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Stadt Hannover Henny Simon spricht über Deportation
Aus der Region Stadt Hannover Henny Simon spricht über Deportation
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23:11 13.12.2016
Von Simon Benne
Im Regionshaus sprach Henny Simon über ihr Leben. Quelle: Benne
Hannover

Sie fuhr mit der Straßenbahn zur Schule an jenem Tag. Unterwegs sah sie die zerschlagenen Scheiben der jüdischen Geschäfte, am Himmel waren Rauchschwaden. Ein Uniformierter stand vor der jüdischen Schule und schickte die Kinder nach Hause. Dort empfing ihre Mutter sie mit den Worten "Unsere Synagoge brennt!" Es war der 9. November 1938. "Das war für mich der Anfang vom Holocaust", sagt Henny Simon.

Die zierliche Frau spricht sehr leise, doch mit großer Energie und Ruhe, als sie im Regionshaus vom ihrem Schicksal berichtet. Mit 91 Jahren ist Henny Simon, die heute auf ihrer Farm in Connecticut lebt, noch einmal in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Als 16-Jährige wurde sie vor genau 75 Jahren, am 15. Dezember 1941, mit ihrer Mutter ins Getto von Riga verschleppt. Von den 1001 Juden dieser Deportation erlebten nur 69 das Kriegsende.

Jetzt hat der Oberbürgermeister sie im Rathaus empfangen, sie hat vor einer Gruppe junger Flüchtlinge gesprochen und berichtet nun im Regionshaus vor mehr als 100 Besuchern über die Deportation. Es ist ein Kraftakt für sie. "Doch ich bin eine der letzten Überlebenden", sagt sie: "Ich muss darüber sprechen, solange ich reden kann - das ist meine Lebensaufgabe."

In Hannover war sie als Tochter des Malermeisters Rosenbaum am Vahrenwalder Platz aufgewachsen. Eine behütete Kindheit - bis 1933. In der NS-Zeit wurde sie in ein "Judenhaus" in der Ohestraße zwangseinquartiert. Der Vater war bereits nach Shanghai geflohen, Mutter und Tochter hatten auch schon ein Visum - doch am 8. Dezember 1941 mussten sie ihre Pässe wieder abgeben. Mit anderen Juden wurden sie in einer Turnhalle in Ahlem zusammengepfercht und dann am Bahnhof Fischerhof in einen Zug verfrachtet: "Niemand hat uns gesagt, wohin wir fahren." Nach drei Tagen kam der Zug in Riga an.

Im Regionshaus herrscht absolute Stille, als Henny Simon im Gespräch mit der Historikerin Anke Sawahn von der Kälte und den Schlägen erzählt, von Hunger und Zwangsarbeit und davon, wie ihre Mutter 1944 starb. Sie selbst überlebte eine Odyssee durch mehrere Lager und einen Todesmarsch. Einmal bekamen sie und ihre Leidensgefährten ein ganzes Brot zugeteilt: "Wir dachten, jetzt mästen sie uns damit sie Seife aus uns machen können", sagt sie. Doch am Ende wurde sie bei Posen von der Roten Armee befreit.

Nach dem Krieg kehrte sie zunächst nach Hannover zurück, dann wanderte sie 1949 in die USA aus. "Ich wollte nicht hierbleiben", sagt sie. Ihren Memoiren gab sie vor einigen Jahren den Titel "Mein Herz friert, wenn ich Deutsch höre". Das habe sich inzwischen geändert: Bei mehreren Besuchen in Hannover sei sie herzlich empfangen worden, und die junge Generation sei ohnehin nicht für die Taten der Nazis verantwortlich. Ihre Heimat habe sie dennoch im Amerika gefunden, sagt die vierfache Großmutter. "Ein freies Land." Und nachdenklich fügt sie hinzu: "Ich hoffe, dass das so bleibt."

Die Zentrale Gedenkveranstaltung für die Deportation ist am Mittwoch, 12 Uhr, am Mahnmal an der Oper.

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