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Stadt Hannover Macht der Müllsack die Aha-Mitarbeiter kaputt?
Aus der Region Stadt Hannover Macht der Müllsack die Aha-Mitarbeiter kaputt?
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00:15 02.01.2017
Von Mathias Klein
Michael Ludwig findet: Der Müllsack muss weg. Quelle: Eberstein/Bismark/M
Hannover

Herr Ludwig, die große Koalition in der Regionsversammlung hat sich beim Thema Müll nur auf ein „Weiter so“ einigen können: Es gibt weiter sowohl Sack als auch Tonne. Sind sie als Personalrat des Abfallwirtschaftsbetriebs Aha damit zufrieden?

Nein, ganz und gar nicht. Wir hatten uns erhofft, dass die große Koalition in den kommenden Jahren die Abschaffung der Restabfallsäcke im Umland in Angriff genommen hätte.

Warum das? Die Säcke sind bei vielen Bürgern sehr beliebt.

Das kann ich einerseits verstehen. Mir als Personalratsvorsitzender von Aha geht es aber um die Gesundheit der Mitarbeiter. Und aus gesundheitlichen Gründen müssten die Säcke eigentlich möglichst schnell abgeschafft werden.

Welche Probleme gibt es konkret?

Ein Müllwerker, der Säcke abholt, wirft jeden Tag zusammengerechnet bis zu sieben Tonnen. Das ist eine körperliche Belastung, die nur schwer auszuhalten ist.

Aber das Volumen der Säcke ist doch stark reduziert worden. Sie sind viel leichter als zuvor.

Trotzdem, das Gesamtgewicht am Ende des Tages ist ja gleich geblieben. Und es sind ja nicht nur die Restmüllsäcke. Wir haben noch die Papiersäcke und im Umland die Säcke mit Biomüll. Viele Müllwerker leiden deshalb unter Skeletterkrankungen, betroffen sind meist Rücken, Beine, Schultern und Arme. Die Mitarbeiter hier arbeiten sich regelrecht kaputt. Das geht eigentlich so nicht mehr weiter. Wir haben 140 Mitarbeiter, die langzeiterkrankt sind. Diesen Kollegen haben Ärzte bescheinigt, dass sie in ihrem bisherigen Bereich nicht mehr arbeiten können. Und das hängt in ganz vielen Fällen mit der Sackabfuhr zusammen.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Mein größter Wunsch ist, dass die Regionspolitik eine Absichtserklärung auf den Weg bringt, die die Abschaffung des Sackes zum Inhalt hat. Aber wenn ich mir die Koalitionsvereinbarung anschaue, wird da die nächsten fünf Jahre gar nichts passieren. Dabei wäre der Zeitpunkt gut gewesen, SPD und CDU hätten mit einem entsprechendem Beschluss Stärke zeigen können. Im Übrigen haben auch die Bürgergutachter die Abschaffung der Säcke gefordert. Von den Forderungen der Bürger hört man aber gar nichts mehr, die Politik scheint das Gutachten vergessen zu haben.

Bei vielen Bürgern im Umland sind die Restabfallsäcke dennoch beliebt. Was sagen sie diesen Bürgern?

Sie sollten einfach mal mit einem Müllwerker ins Gespräch kommen und sich von den Belastungen berichten lassen. Dann werden sicher etliche Sack-Befürworter ein anderes Urteil fällen.

Beim Thema Müll hat die Koalition einen Prüfauftrag zur Senkung der Mindestabfallmenge von zehn Litern pro Person und Woche vereinbart, wie es viele Bürger fordern.

Das wird ein richtiges Problem, wenn die Mindestmüllmenge gesenkt wird. Denn noch weiß man nicht, was man mit den Tonnen machen soll. Derzeit ist die kleinste auf dem Markt befindliche Tonne eine 40-Liter-Tonne. Müssen die bei einer Senkung der Mindestmüllmenge mit neuen Einsätzen umgerüstet werden? Was würde das kosten? Viele Fragen sind da noch ungeklärt. Auch wenn die Mindestmüllmenge gesenkt wird, bleiben die Kosten gleich, zum Beispiel für die Abholung oder die Mitarbeiter. Deshalb glaube ich nicht, dass die Müllgebühren dadurch sinken. Es wird durch höhere Kosten eher teurer.

Herr Ludwig, die O-Tonne bereitet derzeit Verluste von 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Warum setzen Sie sich trotzdem für den Erhalt ein?

Wir dürfen den Markt für die Wertstoffe nicht den Privatunternehmen überlassen. Derzeit macht die O-Tonne Verluste, weil auch die Wertstoffpreise im Keller sind. Die Experten sind sich aber sicher, dass es künftig mit Wertstoffen viel Geld zu verdienen gibt. Und dann wäre es schlecht, wenn Aha die Wertstoffe nicht mehr sammeln könnte. Denn der Gewinn würde den Gebührenzahlern zugutekommen.

Seit einigen Monaten hat Aha mit Thomas Schwarz einen neuen Geschäftsführer, nachdem seine Vorgängerin im Betrieb häufig angeeckt war. Wie läuft’s mit dem Neuen?

Wir sind zwar alle noch dabei, uns gegenseitig aneinander zu gewöhnen. Aber man kann sagen, dass es menschlich stimmt. Herr Schwarz hat immer ein offenes Ohr für die Kollegen, er kommt bei der Mannschaft wunderbar an.

Interview: Mathias Klein

Das ist Michael Ludwig

Michael Ludwig, 61, ist Personalratsvorsitzender von Aha. Ludwig fing 1979 beim damaligen Abfallentsorgungsbetrieb des Landkreises an und musste in den ersten Monaten Säcke auf Wagen werfen. Später wurde er dann Fahrer. Seit 1993 sitzt Ludwig im Personalrat, seitdem ist er freigestellt.
Der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha hat rund 1900 Mitarbeiter. Er wurde 2003 nach dem Zusammenschluss von Landeshauptstadt und Landkreis gegründet. Aha ist zuständig für die Müllabfuhr im Regionsgebiet sowie für die Straßenreinigung und den Winterdienst in der Landeshauptstadt.      

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