Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Hannovers Region baut 62 neue Fahrradpisten
Aus der Region Stadt Hannover Hannovers Region baut 62 neue Fahrradpisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 21.01.2017
Von Bernd Haase
Erst gab es Ärger, jetzt hat sich die Situation normalisiert: Gestrichelte Fahrrad-Schutzstreifen auf Hannovers Podbielskistraße. Quelle: VILLEGAS
Hannover

An insgesamt 62 Ortsdurchfahrten in Hannovers Umland wird in den kommenden drei Jahren gebaut und gemalt. Um den Radverkehr zu fördern, will die Region dort, wo es notwendig ist, den Fahrbahnbelag sanieren. Für sämtliche 62 Ortsdurchfahrten plant sie sogenannte Schutzstreifen, eine Sonderform von Radwegen. Letzteres stößt nicht überall auf Begeisterung: Zu breit, zu laut, zu unübersichtlich und damit zu gefährlich, lauten Kritikpunkte. Geäußert wurden sie dort, wo es schon Planungen gab, vielfach von örtlichen Politikern, aber auch von Anwohnern.

Der Region geht es um das Radwegenetz für den Alltagsverkehr, das beispielsweise Pendler motivieren soll, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Es umfasst rund 800 Streckenkilometer und ist an die wichtigen Radwege in der Stadt Hannover angebunden.

„Häufig fehlen Radverkehrsanlagen oder vorhandene sind zu schmal“, heißt es in einer Bestandsaufnahme, die Dirk Thäle vom Fachbereich Verkehr präsentiert hat. Nur ein knappes Viertel des Gesamtnetzes hält der Fachbereich demnach für so gut, dass kein Handlungsbedarf besteht. Für den Rest gilt: Radfahrer sollen auf lückenlosen Pisten mit wenigen Hindernissen und klarer Wegeführung schneller als bisher ans Ziel gelangen.

Region hat Fördergeld beantragt

Um die Ortsdurchfahrten anpacken zu können, hat die Region Fördergeld beim Bundesumweltministerium beantragt. „Kürzlich haben wir die Nachricht erhalten, dass 3 Millionen Euro bewilligt worden sind“, sagt Sprecher Klaus Abelmann. Eine weitere Million Euro wird die Region zur Finanzierung des Drei-Jahres-Programms aus eigenem Etat beisteuern.

Wenn es um die Umsetzung geht, kommt die viel diskutierte Radwegebenutzungspflicht ins Spiel. Im Jahr 2010 hat das Bundesverwaltungsgericht in einem Urteil festgelegt, dass der Radverkehr vorrangig die Fahrbahn für die Autos nutzen soll – der Fachmann spricht von Mischverkehr. Das galt früher als Sicherheitsrisiko, deshalb wurden, wo immer möglich, separate Radwege angelegt. Mittlerweile ist man zur gegenteiligen Auffassung gelangt. „Aktuelle Forschungen haben ergeben, dass Radfahrer immer dann am sichersten fahren, wenn sie möglichst durchgängig im Sichtfeld der Autofahrer bleiben“, sagt Gerald Roloff vom Fachbereich Verkehr der Region.

Seitdem hat Mischverkehr Konjunktur. Eine Spielart davon bildet der Schutzstreifen, bei dem sich die Radfahrer auf Fahrbahnniveau befinden und ihr Bereich durch eine gestrichelte Linie von demjenigen für den Autoverkehr abgetrennt ist. Autos dürfen die Grenzlinie nur in Ausnahmefällen überfahren.

Die Regel besagt, dass Schutzstreifen auf Strecken mit Gegenverkehr so angelegt werden müssen, dass sich zwei Autos auf der restlichen Fahrbahn begegnen können müssen. Trotzdem herrscht vor Ort Skepsis. In Burgdorf-Ehlershausen beispielsweise, wo es den Streifen schon gibt, hatte es im Vorfeld Proteste gegeben, der Ortsrat hat sich dagegen ausgesprochen. Das hält an. „Radfahrer als schwächste Verkehrsteilnehmer befinden sich in permanenter Gefahr“, beklagten Politiker bei einem von der CDU organisierten Ortstermin. Das liege auch daran, dass Autofahrer die für Schutzstreifen geltenden Verkehrsregeln nicht kennen würden.

