Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Geschwister beklagen Ermittlungspannen
Aus der Region Stadt Hannover Geschwister beklagen Ermittlungspannen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 11.12.2016
Von Tobias Morchner
Matthias Waldraff, Rechtsanwalt der Opfer-Angehörigen, und Hubertus Sander, Bruder der getöteten Franziska. Quelle: Franson
Hannover

Vor 24 Jahren starb Franziska S., im Oktober wurden ihre sterblichen Überreste gefunden: eingeschweißt in ein Fass in der Garage ihres Ehemannes. Am Donnerstag haben sich die Geschwister der Frau an die Öffentlichkeit gewandt. Auf einer Pressekonferenz appellierte der Bruder des Opfers eindringlich an seinen Schwager, endlich die Wahrheit über den Tod seiner Schwester Franziska preiszugeben. „Er hat sein ganzes Leben auf Lügen gebaut. Damit muss jetzt Schluss sein“, sagte Hubertus S.

Sein Rechtsanwalt Matthias Waldraff hatte zu einer ungewöhnlichen Veranstaltung geladen: Nicht nur zahlreiche Reporter waren ins Café des Landesmuseums gekommen. Der Bereich war auch nicht abgetrennt, sodass zahlreiche Museumsgäste den Ausführungen lauschen konnten. In diesem Rahmen brachen die Geschwister und ihr Anwalt ganz bewusst ein Tabu: Trotz laufender Ermittlungen gaben sie Details aus den Akten der Kripo preis. „Wir wollen Druck auf ihn und sein direktes Umfeld erzeugen, damit die Wahrheit endlich ans Licht kommt“, sagte Waldraff.

Der Ehemann hat gestanden, seine Ehefrau Franziska im Februar 1992 in Hannover im Affekt nach einem Streit erwürgt und die Leiche in dem Fass versteckt zu haben. Später zog er nach Schleswig-Holstein – und nahm das Fass mit. Gegen ihn wird wegen Totschlags ermittelt. Ein Delikt, der nach 20 Jahren verjährt. Daher befindet er sich weiterhin auf freiem Fuß und nicht in Untersuchungshaft.

  

Bruder Hubertus S. und seine drei Schwestern haben mit Unterstützung ihres Anwalts jetzt die Ermittlungsakten studiert und meinen, dabei einige Ungereimtheiten entdeckt zu haben. So soll der Ehemann der Kripo drei verschiedene Versionen vom Tod seiner Frau geschildert haben. In einer ersten Schilderung berichtete er davon, seine Frau habe sich erhängt. Dann teilte er mit, seine Frau habe sich vor seinen Augen eine mit Reinigungsbenzin gefüllte Spritze in die Brust gesteckt und sei dann zuckend zu Boden gegangen – und er habe sie erwürgt, um ihr Leiden zu beenden. Die dritte Version schrieb er auf einen Zettel und deponierte diesen bei dem Fass mit der Leiche. Seine Frau habe sich erhängt, und er habe die Leiche vier oder fünf Tage später aus Wut über den Suizid gewürgt und dann in dem Fass versteckt. „Wir appellieren an alle, Einfluss auf diesen Mann zu nehmen, uns und der Justiz endlich die Wahrheit zu sagen“, erklärte Hubertus S. am Donnerstag.

Nicht nur die Suche nach der Wahrheit habe die Geschwister und ihren Rechtsanwalt dazu bewogen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Man handele auch aus Sorge um die Kinder des Mannes, sagte Waldraff. Die Ermittlungsakten offenbarten dessen „erschreckende Persönlichkeitsstruktur“. Bald nach dem Tod seiner Frau hatte er sich eine neue Lebensgefährtin gesucht. Diese brachte eine damals drei Jahre alte Tochter mit in die Beziehung. „Als dieses Mädchen 15 war, schwängerte er sie und hat mit ihr heute insgesamt fünf Kinder“, sagte Waldraff. Man müsse sich ernsthaft Sorgen um die Kinder machen, sobald diese in die Pubertät kämen. Waldraff erklärte, er sei sich darüber im Klaren, dass er damit die Persönlichkeitsrechte des Mannes verletze. „Soll er sich einen Anwalt nehmen und dagegen klagen: Die Familie wartet nur darauf.“

