Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Wer gibt in der City auf? Wer riskiert etwas?
Aus der Region Stadt Hannover Wer gibt in der City auf? Wer riskiert etwas?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 31.03.2018
Zu wenige Passanten heutzutage: In der Innenstadt war noch vor zehn Jahren deutlich mehr los. Quelle: Philipp Von Ditfurth
Hannover

 Wochentags haben sich die Passantenzahlen in Hannovers Fußgängerzone innerhalb von zehn Jahren fast halbiert. Statt fast 22.000 (2007) sind es an zufällig ausgewählten Dienstagen im vergangenen Jahr nur noch etwa 13.000 gewesen, die durch die in den drei wichtigesten Geschäftsstraßen Hannovers flanierten. An den Daten, die der Immobilienspezialist Engel & Völkers jährlich erhebt, lässt sich sehr gut ablesen, was Geschäftsleute meinen, wenn sie über rückläufige Umsätze klagen. Weniger Passanten, die weniger Geld ausgeben, die Konkurrenz durch den Onlinehandel – es wird schwierig für den Einzelhandel, nicht nur in Hannover

„Es kommen kaum noch Kunden ins Geschäft“

Viele Fachgeschäfte haben schon aufgegeben, teils nach Generationen. In dieser Woche verabschiedet sich ein weiteres: Der Küchenausstatter Le Coq in der Osterstraße schließt nach mehr als 40 Jahren. „Es hat keinen Sinn mehr, die Umsätze rechtfertigen den Aufwand nicht mehr“, sagt Inhaberin Antje Krause. Superscharfe Messer, topmoderne Küchenmaschinen, ausgefallene Kochaccessoires bietet ihr Fachgeschäft, das sie vor etwa 20 Jahren übernommen hat. „Es kommen einfach kaum noch Kunden ins Geschäft“, sagt sie – die Zahl habe sich in den vergangenen Jahren mehr als halbiert. Vor allem Ältere kauften noch bei ihr ein, „aber die erzählen, dass ihre Kinder eigentlich nur noch im Internet kaufen“, sagt Krause. Und ein Phänomen hat sie beobachtet: Wer von außerhalb Hannovers kommt, klagt darüber, dass in den Kleinstädten kaum noch Fachgeschäfte vorhanden seien. „Nur noch Ketten und Filialen, alles sieht gleich aus, ob in Celle, Hameln oder Oldenburg.“

Bedingungen werden schlechter

Nun klagen Kaufleute schon seit dem Mittelalter darüber, dass alles schlechter wird, das gehört irgendwie zum Beruf. Inzwischen aber wird ihr Gewerbe von mehreren Faktoren regelrecht in die Zange genommen. Das Internet, Fachkräftemangel, steigende Mieten, Lockangebote von Billigketten, jetzt der spürbare Rückgang von Laufkundschaft sogar in den Toplagen einer Einkaufsstadt: Zuweilen kann man sich wundern, dass die Kaufleute der Mut nicht verlässt. 

Ulrich Dörflinger ist einer von denen, die trotzdem das große Ding wagen. Seit 2009 betreibt er in der Altstadt sein Modegeschäft Rebmann, das Maßkonfektionen anbietet, also das Mittelding zwischen aufwendig gearbeiteten Maßanzügen und Kleiderstücken von der Stange. Bisher wirtschaftete er in der kleinen Pferdestraße neben dem Historischen Museum, ein unscheinbarer Standort. Nächste Woche eröffnet er sein neues Geschäft in direkter Nachbarschaft: Er zieht in den Prachtbau neben dem Historischen Museum, wo bis vor kurzem die Galerie Bauer residierte. „Ein toller Standort“, sagt er: „Die Kunden können mich sehen, wenn sie die Kramerstraße herunterwandern.“ 

„Die Städte werden öde“

Großzügig lässt er sein Geschäft neu einrichten. „Ich will hier ein sichtbares Statement sein“, sagt er. Er beschäftigt Schneider und Fach-Verkaufspersonal, engagiert sich aber auch im Verein hannöversche Altstadt. „Wir müssen gemeinsam unsere Quartiere entwickeln“, sagt Dörflinger. Feste, die Tango-Events, Aktionen zum Weihnachtsgeschäft werden organisiert. Neuerdings aber machen die steigenden Immobilienpreise den Händlern zu schaffen. Immer häufiger können sich nur Handyläden, Imbisse oder Maklerbüros die geforderten Mieten bezahlen – und tragen so dazu bei, dass beim Flanieren durch Straßen kaum noch ein Einkaufserlebnis entsteht. „Auch die Immobilienbesitzer müssten ein Interesse daran haben, dass sich die Quartiere attraktiv bleiben“, sagt Dörflinger

Einige Hundert Meter wagt in diesem Tagen auch das Wäschegeschäft Wömpner einen Neustart. Das Fachgeschäft für Dessous und Mieder, für BHs auch in Übergrößen, Négligées und Seidenwäsche ist bundesweit das letzte, das Miederfachverkäufer ausbildet. „Unser Beruf stirbt aus“, sagt Inhaberin Daniela Reuter. Im bisherigen Geschäft am Café Kröpcke hatte es einen schweren Wasserschaden gegeben. „Eigentlich wollte ich schon aufhören“, gesteht die 48-Jährige. Ihr Mann habe sie dann überzeugt, nochmal an einem neuen Standort frisch zu beginnen – jetzt eröffnet sie in der kommenden Woche in der Osterstraße. 