Weniger Parkmöglichkeiten

In Burgdorf-Schillerslage mit seiner stark befahrenen Ortsdurchfahrt sehen einige Politiker die Dinge ähnlich und würden die Radler lieber auf dem vorhandenen kombinierten Geh- und Radweg belassen. In Burgwedel-Engensen beklagen Ortsratsmitglieder wegfallende Parkmöglichkeiten für Autofahrer und mögliche neue Gefahrenstellen. Weitere Kritikpunkte, die mancherorts geäußert werden: Es entstehe zusätzlicher Lärm durch Rollgeräusche von Autoreifen auf den Markierungen; große Fahrzeuge wie Traktoren oder Busse hätten nicht mehr genug Straßenraum.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club und die Polizei sehen die Dinge in der Regel anders und halten die Schutzstreifen für sinnvoll. Es gibt sie auch in Hannover, beispielsweise an der Podbi. Die ist im vorderen Teil Richtung Lister Platz eher beengt, deshalb ist im Vorfeld über die Separatpiste lange diskutiert worden. Seit sie eingerichtet worden ist, hört man davon nicht mehr viel. Die Sache funktioniert.

Hier gibt es bald die Schutzstreifen

In folgenden Ortsdurchfahrten sollen, wo notwendig, Fahrbahndecken für den Radverkehr saniert und sämtlich Schutzstreifen angelegt werden:

 

Barsinghausen: Groß Munzel, Großgoltern, Ostermunzel.

Burgdorf: Heeßel.

Burgwedel: Engensen (2), Großburgwedel (2), Kleinburgwedel (2), Thönse (2), Wettmar (2).

Garbsen: Frielingen (2), Heitlingen, Osterwald-Unterende, Meyenfeld, Schloss Ricklingen.

Gehrden: Everloh, Lenthe, Northen.

Hemmingen: Devese, Hemmingen.

Laatzen: Gleidingen.

Langenhagen: Kaltenweide.

Neustadt: Bordenau (2), Hagen, Mariensee, Niedernstöcken, Otternhagen, Poggenhagen.

Pattensen: Jeinsen (2), Pattensen.

Ronnenberg: Empelde, Weetzen.

Seelze: Döteberg, Gümmer, Harenberg (2), Letter, Lohnde, Seelze.

Sehnde: Bilm (2), Bolzum, Dolgen, Evern, Haimar, Ilten (2).

Uetze: Altmerdingsen, Hänigsen.

Wedemark: Bennemühlen, Bissendorf, Brelingen, Scherenbostel/Buchholz, Wiechendorf.

Wennigsen: Evestorf.

 

Die Ziffer 2 in Klammern hinter Ortsnamen bedeutet, dass in einer Ortschaft zwei Kreisstraßen betroffen sind.

Die Wartemarken sind passé: In den Bürgerämtern Hannovers kann man sich nun online anmelden. Während die Online-Terminvergabe bei den meisten gut ankommt, warnen Sozialverbände vor der Ausgrenzung von Menschen ohne Internetzugang.

Andreas Schinkel 21.01.2017

Schloss Marienburg inmitten der von Raureif bedeckten Bäume bei Pattensen. Der Anblick der Residenz im Süden von Hannover lohnt sich sowohl von Nahem als auch aus der Luft. Hier finden Sie eine Galerie mit Impressionen aus einer Drohne. 

18.01.2017

Die Stadt Hannover will den Wedekindplatz in der List umgestalten. Dabei sollen auch Bäume ersetzt werden. Eine Interessengemeinschaft ist allerdings vehement dagegen. Die Anwohner, die sich unter dem Namen "Wedewipfel" zusammengetan haben, fürchten um ihr "Klein-Paris".

Uwe Janssen 21.01.2017