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Stadt Hannover Hochwasser in Hannover wird zum Freizeitspaß
Aus der Region Stadt Hannover Hochwasser in Hannover wird zum Freizeitspaß
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00:15 01.08.2017
Von Michael Zgoll
Quelle: Villegas
Hannover

Das Hochwasser in Hannover geht zurück - und ist an diesem Wochenende für viele Ausflügler eher zu einem Quell ungewöhnlichen Freizeitvergnügens geworden denn ernsthafte Bedrohung für Haus und Hof. Neugierige Spaziergänger und Radler versuchen an vielerlei Stellen, möglichst nah an überflutete Straßen, Wege und Wiesen heranzukommen. Bei wunderschönem Sommerwetter sucht so mancher gar den direkten Kontakt zu Leine- oder Ihmewasser. Zu kalt, so die übereinstimmende Meinung, sei das bräunliche Nass jedenfalls nicht.

"Diese Gelegenheit muss man doch nutzen"

Dieter Böhm aus Dresden lernt das "Strandleben" gegenüber vom Faust-Gelände auf ganz ungewöhnliche Weise kennen. Gemeinsam mit Tochter Stephanie und seiner knapp zwei Jahre alten Enkelin Käthe watet er auf wunderbar weichem Sand durch knietiefes Wasser, zwei Badenenten in der Hand. Dass Lindener und Nordstädter hier sonst auf Liegestühlen lümmeln, interessiert den Opa in diesem Moment wenig: "So einen schönen Sandstrand haben wir in Dresden nicht."

Die aktuelle Lage: Hochwasser fließt am Wochenende nur langsam ab

Das Leine-Hochwasser hat seinen Höchststand erreicht - und fließt offenbar bereits langsam wieder ab. Am Messpunkt Herrenhausen wurden am Sonnabendmittag 5,68 Meter gemessen. In der Nacht waren es noch 5,80 Meter. Straßen stehen unter Wasser, Fluttore sind geschlossen - und die Feuerwehr bleibt in Alarmbereitschaft. Hier halten wir Sie immer auf den Laufenden.

Gleich nebenan schreitet Emma Matilda Pagel gemessenen Schrittes durch den Fluss. Durch den Fluss? Nun ja, normalerweise legen Lindener und Nordstädter auf dieser Wiese am Ihmeufer ihre Würstchen auf den Grill, doch das fällt heute ins Wasser.

Auf der Leine nahe den Bootshäusern am Maschsee sind schon wieder einige Paddler unterwegs, auch wenn die Strömung noch beeindruckend rasant daherkommt. BWL-Student Fabian Pape und Erzieher Till Sonntag wollten eigentlich auf Inlinern von Linden durch die Leinemasch düsen, doch am Dreiecksteich ist Feierabend. Also steigen sie um auf Wassertreten à la Kneipp, schlendern in aller Gemütsruhe über die überschwemmten Uferwiesen. "Wenn sich solch unverhoffte Gelegenheiten bieten, muss man sie doch nutzen", meint Fabian Pape. Wohl wahr.

Fische schwimmen über die Straße

Die Brückstraße zwischen Döhren und Hemmingen ist immer noch gesperrt, an beiden Enden der überschwemmten Straße sammeln sich die Hochwasser-Touristen. Kinder plantschen im Wasser, die Erwachsenen werden gesprächig. "Kommt man schon durch?" "Nein, noch nicht." Als ein Fisch, um die 30 Zentimeter lang, nahe der Bernwardswiese versucht, von rechts nach links über die Straße zu schwimmen, werden Brigitte und Oliver Schulte aus Döhren aktiv. Sie wollen das Tier retten, ist die Fahrbahn doch nur noch wenige Zentimeter hoch überschwemmt. An der Mittellinie aber gibt der wild zappelnde Fisch sein aussichtsloses Unterfangen auf, lässt sich wieder in die Wiesen treiben. Das Tuch, in dem ihn die Schultes Richtung Leine tragen wollten, bleibt trocken. Doch was wird aus dem Tier, wenn auch die Wiese trocken fällt?

"Ich hatte Angst - die Strömung war heftig"

Nicht mehr lustig ist, was Guntis Kolkovskis aus Lettland auf der Wasserseite des Deichtors an der Düsternstraße erlebt. Er ist nach der Arbeit mit dem Rad vom Expo-Gelände gekommen, will nach Ricklingen. Doch dann, am Ende des Horst-Schweimler-Wegs, überschätzt sich der 19-Jährige. Das verschlossene Tor und den rettenden Deich vor Augen, versinkt er langsam in den Fluten, irgendwann ist sein Fahrrad komplett im Wasser verschwunden. Der junge Mann stockt, dreht um, geht langsam zurück, bis zum Bauchnabel im Wasser. "Ich hatte Angst", gesteht Kolkovskis, "die Strömung war wirklich heftig." Nun muss er einen Umweg fahren, um nach Hause zu kommen - nass, aber immerhin unversehrt.

Es gibt mehrere solche Stellen in Hannover, wo sich das Hochwasser immer noch eindrucksvoll in Szene setzt. Etwa das Wolfgang-Besemer-Ufer nahe der Jugendherberge, wo ein paar Hinweisschilder verloren aus dem überfluteten Weg emporragen. Oder die als Wasserausweichfläche geschaffenen Terrassen zwischen Ihme-Zentrum und Glockseestraße, wo im Wasser stehende Bäumchen ein unwirkliches Bild kreieren. Auf dem Ohedamm muss die Feuerwehr einen Baum zersägen, der im durchfeuchteten Grund die Bodenhaftung verloren hat und auf den Weg gestürzt ist.

Das Harz-Hochwasser ist bald Geschichte

Andernorts jedoch ist klar erkennbar, dass auch dieses Harz-Hochwasser bald Geschichte sein wird. Das Ricklinger Strandbad ist noch geschlossen an diesem Samstagnachmittag, doch links und rechts des stählernen Fluttors am Hemminger Kirchweg, das dieses Jahr seine erste Bewährungsprobe bestanden hat, ist der Weg schon knüppeltrocken. Der Almstadtweg unter der Dornröschenbrücke in Linden hindurch ist noch abgesperrt - die Baken aber haben ihre Existenzberechtigung verloren, ist die Trasse doch schon wieder passierbar.

"Das Schlimmste ist überstanden"

Und dann sind da die Kleingärtner, die schon länger am Pumpen, Aufräumen und Wischen sind. Die Kolonie Waldesgrün etwa, am Lenzbergweg nahe dem Seelhorster Kreuz gelegen, hat überhaupt nichts mit dem Leinehochwasser zu tun - und ist trotzdem geflutet worden. "Bei uns kam das Wasser vom Kronsberg über den Landwehrgraben direkt in unsere Gärten, und das schon seit Dienstag und Mittwoch", erzählt Kleingärtner Werner Fischer. Das Vereinsheim sei abgesoffen, viele Gärten hätten so hoch unter Wasser gestanden wie noch nie. "Doch jetzt ist das Schlimmste überstanden", berichtet der 58-Jährige, "und meine Pumpe kann ich auch wieder abschalten."

(Fotos: Villegas)

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