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Stadt Hannover Hannover setzt auf Tablets für Schulen
Aus der Region Stadt Hannover Hannover setzt auf Tablets für Schulen
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07:09 14.10.2016
Von Andreas Schinkel
Tafel oder Tablet? Zumindest in sechs Pilotschulen will die Stadt ab 2017 auch auf multimediale Unterrichtstechniken setzen Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Die Schüler treffen sich und besprechen, wie die komplizierte Matheaufgabe zu lösen ist. Jeder schlägt einen Lösungsweg vor, gemeinsam tüfteln sie an den Gleichungen. Das alles aber passiert im virtuellen Raum - tatsächlich sitzen die Schüler verstreut an verschiedenen Orten, der eine in der Schulmensa, der andere im Freizeitraum. So oder ähnlich könnte bald das digitale Lernen an Hannovers Schulen aussehen.

„Experten gehen davon aus, dass das Lernen in Zukunft nur noch zu 20 Prozent über Frontalunterricht stattfindet“, sagt Hannovers Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski im Gespräch mit der HAZ. Das bedeute, dass nicht nur im Klassenraum gelernt werde, sondern die gesamte Schule als „Lernraum“ fungiere. Um das zu ermöglichen, schafft die Stadtverwaltung als Schulträger jetzt im großen Stil Tablet-Computer an und installiert schnelle, drahtlose Internetanschlüsse in Hannovers Schulen - zumindest in sechs von ihnen. Und sie hofft dabei auch auf Unterstützung aus dem neuen Bundesförderprogramm, das Bildungsministerin Johanna Wanka jetzt vorgestellt hat.

3,8 Millionen Euro lässt sich die Stadt die Digitaloffensive an ausgewählten Schulen kosten. Dazu zählen die Helene-Lange-Schule, die Humboldtschule, die Käthe-Kollwitz-Schule, die IGS Linden, die Gerhart-Hauptmann-Realschule und die Egestorffschule (Grundschule). Schon jetzt hat die Verwaltung alle nötigen Anschlüsse für ein leistungsfähiges drahtloses Netz (WLAN) in den Schulen gelegt. Anfang 2017 sollen etwa 75 Tablet-Computer pro Schule angeschafft werden, um Lehrer und Schüler mit den Geräten vertraut zu machen.

Nach den Sommerferien 2017 wird es ernst mit dem digitalen Unterricht für insgesamt etwa 1280 Schüler. Sie gehen dann mit einem Tablet unterm Arm zur Schule, ebenso ihre Lehrer. Welchen Gerätetyp die Eltern anschaffen müssen, ist noch nicht geklärt. Die Kosten schätzt die Stadt auf 350 bis 400 Euro - wahrscheinlich gibt es Leasingmodelle. Lehrer bekommen ihre Tablets bezahlt, wie alle Schulmaterialien, betont die Stadt.

Ein Jahr lang läuft der Versuch mit dem digitalen Lernen an den sechs Pilotschulen, dann wird ein Fazit gezogen. „Wir müssen Erfahrungen sammeln und auswerten, was sich bewährt und an welchen Punkten wir vielleicht eine andere Herangehensweise entwickeln müssen“, sagt die Bildungsdezernentin. Klar ist für sie, dass langfristig alle 100 allgemeinbildenden Schulen in Hannover aufgerüstet werden müssen. „Unsere Rolle als Schulträger ist es, den Einsatz von digitaler Technik im Unterricht zu ermöglichen“, sagt Rzyski.

Um die Millioneninvestition stemmen zu können, hofft Hannover jetzt auf Hilfe aus der Bundeskasse. Bundesbildungsministerin Wanka (CDU) will den Ländern fünf Milliarden Euro geben, um Schulen technisch besser auszustatten. „Die Landeshauptstadt Hannover wäre geradezu prädestiniert, um in das Förderprogramm des Bundes aufgenommen zu werden“, sagt Hannovers Bildungsdezernentin. Noch gebe es aber keine Antragsformulare.

An den Schulen wird die Digital-Offensive begrüßt. „Die neue Technik macht aber nur Sinn, wenn sie einen pädagogischen Mehrwert erzielt“, sagt der Leiter der Leibnizschule, Kurt Veith. Zudem müsse es Menschen geben, die die Tablets der Schüler und Lehrer warten und die Programme aktualisieren. „Das darf nicht an einzelnen Lehrern hängen bleiben“, sagt Veith. Die Stadt hat eine Softwarefirma beauftragt, sich um alle Verwaltungsrechner zu kümmern. Die Firma soll auch die Schulcomputer betreuen. Ob das zu schaffen ist, muss der Pilotversuch erweisen.

CDU: Schulen technisch noch in der Steinzeit

Nicht nur Lob kommt aus der Ratspolitik für den Vorstoß der Stadtverwaltung, sechs Schulen technisch aufzurüsten. „Die Schulen befinden sich in Sachen Medienausstattung noch in der Steinzeit“, sagt CDU-Ratsherr Maximilian Oppelt. Insofern sei es zwar höchste Zeit, dass die Stadt aktiv werde. „Aber warum werden nur sechs Schulen mit WLAN-Anschlüssen und Tablets versorgt, während der Rest im Regen steht?“, fragt Oppelt. Schließlich gebe es bereits Laptop-Klasen an einigen Schulen, die Erfahrungen mit dem computergestützten Lernen gemacht haben – da sei keine Pilotphase erforderlich. Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski hält dagegen. „Wenn wir versuchen würden, allen Schulen zeitgleich den Einstieg in das digitale Lernen per Tablet zu ermöglichen, gingen wir ein hohes Risiko ein. Und zwar organisatorisch und finanziell“, sagt sie.

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