Die Hinterbliebenen bekräftigten zudem ihre Kritik an der Polizei. Zweimal hatten die Geschwister eine Vermisstenanzeige für Franziska S. aufgeben wollen. Beim ersten Mal waren sie mit dem Hinweis abgewiesen worden, nur der Ehemann könne die Anzeige erstatten. Beim zweiten Mal wurde der Ehemann zwar befragt, den widersprüchlichen Angaben aber nicht nachgegangen. „Wäre damals weiter ermittelt worden, er wäre schon damals tatverdächtig gewesen und hätte verurteilt werden können – zumindest wegen Totschlags“, sagte Waldraff.   

Nachgefragt: Mord verjährt nie

Katrin Söfker ist Erste Staatsanwältin

Frau Söfker, ist es dem Anwalt eines Opfers erlaubt, sich bei noch laufenden Ermittlungen zu einem Fall zu äußern?

Es ist zumindest ein ungewöhnlicher Schritt.

Ist es auch ein kluger Schritt?

Ich möchte mich zu dem konkreten Fall nicht äußern. Wir als Staatsanwaltschaft geben in so einem Fall ganz bewusst keine Einzelheiten an die Öffentlichkeit, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Inwiefern gefährden?

Gelangen beispielsweise Details in die Presse, die nur der Täter wissen kann, und wir konfrontieren ihn bei einer Vernehmung damit, kann er sich immer darauf berufen, die Informationen aus den Medien erhalten zu haben.

Es sickern doch aber in vielen Kriminalfällen Informationen durch. Ist das nicht strafbar?

Es könnte sich dabei um den Straftatbestand des Geheimisverrats handeln.

Wie ist der aktuelle Stand der Ermittlungen?

Wir haben eine Aussage des Ehemannes, der angibt, seine Frau im Streit erwürgt zu haben. Deshalb ermitteln wir im Moment wegen des Verdachts des Totschlags. Dafür könnte der Ehemann nicht mehr verurteilt werden, weil dieses Delikt nach 20 Jahren verjährt. Stoßen wir bei den Ermittlungen allerdings auf ein oder mehrere Mordmerkmale, könnte es zu einer Anklage kommen, denn Mord verjährt nie.

Interview: Tobias Morchner     

Der vor Gericht ausgetragene Streit um das inzwischen verstorbene Zwergkaninchen Mopsi und Kater Fritzi hat ein Ende. Die Halter haben der Vergleich, den das Landgericht Hannover angeregt hatte, akzeptiert. Die Katzenbesitzerin wird dem Nachbarn aus Altwarmbüchen die 1030 Euro Tierarztkosten erstatten, die für die Operationen des verletzten Karnickels angefallen waren.

08.12.2016

Das Areal zwischen U-Bahnstation und Schillerdenkmal auf dem Steintorplatz soll bebaut werden – und die Bürger dürfen mitreden. Doch die Bürgerbeteiligung zur umstrittenen Platzbebauung könnte bis zu eine Million Euro kosten. Die FDP tritt nun auf die Kostenbremse. Und auch die Grünen sind jetzt gegen neue Gebäude.

Andreas Schinkel 08.12.2016

Ein Mann tritt beim Fußballspiel auf einem städtischen Bolzplatz in ein Loch und verletzt sich – und bekommt in der Folge vor Gericht ein Schmerzensgeld zugesprochen. Nun hat die Stadt 60 Bolzplätze gesperrt. Zudem prüft das Rathaus nun strengere Maßstäbe bei seiner Aufsichtspflicht.

Gunnar Menkens 10.12.2016