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Stadt Hannover Hannovers versteckte Schätze
Aus der Region Stadt Hannover Hannovers versteckte Schätze
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21:02 08.12.2014
Von Simon Benne
„Es ist toll, wenn Musik Menschen bewegt“: Ulfert Smidt an der Goll-Orgel in der Marktkirche. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Wie ein Maschinist sitzt er da. Man könnte Ulfert Smidt fast übersehen vor den Orgelpfeifen, von denen einige mehr als fünf Meter hoch sind. Klein wirkt der schlanke Mann zwischen den vielen Registern. Als wäre er selbst nur ein Teilchen dieses monumentalen technischen Gebildes. Der Organist lässt den Blick hinab schweifen. Wer von seiner Empore schaut, könnte glauben, unsichtbar über dem Kirchenschiff zu schweben. Dann lässt Smidt seine Finger über die Tasten der vier Manuale fliegen: die berühmte Toccata von Charles Maria Widor. Schnelle Läufe in der rechten Hand. Unter ihm bleiben die Menschen in der Marktkirche stehen.

Ein Organist kann auch einen so großen Raum wie diesen mit Klang und mit Staunen füllen, mit Melancholie oder mit Pathos oder mit einem ätherischen Flirren, das die Menschen zum Himmel blicken lässt. Er kann aus dem Nichts eine Kathedrale aus Tönen errichten. Als das Stück endet, hallen die letzten Akkorde noch lange nach. Smidt blickt auf die gotischen Spitzbögen, die ihn umgeben. „Ein schöner Arbeitsplatz“, sagt er und lächelt verschmitzt.

Der Bothfelder ist seit 1996 Stadtkantor an der Marktkirche. Schon als 13-jähriger Jungorganist radelte Smidt durchs heimische Bremen, um vertretungsweise in verschiedenen Kirchen Orgel zu spielen. Noch immer kann er von seiner Leidenschaft schwärmen: Voller Begeisterung sprichte er vom „lebendigen Wind“, der durch die Orgelpfeifen fährt, und von den mechanischen Konstruktionen, den Ventilen und Bleirohren, welche die verborgene, die technische Seite des musikalischen Mysteriums ausmachen: „Es ist toll, wenn Musik Menschen bewegt, ihre Emotionen weckt“, sagt der 54-Jährige.

Für Musiker wie Ulfert Smidt hat Hannovers Orgellandschaft einige Highlights zu bieten: „In der Stadt gibt es mehr als 100 Orgeln - und jede hat ihren eigenen Klang“, sagt Kurt Pages. Vor Jahren ließ er als Dozent an der Fachhochschule für ein Internetprojekt ein Verzeichnis der hannoverschen Instrumente erstellen.

Zwar gibt es in Hannover keine Kreationen berühmter Orgelbauer wie Ladegast, Schnittger oder Silbermann, deren Werke gewissermaßen als Stradivaris mit Tasten gelten. „Doch in der Jacobi-Kirche in Kirchrode gibt es immerhin die Nachbildung einer Silbermann-Orgel“, sagt Pages. „Und dann gibt es in Hannover ein paar echte Raritäten - etwa die Spanische Orgel in der Neustädter Kirche.“ Diese wurde 2001 nach dem Vorbild einer Orgel im spanischen Lerma konstruiert.

Beileibe nicht alle Orgeln der Stadt sind Meisterstücke; viele stammen aus den sechziger Jahren, der Hochzeit des Kirchenbaus. Handwerklich sind sie oft eher Mittelmaß: „Man experimentierte damals mit neuen elektronischen Möglichkeiten. Ritzen wurden mit Schaumstoff abgedichtet, der Klang ist eher Geschmackssache“, sagt Pages diplomatisch. Und dennoch stammt auch eine seiner Lieblingsorgeln aus dieser Zeit: Der dänische Orgelbauer Marcussen installierte das imposante Instrument 1964 in der Pauluskirche in der Südstadt. Und auch die große Marktkirchenorgel mag Pages. Ebenso wie Ulfert Smidt, der diese regelmäßig spielt.

Ein großer Klang

„Sie hat einen großen, symphonischen Klang. Gravitätisch, aber auch transparent genug für Barockmusik“, erklärt Smidt in der Diktion des versierten Experten. Dabei ist die große Orgel mit ihren 64 Pfeifenreihen, den Registern, fast ein Neubau. Der Architekt Dieter Oesterlen entwarf den geschwungenen Prospekt 1954 im Nierentisch-Design. Ein Blickfang. „Der Klang konnte mit der beeindruckenden Optik allerdings nicht mithalten“, sagt Smidt. Nach langen Diskussionen baute die Schweizer Firma Goll 2009 dann eine neue Orgel in das denkmalgeschützte Gehäuse.

Seither schwärmen Musikenthusiasten vom Sound der Goll-Orgel. Für viele geht es dabei auch um einen Klang gewordenen Glauben: Über Jahrhunderte galt die Orgel als „Königin der Instrumente“, ihre Musik steht auch für die kulturelle Strahlkraft des Christentums. Seine Orgelwerke trugen Bach immerhin den Ehrentitel eines „fünften Evangelisten“ ein.

„Es ist schon erhebend, wenn in den Weihnachtsgottesdiensten ,O du fröhliche’ erklingt und die Gemeinde zur Orgel singt“, sagt Organist Smidt: „Wenn man das Stück wegließe, wäre das, als würde der Segen fehlen.“ Gerade in evangelischen Gottesdiensten ist die Orgel oft eine Art Gegenstück zur Kanzel: „Die Musik spricht in der Kirche die Sinne an - und hat dabei vielleicht Möglichkeiten, die das Wort allein nicht hat“, sagt Smidt, während er auf der Empore seine Noten einpackt.

Ein Monopol auf die großen Orgelemotionen hat die Religion jedoch nicht: Wenn Smidt am letzten Tag des Jahres in der Marktkirche um 22 Uhr sein schon traditionelles Sylvesterkonzert spielt, kommen auch die weniger Frommen ins Gotteshaus. Im vergangenen Jahr, sagt er, seien rund 1000 Besucher gekommen: „Die Kirche war rappelvoll“, sagt er. „So ein Abend ist schon etwas Besonderes.“

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