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Stadt Hannover Ihme-Zentrum: Eigentümer klagt gegen Umbaupläne
Aus der Region Stadt Hannover Ihme-Zentrum: Eigentümer klagt gegen Umbaupläne
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06:00 19.07.2017
Von Juliane Kaune
Einigung übers Ihme-Zentrum in kleinen Schritten. Quelle: Thomas
Hannover

Er kennt fast jeden Winkel im Ihme-Zentrum: Hans-Jürgen Simchen war 20 Jahre Verwalter in dem Großkomplex. Außerdem gehören ihm dort 1600 Quadratmeter Gewerbe- und Wohnflächen – und die will er trotz des vom Großinvestor Intown geplanten Umbaus weiterhin uneingeschränkt erreichen können. Darum ist Simchen vor Gericht gezogen. Die von Intown geplante Fassadensanierung, auf deren Beginn die Bewohner ebenso wie die Stadt seit Monaten warten, könnte den Weg zu seiner Immobilie künftig erschweren, argumentierte der Geschäftsmann.

In der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht stellte sich allerdings schnell heraus, dass dies ein Irrtum ist – die Parteien einigten sich nach Vermittlung von Richterin Gudrun Eichloff-Burbließ auf einen Vergleich. Der für den 1. August angesetzten Versammlung, in der alle Eigentümer des Ihme-Zentrums über die baureifen Fassadenpläne Intowns abstimmen sollen, steht nun nichts mehr im Wege. Der derzeitige Verwalter Torsten Jaskulski, der als Vertreter der Gegenseite vor Gericht erschienen war, zeigte sich denn auch erleichtert: „Jetzt schauen wir wieder nach vorn“, sagte er.

Als Verzögerungstaktik oder gar als Boykottversuch gegen die geplante Sanierung der Fassade wollte Simchen seine Klage gegen einen entsprechenden Beschluss der Eigentümergemeinschaft keinesfalls verstanden wissen: „Das war keine böswillige Attacke, ich stehe zum Ihme-Zentrum.“ Er habe lediglich Rechtssicherheit herstellen wollen, damit Lieferanten das Hochhaus am Ihmeplatz 4, in dem er Immobilien besitzt, auch künftig problemlos von der Blumenauer Straße aus erreichen könnten, erklärte Simchen vor Gericht. Der Beschluss der Eigentümergemeinschaft vom November vergangenen Jahres habe in dieser Sache etliche Fragen offen gelassen. So sei vor allem zu befürchten gewesen, dass der Lieferanteneingang an der Blumenauer Straße im Zuge der Umbauten geschlossen wird.

Inzwischen ist Simchen, der bis 2013 mit der Verwaltung des Ihme-Zentrums betraut war, mit seiner Maklerfirma dort ausgezogen. Er hat allerdings sein Eigentum weitgehend vermietet, etwa an die Drogenberatungsstelle Prisma, ein Büro für Umwelttechnik und ein soziales Wohnprojekt der Arbeiterwohlfahrt. Diese Einrichtungen seien jedoch auf eine direkte Erreichbarkeit angewiesen, betonte Simchen. Aber auch für die 80 Wohnungen im Haus Ihmeplatz 4 diene der Lieferanteneingang als Zuwegung.

Vor Gericht stellte Verwalter Jaskulski klar, dass im Zuge der geplanten Umbauten keinerlei Gemeinschaftsflächen tangiert seien – das bedeute, dass alle bisherigen Zu- und Eingänge zwischen Blumenauer Straße und Ihmeuferweg unverändert blieben. Neben dem Haus am Ihmeplatz 4 gilt das auch für die Gebäude mit den Adressen Ihmeplatz 6 und 8 sowie Ihmepassage 10, 8, 6 und 4.

Fraglich blieb nach der Verhandlung, warum die Sachlage nicht ohne einen Richter geklärt werden konnte.

Weitere Klagen: Im Zusammenhang mit dem geplanten Umbau des Ihme-Zentrum sind weitere Klagen anhängig. Die Stadt hat die Wohnungbesitzer verklagt, weil diese zuvor gegen Intown Klage eingereicht hatten. Sie fordern, dass der Investor für 50 Millionen Euro den Zustand vor den abgebrochenen Bauarbeiten wiederherstellt, für die Intowns Vorgänger Carlyle verantwortlich ist. Die Stadt plädiert dagegen für eine konstruktive Lösung, zumal Intown ein Umbaukonzept vorgelegt habe. Auch der Investor klagt gegen die Wohnungsbesitzer – weil er sich nicht zwingen lassen will, in die Wiederherstellung des alten Zustands zu investieren.     

Bauantrag soll bald gestellt werden

Lange hat Investor Intown darauf warten lassen – bei einer für den
1. August terminierten Versammlung sollen nun alle Eigentümer des Ihme-Zentrums über baureife Pläne für die
10 Millionen Euro teure Sanierung der Fassade abstimmen. „Wenn die Versammlung positiv entscheidet, kann der Bauantrag danach gestellt werden“, sagt Verwalter Torsten Jaskulski. Dies wäre ein erster Schritt zum Start der Sanierung des Großkomplexes, in dem Intown 83 Prozent der Gewerbeflächen besitzt. Für deren Umbau gibt es zwar Pläne, aber bisher noch keine weiteren Konkretisierungen bei der Umsetzung. Voraussetzung wären Mietverträge mit Gewerbeinteressenten. Auch die Stadt Hannover hat in Aussicht gestellt, ihre Mietverträge zu verlängern, wenn Intown den Umbau vorantreibt. Andernfalls will sie ausziehen. Am 28. Juni ist ein Ultimatum verstrichen, die Versammlung am 1. August sieht die Stadt aber als Signal, dass es vorangeht. Intowns Deutschland-Chef Sascha Hettrich hatte Anfang Juni angekündigt, 2022 solle der Umbau des Ihme-Zentrums beendet sein. jk

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