Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover „Er wird uns fehlen“
Aus der Region Stadt Hannover „Er wird uns fehlen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 22.12.2014
Von Uwe Janssen
Hannover trauert um Wolfgang Besemer, Chef der Eventagentur "Hannover Concerts". Quelle: HAZ

Wolfgangs Lebenswerk“. Man darf es so sagen. Man muss es vielleicht sogar. Dass Michael Lohmann es über seinen Geschäftspartner und Freund Wolfgang Besemer sagt, ist nicht selbstverständlich. Schließlich war es auch sein eigenes Lebenswerk. Es drückt höchsten Respekt aus vor einem Mann, der vor allem, aber nicht nur mit seiner Firma Hannover Concerts die Stadt, sein Hannover, in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten mitgeprägt hat wie kaum ein anderer. Besemer hat die Stadt, die immer mit dem Ruf des Provinziellen zu kämpfen hatte, zur verlässlichen Station internationaler Musikstars gemacht. Von den Großen fehlte keiner. Alle waren da. Im vergangenen Jahr auch endlich Bruce Springsteen.

Das alles hatte sich der Hannoveraner Besemer nicht träumen lassen, als er Ende der Siebziger mit dem Hannoveraner Lohmann ins Konzertgeschäft einstieg. Ein florierender Konzertstandort wurde zu seiner Vision. Und irgendwann zu seinem Lebenswerk. Am Donnerstag ist Wolfgang Besemer in seinem Haus in der Wedemark zusammengebrochen und noch am gleichen Tag gestorben. Mit 61 Jahren. Zu früh für die Visionen, die er noch hatte. Und sowieso zu früh. „Wir werden uns nun die Zeit der Trauer nehmen. Danach werden wir bei Hannover Concerts alles daran setzen, Wolfgangs Lebenswerk fortzuführen“, sagte gestern Lohmann, und er sagte auch: „Der Alltag wird zukünftig ein anderer sein.“

Drin im Geschäft: Wolfgang Besemer (li.) und Michael Lohmann 1984. Quelle: HAZ

Wolfgang Besemer hatte ereignisreiche, stressige Wochen hinter sich. Hannover war auch dank seines Einsatzes von der Unesco zur City of Music gekürt worden. Kraft gekostet hatten auch die Planungen für ein Konzertjahr 2015, so vollgepackt mit Großereignissen, wie es Hannover lange nicht erlebt hat. Helene Fischer im Stadion, und das bereits ausverkauft, Udo Lindenberg an gleicher Stelle, und für das Messegelände war vor Tagen noch AC/DC gebucht worden, was nicht nur ein Verhandlungskraftakt ist, sondern auch immer wieder ein Ritterschlag in der Branche. Nebenbei konzertierten im Tagesrhythmus Elton John, Udo Jürgens und Cro sowie die Night of the Proms in der TUI Arena, bei allen Shows konnte man Besemer in der Halle sehen, beobachtend, telefonierend und immer freundlich und offen. Den Stress, den solche Massenveranstaltungen mit sich bringen, ließ er sich wie immer nicht anmerken, auch wenn man ihm die Belastung manchmal ansah.

iner Veranstaltungen. Denn die Menschen hatten Eintrittsgeld bezahlt, viele Menschen, viel Eintrittsgeld. Sie sollten sich als Gäste behandelt fühlen, und Besemer war ihr Gastgeber. Eine Routine hat es für ihn in all den Jahrzehnten nicht gegeben. Lieber ging er herum und prüfte, ob der Sound gut war und die Organisation stimmte. Wenn nicht, musste das geändert werden. Da konnte der bärenruhige Ton seiner Stimme schon mal in verbindliche Strenge umschlagen. Schließlich war es sein Baby, sein Lebenswerk. Für das er leidenschaftlich brannte. In seiner Stadt. Das merkten alle, auch die Künstler. Die, die da waren, kamen gern wieder. Und das bis in die Superstar-Liga. Egal, ob McCartney, Genesis, Pink Floyd oder Coldplay: Hannover galt als familiär und angenehm. Als professionell sowieso.

Hannover Concerts stellt 2001 das Konzept einer „Parkbühne“ vor. Quelle: HAZ

Trotzdem war Besemer nie einer, der im Vordergrund stehen wollte, der sich ins Bild drängelte, wenn die Kameras klickten. Er wollte einfach, dass es lief. Natürlich oft mit einem geschäftlichen Interesse, oft aber auch im Hintergrund, nicht als Strippenzieher, sondern als Weichensteller. Oder als Vermittler oder Schlichter, als gut vernetzter Troubleshooter, als erfahrener Ideengeber. Manche nannten ihn den Paten von Hannover. Und zwar mit uneingeschränkter Hochachtung. Wenn Besemer eine Idee sah, egal ob seine eigene oder die von anderen, die seiner Stadt zu Strahlkraft verhelfen konnte, setzte er alles in Bewegung, um sie zu realisieren. „Wenn die Idee gut ist“, sagte er einmal, „wird sich jemand finden, der sie finanziert.“

