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Stadt Hannover Emil Lorenz – Hannovers vergessener Villenarchitekt
Aus der Region Stadt Hannover Emil Lorenz – Hannovers vergessener Villenarchitekt
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00:19 08.02.2019
Vor dem heutigen Gästehaus der Landesregierung: Bauhistorikerin Birte Rogacki-Thiemann mit dem Buch über Architekt Emil Lorenz. Quelle: Katrin Kutter (Montage)
Hannover

Ein „behagliche Heim“ habe die Stadt ihm als Alterssitz überlassen, bedankte sich 1918 Hannovers Ehrenbürger, der 71-jährige Paul von Hindenburg. Der Brief war an Stadtdirektor Heinrich Tramm gerichtet, doch vor allem galt der Dank dem Architekten, der ihm eine Villa im Zooviertel so prächtig gestaltet hatte: Emil Lorenz, damals einer der bekanntesten zeitgenössischen Planer Hannovers. Aber wie das so ist im Leben – oft kommt es anders, als man denkt. Hindenburg begann kurze Zeit später als Reichspräsident seine zweite, unheilvolle Karriere und verließ Hannover. Und Architekt Lorenz geriet weitgehend in Vergessenheit. Jetzt haben Forschungen Überraschendes über ihn zutage gefördert. Zu seinem Geburtstag an diesem 6. Februar (er wäre 162 Jahre alt geworden) ist ein Buch über ihn erschienen.

Villen für Beindorff, Tramm und Hindenburg

Nicht nur für Hindenburg baute Lorenz ein Villenwohnhaus, sondern auch für Stadtdirektor Tramm selbst und etliche andere Oberschichtfamilien in Hannover. Er schuf das heutige Gästehaus der Landesregierung in der Lüerstraße sowie zahlreiche Bank- und andere öffentliche Gebäude, er beteiligte sich an allen großen Wettbewerben seiner Zeit und lieferte auch die Entwürfe für Hannovers erstes Hochhaus, das Anzeiger-Hochhaus von August Madsack an der Goseriede. Markiert man auf einer Stadtkarte die Grundstücke, für die Lorenz Häuser entworfen hat, dann sind Hannovers historische Viertel gesprengselt mit Standorten: im Zooviertel, in Kleefeld, in Waldhausen und natürlich in der Innenstadt. 85 realisierte Bauwerke zwischen 1890 und 1944 konnte Bauhistorikerin Birte Rogacki-Thiemann nachweisen, bei einigen weiteren ist unklar, ob Lorenz der Urheber ist – im Krieg sind die hannoverschen Bauakten verbrannt. Die hohe Zahl an Bauten ist deshalb so faszinierend, weil Lorenz offenbar Einzelkämpfer war. „Alle Zeichnungen und fast alle Briefe an die Stadt tragen seine eigene Signatur“, sagt Forscherin Rogacki-Thiemann: „Nach allem, was ich gefunden habe, hatte Lorenz abgesehen von vereinzelten Helfern keinen Mitarbeiterstamm.“

Lorenz, 1857 in Zwickau als sechstes von sieben Kindern geboren, hatte Glück. Als der fertig studierte Architekt sich 1886 in Hannover niederließ (und kurz darauf die Marie heiratete, die Tochter des Nachbarn und Fleischermeister August Happe), da flossen in Deutschland die Reparationszahlungen nach der Niederlage der Franzosen. Die Wirtschaft florierte, das erstarkende Bürgertum hatte Geld und investierte es gern in repräsentative Bauten. Die Zeit ist als Gründerzeit bekannt, der Reichtum an den geschmückten Fassaden der Gründerzeitviertel ablesbar, soweit sie in Hannover erhalten sind.

Viele Banken und ein Hochhausentwurf

Lorenz baute Banken: in der Sophien- und der Prinzenstraße, der Rathenau- und der Landschaftsstraße, am Theaterplatz und Schäferdamm. Vieles davon ist kriegszerstört, einiges im geschichtsvergessenen Hannover noch in diesem Jahrtausend abgerissen wie das Bankhaus Caspar in der Prinzenstraße, das 2014 dem Neubau für die KPMG zum Opfer fiel. Und nicht alles wurde umgesetzt. Verleger August Madsack beauftragte Lorenz 1925 mit den Entwürfen für das Anzeiger-Hochhaus mit Planetariumskuppel. Die Planung gedieh so weit, dass der zuständige preußische Minister 1926 die Genehmigung erteilt. Doch dann bittet Stadtbaurat Karl Elkart den Verleger Madsack, doch besser den prominenteren Architekten Fritz Höger aus Hamburg zu beauftragen, nach dessen Plänen das prächtige Zeitungshaus schließlich erbaut wird. Lorenz soll das sehr gewurmt haben.

