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Stadt Hannover Hannovers Retter werden immer öfter Opfer von Attacken
Aus der Region Stadt Hannover Hannovers Retter werden immer öfter Opfer von Attacken
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00:15 20.05.2017
Symbolbild Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Rettungskräfte sehen sich zunehmend Gewaltattacken ausgesetzt - sowohl verbal, als auch physisch. „Sie gehören inzwischen leider zum täglichen Geschäft“, sagt Mario Kraatz, Landesvorsitzender der Verdi-Fachgruppe Feuerwehr Niedersachsen/Bremen. Aus diesem Grund hat Verdi nun ein Positionspapier mit dem Titel „Gewalt gegen Einsatzkräfte“ an den Innenstaatssekretär Stephan Manke überreicht und fordert ein breites Bündnis gegen die Aggressoren.

Deutlich mehr Übergriffe

Im dem Papier fordert Verdi, dass Vorgesetzte und Dienststellen die Mitarbeiter „bei Anzeigen gegen Gewalttäter vorbehaltlos unterstützen“. Gleichzeitig sollen Polizei und Staatsanwaltschaft Delikte „zügig verfolgen und konsequent ahnden“. Die Einsatzkräfte müssten in Sachen Deeskalation geschult werden, gleichzeitig solle der Dienstherr Schmerzensgeldforderungen begleichen, sofern der Verursacher nicht zahlen kann.

„Wir sind da auf einer Linie“, sagt Innenstaatssekretär Manke. Die Vorfälle müssten „konsequent bestraft“ werden, schon Behinderungen der Einsatzkräfte sollten geahndet werden. „Wir müssen bereits im Vorfeld tätig werden“, sagt Manke. Innenminister Boris Pistorius (SPD) setze sich daher im Bundesrat für eine Neuregelung des Gesetzes zur Stärkung des Schutzes von Rettungskräften und Vollstreckungsbeamten ein.

Manuel Wittmershaus, Verdi-Mitglied und Rettungsassistent bei der Feuerwehr Hannover, kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. „Vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist, kommt es oft zu Beleidigungen“, sagt der 44-Jährige. Einmal habe er einen Betrunkenen untersucht, als dieser plötzlich zum Schlag ausgeholt habe. „Zum Glück hat er mich nur leicht touchiert.“ Es gebe Einsätze, da könne die Rettungswagenbesatzung gar nicht mehr zu zweit helfen. „Der Kollege sichert stattdessen das Umfeld ab und passt auf, dass nichts passiert“, sagt Wittmershaus. Der Raschplatz gehöre zu solchen kritischen Gegenden.

2 Anzeigen im Monat

154 Übergriffe auf Rettungsdienstler und Feuerwehrleute wurden 2015 laut Verdi in ganz Niedersachsen registriert. Vier Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 94.

Die Berufsfeuerwehr Hannover erstattet im Schnitt zweimal pro Monat Anzeige gegen Gewalttäter. „Wir verstehen da keinen Spaß“, sagt Behördensprecher Michael Hintz. „Wir verfolgen jeden Fall konsequent.“ Die Retter werden beleidigt, bespuckt oder angegriffen. Wie hoch die Dunkelziffer an Zwischenfällen ist, die die Helfer im Alltag einfach wegstecken, ist nicht bekannt.

Die Feuerwehr muss sich immer öfter Anfeindungen gefallen lassen. Michael Sander, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes, sagt: „Wir werden nicht mehr ausschließlich als Freund und Helfer wahrgenommen.“ Unter anderem Mitte April wurden Feuerwehrleute in Wunstorf von Autofahrern als Idioten beschimpft, weil sie im Zuge eines Einsatzes eine Straße sperren mussten. pah

Spezielle Taschenlampen

Die Berufsfeuerwehr verfolgt Gewalttäter bereits rigoros. „Unsere Kräfte sind angehalten, solche Fälle zur Anzeige zu bringen“, sagt Behördensprecher Michael Hintz. „Wir unterstützen sie.“ Gleichzeitig gehöre ein Deeskalationstraining zur Aus- und Weiterbildung. An Bord der Rettungswagen befinden sich seit Neuestem zudem Stroboskoptaschenlampen. „Sie können eine Blitz- und Blendwirkung erzeugen“, sagt Hintz. So können sich die Retter bei Gefahr „schnellstmöglich zurückziehen“.

Allerdings wehren sich sowohl Verdi, als auch die Berufsfeuerwehr gegen harte Mittel wie Pfefferspray, Schutzwesten oder Kampftraining. „Diese Aggressionssignale könnten die Gefahr steigern“, sagt Kraatz. Feuerwehrsprecher Hintz ergänzt: „Außerdem sind wir da, um zu helfen.“

Von Peer Hellerling

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