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Jürgen Piquardt macht „Lust auf Pflanzenkost“

Ernährungsbuch Jürgen Piquardt macht „Lust auf Pflanzenkost“

Lust auf Pflanzenkost? Der frühere hannoversche Gastronom und Autor Jürgen Piquardt hat ein lesenswertes Buch dazu geschrieben – mit kritischem Unterton, aber für Genießer.

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Genießer in Frankreich: Jürgen Piquardt

Quelle: Michael Thomas

Hannover.  Ernährungsposition. Ein seltsames Wort, aber eines, das in die Zeit passt. Eine Zeit, in der Ernährung nicht mehr Essen und Trinken, eine Reaktion auf Hunger und Appetit ist, sondern eine Haltung, eine Lebenshaltung gar, mit der man in einem Genusskulturspektrum einen Platz einnimmt, eine Position, die man vertritt, bewirbt oder verteidigt. Jürgen Piquardt hat seine Ernährungsposition gefunden. Nein, nicht gefunden, er hat sie erstritten. Der frankophile Lebemann, Boulefreund, Autor und Gastronom, den viele Hannoveraner als langjährigen Betreiber des Restaurants La Provence in Ricklingen kennen, lebt mittlerweile ganzjährig in eben jener Provence, blickt auf seine Olivenbäume und hat Zeit. Unter anderem zum Schreiben. 

Seine Ernährungsposition, die er über lange Jahre mit seiner Frau erstritten hat, legt er jetzt in Buchform vor, auf stattlichen 600 Seiten mit dem Titel „Lust auf Pflanzenkost!“ Aber eine neue Vegetarier- oder Veganerbibel ist es nicht: „Wir ergänzen Pflanzenkost durch tierische Produkte und alles andere, doch im Mittelpunkt stehen die Pflanzen.“ Dieses Konzept hat er Complementismus genannt. Complement wie Ergänzung. Es klingt wie eine Kunstrichtung. Eine Kochkunstrichtung. 

Aber es ist kein Kochbuch. Es ist ein Erklärbuch, ein Rezeptbuch, ein Gesundheits- und Umweltbuch. Vielleicht sogar eine Streitschrift? „Wir wissen, dass es abgeklärtere, konsequentere Lebensweisen gibt. Aber wir sind stolz auf uns“, sagt der 76-Jährige. Es gehöre zu seinen Prämissen, nur Lebensmittel von Tieren zu essen, die ein lebenswertes Leben gehabt hätten. Das Wort artgerecht gebrauche er nicht. „Wir machen uns da nichts vor. Artgerecht lebt kein Nutz- und kein Schlachttier.“ 

Fair, öko, regional, saisonal, bio – das sind – und waren in der hannoverschen Gastronomiezeit schon - Piquardts Grundsätze, die er versucht zu einer ganzheitlichen Idee zu verquicken, die „der Erde hilft, der Natur hilft, allen Lebewesen hilft, vor allem den Tieren“. Aber auch dem Menschen, der nun mal ein Genießer sei. „Ohne Freude am Essen ist Gesundheit unwahrscheinlich.“

Genuss, die Lust am Essen, Trinken und Kochen, steht trotz vieler kritischer Anmerkungen zu Themen wie Fett, Zucker oder Massentierhaltung immer im Vordergrund. Piquardt ist ein Lustmacher. Er listet Zuckermengen in Industrieprodukten auf (Nutella: 19 Zuckerwürfel pro 100 Gramm), vergleicht sie mit empfohlenen Tagesrationen und bietet gleichzeitig Alternativen wie getrocknete Feigen oder Walnüsse, „ganz vorsichtig und verspielt in Lavendelhonig getaucht“. Beim Lesen sieht man den Autor förmlich vor sich, an einem weiß gedeckten Holztisch im Halbschatten der Olivenbäume. Kochfibel und Rezeptauswahl geben Gelegenheit, Piquardts Ideen nachzuarbeiten, nachzukochen und nachzuschmecken. 

Piquardt hat, fast im Plauderton, einen reichhaltigen, leicht verdaulichen Schmöker geschrieben. „Lust auf Pflanzenkost!“ bietet keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, fasst aber viele Informationen über Ernährung zu einer interessanten Sichtweise zusammen, der man ihre Entwicklung, ihren jahrzehntelangen Reifungsprozess anmerkt. Auf dass Leser ihre eigene Ernährungsposition finden. 

Jürgen Piquardt: „Lust auf Pflanzenkost!“, G5 Netz Verlag, 608 Seiten, 22,50 Euro. Vorrätig in der Stadtweg-Buchhandlung, Ricklinger Stadtweg 2A. 

Von Uwe Janssen

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