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Stadt Hannover Jüdin Marlene Bethlehem führt durch Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Jüdin Marlene Bethlehem führt durch Hannover
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00:17 13.02.2017
Von Daniel Alexander Schacht
HAZ-Redakteur Daniel Alexander Schacht spaziert mit Jüdin Marlene Bethlehem durch die Stadt. Quelle: Villegas
Hannover

Ist es Zufall? Ist es Eingebung? Es ist jedenfalls bemerkenswert, wo Marlene Bethlehem am Denkmal für die Göttinger Sieben Position bezieht. Denn sie stellt sich in dem Portal, durch das König Ernst August den Göttinger Gelehrten im Jahr 1837 gleichsam die Tür weist, zwischen die Bronzefiguren, die Jacob Grimm und Friedrich Christoph Dahlmann verkörpern.

Genau dort lässt die Jüdin aus Südafrika beim Spaziergang mit Michael Fürst vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden zum Abschluss ihres Besuches in Hannover ein Abschiedsfoto aufnehmen - und so entsteht ein Bild von hoher Symbolkraft: Die Tochter eines Mannes, der Deutschland verlassen musste, weil hier elementare Verfassungsrechte für Juden außer Kraft gesetzt worden waren, steht neben den Skulpturen jener Professoren, die wegen ihrer Kritik daran, dass Ernst August die liberale Verfassung des Königreichs Hannover außer Kraft gesetzt hatte, das Land verlassen mussten. Was für eine Begegnung. „So klein ist die Welt“, sagt Marlene Bethlehem später zu Michael Fürst. „Die Jahre vergehen, die Konfliktlinien bleiben.“

Nahum Goldmann Fellowship

Im Rahmen des seit 1987 veranstalteten Programms der Nahum Goldmann Fellowship sind mehr als 800 junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 40 Jahren rund um den Globus mit jüdischer Kultur und jüdischen Traditionen vertraut gemacht worden. Anfangs ist es dabei vor allem um die Ausbildung jüdischer Führungskräfte gegangen, inzwischen geht es um die Entwicklung zivilgesellschaftlicher Tugenden auch über den Fokus der jüdischen Traditionen hinaus. Am jüngsten Treffen in Mexiko haben Menschen aus 40 Ländern teilgenommen, das diesjährige Treffen findet in Israel und das des nächsten Jahres dann möglicherweise in Niedersachsen und dann vielleicht in Hannover statt. 

Marlene Bethlehem ist den Einsatz für Bürgerrechtsstandards seit Langem gewohnt. Geboren 1940 in Johannesburg, wohin die Familie des Vaters aus Deutschland geflohen war, hat sie sich ebenso selbstverständlich gegen die Apartheid in Südafrika engagiert wie für die Rechte von Palästinensern in Israel - und sie ist vielleicht gerade deshalb besonders geeignet, um die besten Traditionen der jüdischen Kultur zu vertreten. Das ist ihre Aufgabe als Präsidentin der internationalen Memorial Foundation for Jewish Culture. „Wer immer eine Seele zerstört, hat damit gleichsam eine ganze Welt zerstört, wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam die ganze Welt gerettet“, hat sie in ihrer Rede am Holocaust-Gedenktag aus dem Talmud zitiert - und dabei das Publikum im NDR-Sendesaal mit der Geschichte vom erstaunlichen Überleben ihres Cousins Josse Gutfeld zu Tränen gerührt.

Begegnungen in Hannover

Der siebenjährige Josse wurde 1942 aus einem Deportationszug in Südfrankreich gerettet und von einer später als „Gerechte der Völker“ geehrten Bauernfamilie in dem Dorf Le Haut Biol versteckt - zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Simon Haas. Als dieser Name fällt, schlägt im Sendesaal der mit dem Shabbaton-Chor aus London angereiste Rabbiner Lionel Rosenfeld die Hände vors Gesicht. „Ich kenne Simon Haas“, sagt er später. „Er landete in Großbritannien und war ein sehr beliebter Kantor.“

Abscheu vor der Apartheid

Was für eine Begegnung. Und das ist nur einer von mehreren Brückenschlägen, die sich rund um Marlene Bethlehems Besuch in Hannover ereignen. Zuvor schon sind sich Oren Gutfeld, der Sohn von Josse, und Louise Bethlehem, die älteste Tochter von Marlene Bethlehem, in Hannover erstmals begegnet; erst kurz zuvor haben sie davon erfahren, dass sie beide als Forscher an der Hebräischen Universität in Jerusalem arbeiten, doch auf dem großen Campus sind sie sich zuvor nie begegnet. Nach Israel war Louise schon in den Siebzigerjahren ausgewandert, „aus Abscheu gegenüber der Apartheid“, wie ihre Mutter beim Spaziergang durch Hannovers Innenstadt erzählt. „Sie hat dort allerdings in der Behandlung von Palästinensern durch die israelische Besatzungsmacht manche Parallelen zur Apartheid entdeckt“, sagt Marlene Bethlehem und unterstreicht, dass sie die Kritik ihrer Tochter teilt. „Palästinenser sind in Israel unterprivilegiert, wenn auch nicht so von Gesetzes wegen wie es Schwarze in der Apartheid waren, wohl aber im alltäglichen Umgang.“

Viele Querverbindungen

Die Welt ist aber nicht nur so klein, dass darin derart neue Brückenschläge möglich sind. In Hannover werden für Marlene Bethlehem auch ältere Querverbindungen sichtbar: Ismar Schorsch aus New York ist ihr Amtsvorgänger an der Spitze der Memorial Foundation - und der Sohn von Emil Schorsch. Der war bis zur Zerstörung der Synagoge in der Pogromnacht des Jahres 1938 Hannovers Rabbiner und hat auch Helmut Fürst zur Bar-Mizwa gebracht. Das erfährt sie erst durch dessen Sohn Michael Fürst in Hannover.

Kein Wunder, dass Marlene Bethlehem gegen Ende ihres Spaziergangs auf dem Opernplatz lange vor den Namen der Familie Fürst auf dem Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers verharrt. Kein Wunder auch, dass sie sich vorstellen kann, künftig noch weitere Fäden in Hannover zusammenlaufen zu lassen: „Wir haben Ministerpräsidenten Weil vorgeschlagen, das von der Memorial Foundation unterstützte Welttreffen des Nahum-Goldmann-Fellowship-Programms im nächsten Jahr in Niedersachsen stattfinden zu lassen.“

Worum es bei dem Treffen geht? Zur Antwort greift Bethlehem wieder auf die Geschichte von Josse zurück. „Es geht darum, jene Tugenden von Zivilcourage und Menschlichkeit zu fördern, die Bauern in Südfrankreich als Gerechte der Völker haben handeln lassen.“

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