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Stadt Hannover Zerstrittene Nachbarn überziehen sich mit Klagen
Aus der Region Stadt Hannover Zerstrittene Nachbarn überziehen sich mit Klagen
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00:40 04.06.2018
Sie gab sich vor Gericht unversöhnlich: die 56-Jährige aus Seelze, die sich von ihren Nachbarn bespitzelt fühlt. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Zwei Ehepaare, Nachbarn in einem Ortsteil von Seelze, liefern sich seit sechs Jahren einen erbitterten Kampf. Die Streitigkeiten drehen sich um Bespitzelungen mit Kameras, Baustrahler mit Bewegungsmeldern, beschädigte Zäune und provozierende Kunstobjekte, um das Imitieren vom Stöhnen beim Sex, Attacken mit Pferdeurin und tote Ratten, die über Grundstücksgrenzen fliegen. Auch Drohungen mit Schlägen und einer Pistole stehen im Raum. Das eine Paar – er 63 und sie 56 Jahre alt – hat die deutsche Staatsbürgerschaft, das andere – 53 und 51 Jahre alt – türkische Wurzeln. Und so wurden am Freitag im Amtsgericht Hannover auch einige Rassismusvorwürfe laut.

Das ist der „Kleine Spanner“, den das türkischstämmige Paar per Gerichtsurteil verbannt sehen möchte. Quelle: Florian Petrow

Überhaupt war es ziemlich laut in Saal 2201, und Zivilrichterin Hanna Hintz hatte alle Hände voll zu tun, die arg erregten und sich ständig ins Wort fallenden Kontrahenten zu bändigen. Doch das Bemühen der Juristin, die Streithähne zu einer gütlichen Einigung zu bewegen, war so aussichtslos wie der Versuch, einen Fluss bergauf fließen zu lassen. Ein Urteil in diesem Prozess – eine von mehreren zivil- und strafrechtlichen Auseinandersetzungen, die sich die Nachbarn schon geliefert haben – wird Hintz in vier Wochen sprechen.

Das deutsche Paar wohnt seit mehr als 30 Jahren in seinem Seelzer Fachwerkhaus. 2012 zogen die neuen Nachbarn ein – und es dauerte nicht lange, bis die Feindseligkeiten ausbrachen. Den Auslöser auszumachen, fällt im Wust gegenseitiger Anschuldigungen schwer; sicher ist nur, dass der Streit stetig eskalierte. Auch ein Ladengeschäft, in dem die Zugezogenen mediterrane Lebensmittel verkaufen, geriet bald in den Strudel gegenseitiger Verdächtigungen – die türkische Fahne vor dem Geschäft wurde als Provokation begriffen, die griechische Flagge sei nur Tarnung. Zudem, so hieß es, werde der Laden als Umschlagplatz für denunziatorischen Dorfklatsch missbraucht.

Schlitze in der Dachpfanne

Im aktuellen Fall möchte das Paar, das den Platzhirsch-Status beansprucht, die Gegenseite zur Beseitigung von drei Überwachungskameras zwingen – drei von acht. Die Alteingesessenen wollen etwa beobachtet haben, dass die verhassten Nachbarn aus der Türkei Lüftungsschlitze einer Dachpfanne vergrößert und dahinter eine professionelle Überwachungsanlage vom Typ Elro DV74W installiert haben. Zudem soll das Gericht dafür sorgen, dass das andere Ehepaar Baustrahler mit Bewegungsmeldern abbaut, die den Älteren angeblich mit 1000 Watt ins Schlafzimmer leuchten.

Doch auch der 53-jährige Nachbar zeigte Offensivgeist. Erst seitdem die Kameras installiert seien, hätten die unerträglichen Angriffe der deutschen Nachbarn auf sein Grundstück aufgehört. Sie hätten Heckenpflanzen mit ätzender Flüssigkeit besprüht, Pferdeurin in seinen Garten gekippt und eine tote Ratte über den Zaun geworfen. Die türkischstämmigen Eheleute verweisen darauf, dass es bereits drei Gutachten gebe, die ihnen die Zulässigkeit ihrer Überwachungsanlagen bestätigt hätten. Deren Blickwinkel würden schließlich nur das eigene Grundstück abdecken – was die Nachbarn bestreiten. Richterin Hintz muss im Juni auch über eine Widerklage der Ladenbetreiber entscheiden. Sie möchten, dass ihre ungeliebten Nachbarn einen Bewegungsmelder und mehrere aus ihrer Sicht provozierende Gartenfiguren abbauen, darunter einen „Kleinen Spanner“, der mit seinem Fernglas auf einem Hochsitz hockt, und eine Eule mit rot leuchtenden Solaraugen.

Auch um diese Kamera streiten sich die Nachbarn. Quelle: privat

Einem Satz der 56-jährigen Anwohnerin mochte am Freitag niemand widersprechen. Von all dem Geld, dass die Prozesse schon verschlungen haben, „hätten wir eine wunderschöne Reise machen können“. Doch im gleichen Atemzug wies die gelernte Erzieherin eine gütliche Einigung weit von sich: „Niemals.“ Die Richterin merkte an, dass die verfeindeten Paare noch viele Jahre mit ihren Nachbarn vor sich hätten und eine nervenaufreibende Dauerfehde doch keine Perspektive sei. Doch dass eine der Parteien aus- und umzieht, um wieder in Frieden leben zu können, erscheint utopisch. Die Gegenseite könnte meinen, dann habe sie gesiegt – und einen solchen Triumph sollen die Nachbarn niemals auskosten dürfen.

Von Michael Zgoll

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