Bei Le Coq hingegen gehen jetzt die Lichter aus. Wer künftig in das Geschäft einziehen wird, weiß Inhaberin Krause nicht – der Nachbarladen steht auch schon länger leer. Obwohl sie schon 75 Jahre alt ist, hätte Krause gerne weitergemacht. „Dieser Beruf ist ein wichtiger Teil meines Lebens“, sagt sie. Und sie ist in Sorge: „Wenn es keine Läden mehr gibt, dann werden die Städte öde.“

Interview: „Wind bläst dem Handel ins Gesicht“

Dem Handel bläst der Wind ins Gesicht

Tausende Geschäfte werden verschwinden – aber der Handel in den Innenstädten wird nicht sterben, sagt Monika Dürrer, Geschäftsführerin im Handelsverband Hannover.

Frau Dürrer, die Passantenfrequenzen in den Fußgängerzonen nehmen spürbar ab. Werden wir irgendwann leere Innenstädte haben?

Nein. Zu jedem Trend gibt es einen Gegentrend. Handel gehört zu den Städten seit Jahrhunderten dazu, es wird ihn dort auch weiter geben. Richtig ist aber: Im Moment bläst der Wind dem Handel ins Gesicht. Einer aktuellen Studie zufolge werden bis 2020 rund 50 000 Geschäfte verschwinden, und zwar auch in den guten Einkaufsgebieten.

Warum?

Da gibt es mehrere Faktoren. Schauen Sie sich alleine den demografischen Wandel an: Es gibt langfristig weniger Menschen, die einkaufen werden. Und es fließt immer weniger Geld in den Handel. 2003 waren es etwa 33 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens, heute sind es nur noch knapp 28 Prozent. Dafür sind andere Ausgabenfaktoren hinzugekommen. Früher ist nur eine kleine Minderheit in den Osterurlaub gefahren, jetzt ist das ein Massenphänomen. Oder nehmen Sie die Ausgaben für Internet- und Mobiltelefonverträge – auch diese Summen fehlen dem Handel.

Und dann ist das Internet wohl auch mittlerweile eine harte Konkurrenz.

Der Verkauf über Onlinehandel trifft einige Branchen mehr, andere weniger. Über alles gerechnet liegt das Geschäft bei rund elf Prozent. Bei Lebensmitteln zum Beispiel macht Onlinehandel noch sehr wenig aus, aber andere Branchen sind schon zu mehr als 20 Prozent betroffen.

Was können die Händler tun?

Wichtig ist, auf Qualität zu setzen und darauf, dass der Einkauf in einer Innenstadt etwas besonderes ist. Es reicht nicht mehr, dem Kunden auf Wunsch auch mal einen Kaffee anzubieten. Die Verkäufer müssen mutiger werden, auf die Menschen zugehen, sie anlächeln, kompetent beraten. Die Handelsgemeinschaften müssen gemeinsame Aktionen inszenieren, um Innenstädte attraktiv zu halten. Es ist zwar so, dass die Passentenfrequenz zurückgeht – aber wir registrieren auch, dass bei denen, die einkaufen gehen, oft die Bons größer sind. Sie geben also mehr aus, wenn ihnen der Einkauf etwas bietet. Diesen Effekt muss der Handel nutzen.

Von Conrad von Meding

Die Regionspolitik bleibt erst einmal bei den Krankenhausplänen für Großburgwedel, Lehrte und Laatzen. Aber es gibt Stimmen, die sich einen Verzicht von Lehrte vorstellen können. 

31.03.2018

Die Polizei Hannover hat an mehreren Stellen Verkehrskontrollen durchgeführt. Es wurden Fehlverhalten von und gegenüber Radfahrern überprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd: 127 von 145 Perseonen verhielten sich nicht vorschriftsmäßig. Am Donnerstag sollen die Kontrollen fortgesetzt werden.

19.04.2018

Mehr als 200 Veranstaltungen umfasst das diesjährige Sommerprogramm in den Herrenhäuser Gärten. Im August verwandelt sich das Gartentheater erstmals in einen Tanz- und Festsaal unter freiem Himmel.

31.03.2018