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Jeder zweite Bezirksbürgermeister hört auf

Kommunalwahl Jeder zweite Bezirksbürgermeister hört auf

Sie repräsentieren Hannovers Stadtteile oft über lange Zeiträume hinweg – jetzt gibt es überraschend einen erdrutschartigen Generationswechsel. Mindestens sechs der 13 Bezirksbürgermeister von Hannover treten nicht mehr an.

Hannover. Das geht aus den Wahlvorschlägen für die Bezirksräte hervor, die am 11. September bei der Kommunalwahl neu zusammengesetzt werden.

„Ich habe das Amt jetzt zehn Jahre lang gemacht – jetzt habe ich was anderes vor“, sagt zum Beispiel Edith Bastian (SPD, Vahrenwald-List). Sie sei „zufrieden mit dem, was wir erreicht haben, aber jetzt sind andere dran“. Einen Garten habe sie gepachtet, verrät die 68-Jährige – Freizeit statt Kommunalpolitik. Ähnlich äußern sich die anderen Aufhörer – von Politikmüdigkeit mag keiner sprechen.

Hans Battefeld (CDU, Bothfeld-Vahrenheide) gilt unter den Amtsträgern als dienstältestes Urgestein. Seit 25 Jahren ist er im Bezirksrat, seit 15 Jahren Bürgermeister. „Ich erlaube mir jetzt mal, die Belastung abzugeben“, sagt er: „Ich habe das schließlich auch frühzeitig angekündigt.“ Als Vorsitzender der Stadtteilstiftung und der Vahrenheider Schützen, als Opa von fünf Enkeln und aktiver Modelleisenbahner bleibe für ihn „genug zu tun“, sagt der 74-Jährige. Knut Fuljahn (SPD, Misburg-Anderten) kann sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

„Die im Bezirksrat wollten sich ja verjüngen, wenn ich aufhöre“, sagt er, „aber wenn ich mir die Liste angucke, dann hat das wohl nicht geklappt.“ Er hat sich immer wieder über Parteienquerelen geärgert und über den „manchmal langen Atem von Verwaltung und Rat“, zieht aber insgesamt ein positives Fazit. Trotzdem verlässt er jetzt das Stadtgebiet: Er zieht zu seiner langjährigen Lebensgefährtin nach Isernhagen K. B. Als Bezirkspolitiker hätte er das nicht gedurft – es gilt Residenzpflicht.

Mehr als 200 Termine pro Jahr

Heidi Stolzenwald (SPD, Herrenhausen-Stöcken) kandidiert zwar wieder, aber nur auf Platz neun der Liste, und sie hat auch angekündigt, dass sie das Amt abgeben will. Wilfried Gunkel (SPD, Ricklingen) hat sich sogar nur auf dem absolut unrealistischen Nachrückerplatz 20 aufstellen lassen. Er will Zeit haben, um sich um seine erkrankte Frau zu kümmern. Mehr als 200 Termine pro Jahr bedeute das Amt, hat der Ingenieur nachgerechnet, dazu täglich „mehr als drei Stunden im Büro“. Eine fünfjährige Ratsperiode lang war er Bürgermeister, vorher 14 Jahre lang im Bezirksrat tätig. „Es war eine spannende Zeit“, sagt er, „auch wenn es manchmal schwierig ist, wenn Bürger ihren Frust auf die Politiker abladen.“

Manfred Benkler (CDU, Kirchrode-Bemerode-Wülferode) macht eine ähnliche Rechnung auf. „Rund 1000 Abende in fünf Jahren“ habe er als Bezirksbürgermeister auf Terminen verbracht. Für ihn endet nur das Amt, nicht aber die Kommunalpolitik – er hat sich für das Regionsparlament aufstellen lassen. „Der Kontakt zu den vielen Vereinen wird mir fehlen“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber es hindert mich ja keiner daran, weiter hinzugehen – in den meisten bin ich sowieso Mitglied.“

Conrad von Meding

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