabend spannender als das Fußballspiel Deutschland gegen Saudi-Arabien, sie hatten sich Klappstühlchen mitgebracht und beobachteten das Zerlegen der Waggons live und in Farbe. Groß herumgeschraubt wurde da nicht mehr, selbst die Sitzbänke riss der Greifer des Baggers brachial heraus. „Das ist kein Feintuning, das ist Grobmotorik“, sagte Bauleiter Frank Bartsch von der Abbruchfirma AD lachend. Dass seine Truppe am Sonnabend wunderbar im Zeitplan lag, hatte einen Grund. „Wir haben die ganze Nacht durchgearbeitet und abwechselnd im Lkw geschlafen“, verriet der Bauleiter. Und wie haben die Nachbarn reagiert? „Bei uns hat sich niemand beschwert.“

Bagger auf zwei Rädern

Knapp 40 Tonnen wiegt ein Waggon, jedes der vier Drehgestelle bringt fünf Tonnen auf die Waage. Der Abtransport dieser Räderwerke entlockte den Männern denn auch die meisten Flüche – es war schwül geworden am Sonnabend. Einen hohen Kran durften sie nicht aufstellen, dazu hätte die Oberleitung entfernt werden müssen, also mussten die massiven Metallmonster mit Bagger und Radlader gehoben und geschoben werden. Manchen Zuschauern stockte der Atem, wenn der Bagger ob des Übergewichts plötzlich nur noch auf zwei Rädern stand – und dann doch wieder auf allen Vieren landete.

Auf einer Streugutkiste hatten es sich Johanna Baziuk und ihr vierjähriger Sohn Marlon schon ab 9 Uhr gemütlich gemacht, waren voll bei der Sache. „Bis 16 Uhr werden wir wohl bleiben“, schätzte die Ricklingerin. Ein wenig blute ihr das Herz ob der Demontage der Waggons, erzählte die 40-Jährige, sei sie doch selbst regelmäßige Stadtbahnkundin: „Und in den grünen Wagen sitzt man auch so toll.“

Am Sonnabend gegen 23 Uhr, viel früher als geplant, war das Verschrottungs-Team fertig mit dem Zerlegen der zwei Züge. Am Sonntag wurde nur noch aufgeräumt und saubergemacht. Die Gleise sind, zum Glück, nicht weiter beschädigt worden, die Stahlplatten haben ihre Funktion erfüllt. Und ab Montag, erklärt Üstra-Sprecher Udo Iwannek, kann das Kehrgleis wieder genutzt werden. Dann wird die Linie 17 wieder bis zum Endpunkt Wallensteinstraße fahren, muss ihre Touren nicht mehr an der Stadionbrücke abbrechen. Auch die letzte Reise der beiden Unglücksbahnen geht noch ein Stück weiter: Auf einem Schrottplatz in Hannover werden ihre Fragmente in noch kleinere Einzelteile zerlegt.

Von Michael Zgoll

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