In der Villa Lüerstraße tagt heute das Kabinett

Von seinen Villen für Hannovers Oberschicht aber sind etliche erhalten. In der Villa Tramm gegenüber dem Kuppelsaal residiert heute der Steuerberaterverband. Die Hindenburg-Villa, die Lorenz bereits 1909 für den Regierungsrat Hans Heydemann erbaut hatte und dann 1918 für Generalfeldmarschall von Hindeburg erweiterte, ist heute Kanzlei- und Wohnhaus. Für Pelikan-Direktor Fritz Beindorff baute Lorenz ebenso wie für Bankier Louis Lemmermann oder Kaufmann Franz Garvens. Und dann ist da die Villa für den Fabrikanten Fritz Kaeferle, die Lorenz in der Lüerstraße errichtete – heute als Gästehaus der Landesregierung genutzt, wo repräsentativ Staatsbesuch empfangen wird und das Kabinett wöchentlich tagt.

Das im Renaissancestil erbaute Prunkhaus mit seiner säulengespickten Terrasse über dem von Gartendirektor Julius Trip angelegten Garten gehört sicherlich zu den schönsten erhaltenen Bauwerken aus Lorenz´ Feder. Vor allem ist der Villa das Buch zu verdanken. Autorin Rogacki-Thiemann hatte vom Land den Auftrag, vor einer Sanierung die Baugeschichte des Gebäudes zu erforschen – und aus dem Kontakt zu Lorenz´ Enkeln ergab sich eine fünfjährige Forschung.

Nicht nur von der Quantität des Lorenzschen Werks sei sie angetan, sagt die 46-jährige Bauhistorikerin, sondern auch von der Wandlungsfähigkeit des Architekten. Vom Erschaffer historisierender Bauten mit prunkvollem Fassadenschmuck habe Lorenz sich gewandelt zu einem Baumeister, der auch modern-sachliche Häuser schuf, etwa den Sitz der IHK an der Berliner Allee, der allerdings kriegszerstört ist.

Häuser von Peine bis Potsdam, von Berlin bis Bayern

Nicht nur in Hannover baute Lorenz, sondern auch von Peine bis Potsdam, von Berlin bis Bayern. „In Hannover war aber der eindeutige Schwerpunkt seines Schaffens“, sagt Stadtarchiv-Chefin Cornelia Regin. Weil die Beschäftigung mit der Baugeschichte in der Nachbarschaft für immer mehr Menschen ein Thema sei, hat das Stadtarchiv die Herausgabe des Buchs als 17. Band der Schriftenreihe „Hannoversche Studien“ übernommen.

Info: Birte Rogacki-Thiemann: „Wir verändern uns, aber wir vergehen nicht – Die Bauten des Architekten Emil Lorenz“, Wehrhahn-Verlag, 334 Seiten mit Karten und 189 Abbildungen, 28 Euro.

Hannovers wichtigste Architekten

Hannover ist von mehreren Architekten stark geprägt worden. Große Bedeutung haben der klassizistische Baumeister Georg Ludwig Friedrich Laves (1788–1864: Opernhaus, Leineschloss) und der Gründer der hannoverschen Architekturschule, Conrad Wilhelm Hase (1818–1902: Künstlerhaus, Christuskirche). Stadtbildprägend in der Gründerzeit waren unter anderem Hermann Schaedtler (1857–1931: Lister Turm) und Hubert Stier (1838–1907: Hauptbahnhof), in diese Kategorie Baumeister zählt auch Emil Lorenz (1857–1944). Im Wiederaufbau stachen hervor etwa Dieter Oesterlen (1911–1994: Landtag), Ernst Zinsser (1904–1985: Conti-Hochhaus) und Friedrich Lindau (1915–2007: Messebauten).

Von Conrad von Meding

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