Bestürzung in der Stadtpolitik

In der Kommunalpolitik ist der überraschende Tod Wolfgang Besemers mit Bestürzung aufgenommen worden. Regionspräsident Hauke Jagau ist bei seiner Jahresabschlusskonferenz sichtlich berührt. „Das nimmt mich sehr mit, er war ein guter Freund von mir“, sagt er mit erstickter Stimme. Besemer sei für die Region Hannover „unglaublich wichtig“ gewesen. Auch im persönlichen Umgang sei er ein „außergewöhnlicher Mensch“ gewesen, dessen Rat Jagau immer sehr wichtig gewesen sei. Für Oberbürgermeister Stefan Schostok war Besemer eine „feste Größe im hannoverschen Kulturgeschehen“. In der Sitzung des Kulturausschusses legen die Politiker eine Schweigeminute für den verstorbenen Konzertmanager ein. Kulturdezernentin Marlis Drevermann würdigt dessen Engagement für Hannovers Weg zur Unesco City of Music. „Diese internationale Auszeichnung unserer Stadt ist maßgeblich ein Verdienst von Wolfgang Besemer.“

asl

Gute Ideen gab es genug. Eine persönliche Herzensangelegenheit war ihm das Fanfest zur Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Waterlooplatz. Ein Gratiskonzert mit den Scorpions, Heinz Rudolf Kunze, Oliver Perau, Mousse T. und Fury in the Slaughterhouse, hannoverschen Musikern, die er begleitet, gestützt oder großgemacht hat. Es sollte sagen: Guckt mal, das ist und das kann Hannover! So etwas mochte er. Auch das Reunion-Konzert der Furys 2013 auf der Expo-Plaza war Besemers Idee. 25 000 Menschen, eine weitere Stadtparty mit beträchtlicher Außenwirkung.

Besemer (Mitte) gehört zu denen, die Hannover zur Unesco City of Music machen. Quelle: HAZ

2015 wird es davon einige geben. Einer City of Music angemessen. Wenn man diesen Titel mit größtmöglichem Sinn füllen will, sollte man ihn Wolfgang Besemer und seinem Lebenswerk widmen.

Besemer, Lohmann und Hannover Concerts – eine Erfolgsgeschichte

Vom Startschuss 1978 zum ersten ­Mega-Event: Von der Gründung der Agentur Hannover Concerts, 1978, dauerte es gerade einmal vier Jahre bis zum Open-air-Konzert im Niedersachsenstadion, das damals noch 60 000 Zuschauer fasste. 1982 holten die Endzwanziger Besemer und Lohmann die Rolling Stones nach Hannover. Dabei erreichte die Show eine Eskalationsstufe, die es danach nie wieder gegeben hat: Peter Maffay im Vorprogramm wurde ausgepfiffen und beworfen, das Konzert stand auf der Kippe.

Ab 1987 – wie Mega-Events zur Routine werden:  Hannover Concerts lernt schnell dazu. Und wächst und wächst. Die größten deutschen und Weltstars des Pop kommen jetzt nach Hannover: zum Beispiel Genesis (1987), Michael Jackson (1988), Westernhagen (1992), Tina Turner (2000), Madonna (2006), U2 (2010), Pink Floyd (2011), Coldplay (2012), Bruce Spingsteen und Robbie Williams (2013).

Alte Plätze, neue Ideen: Der Stratege Besemer, mit besten Kontakten in die Wirtschaft und Politik, weiß alle mit seiner Leidenschaft und Branchenkenntnis für den Standort zu begeistern. Und er hatte eine genaue Vorstellung von der musikalischen Infrastruktur der Stadt. Das Capitol am Schwarzen Bären – 1986 wieder eröffnet – etablierte er mit Michael Lohmann, Bernd Pachhausen und Joseph Maierhofer zum Konzert- und Tanztempel. 2002 wird die Parkbühne neben der Stadionsporthalle eröffnet. 2003 übernimmt Hannover Concerts auch gleich deren Betrieb und etabliert sie nicht nur als Konzerthalle, sondern auch als Heimspielort des Handballteams der Recken. Zudem sind dort inzwischen auch die Büros der Agentur.

Theater, Ballett, Musical, Klassik? Können sie auch: 1994 steht das Theater am Aegi vor der Insolvenz – und Besemer hat eine Idee. Sie funktioniert. Und eine weitere bringt Leben in die Herrenhäuser Gärten: Anfang des Jahrtausends bringt Besemer Landesbühnenleiter Gerhard Weber mit den Musikern Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig zusammen – die Geburtsstunde des dortigen „Sommernachtstraums“. 2010 übernimmt Besemer den Shakespeare-Reigen im Großen Garten. Die Grenze zwischen Pop, Rock und Klassik – aufgehoben! 2012 hat Besemer eine Idee fürs Erika-Fisch-Stadionb – ehemals Mehrkampfanlage. 2012 treten binnen weniger Tage Peter Maffay, Helene Fischer und Geiger David Garrett auf. Hannover kommt auf den Geschmack: Im Frühjahr dürfen die Chefs des NDR-Funkhauses am Maschsee und der Hausherr im Rathaus den Maschpark zur Opern-Arena erklären. Der Mann, der die Idee hatte und alles sauber über die Bühne bringt, hält sich vornehm im Hintergrund – Wolfgang Besemer.

Katja L. ist HIV-positiv. Weil sie auf die Medikamente mit schweren Nebenwirkungen reagiert, kann sie derzeit nicht arbeiten. Ein Fall für die HAZ-Weihnachtshilfe.

Veronika Thomas 20.12.2014

Fast ein Jahr lang verstaubten sie auf Kirchendachböden. Jetzt putzen die Gemeinden ihre Krippen heraus – und unter diesen sind wahre Kunstwerke.

Simon Benne 19.12.2014
Stadt Hannover Montag bringen, Heiligabend da - Endspurt für Weihnachtspakete

Ein Rekord bei der Post-Tochter DHL hat negative Auswirkungen für die Kunden: Kurz vor Weihnachten sei erstmals die Marke von sieben Millionen bearbeiteter Sendungen pro Tag übertroffen worden, heißt es im Unternehmen. Kunden müssen wegen des hohen Aufkommens ihre Pakete möglichst früh in die Filialen oder DHL-Shops bringen.

Conrad von Meding 19.12.2014