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Dispute mit Kirchenprominenz

Fest für alle Dispute mit Kirchenprominenz

Zum bunten "Fest für alle" gehören auch nachdenkliche Momente: In der Neustädter Kirche debattieren hochkarätig besetzte Runden über Gott und die Welt - mit Kirchenvertretern wie Heinrich Bedford-Strohm und Margot Käßmann.

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Diskussionsrunde in der Neustädter Kirche.

Quelle: Benne

Hannover. Draußen in der City herrscht buntes Treiben. Bläsergruppen spielen auf dem Holzmarkt, das Luther-Denkmal an der Marktkirche ist zur Feier des Tages in lila Folie gehüllt, und Sänger Juliano Rossi hat auf der Bühne Psalmzeilen ins Mikro geröhrt ("So was hab' ich noch nie gesungen!"). Das "Fest für alle", mit dem die Kirche das 500. Reformationsjubiläum feiert, ist eine Mischung aus Volksfest und Hochkultur, Glaubensspektakel und Entertainment, wie man es sonst vielleicht nur bei Kirchentagen findet.

Hier drinnen, in der Neustädter Kirche, steht - gut reformatorisch - das Wort im Mittelpunkt, und bei den Disputationsrunden hier geht es zwar leise, aber höchst kontrovers zu: "Wir müssen uns damit abfinden, dass es keinen Gott gibt", sagt die Schriftstellerin Barbara Sichtermann: "Wir müssen uns selbst engagieren, um etwas in der Welt zu verändern." Das fordert natürlich den Widerspruch der Theologin Margot Käßmann heraus, die im Glauben gerade eine Ermutigung des einzelnen sieht: "Ich denke, dass der Glaube mich trägt in guten wie in schlechten Zeiten", sagt sie in der von Schauspielintendanten Lars-Ole Walburg moderierten Runde - und außerdem seien Christenmenschen oft höchst engagiert in der Gesellschaft.

Dass sie zumindest in diesem Punkt recht hat, zeigt sich an diesem Tag exemplarisch in der City: Überall herrscht Gedränge beim "Fest für alle". Die Marktkirche ist fast voll besetzt, als der Knabenchor dort Luthers Credo anstimmt. Auf dem Marktplatz ist es voll zwischen den Ständen von CVJM, christlichen Flüchtlingsunterstützern und den Kirchengemeinden, die sich hier präsentieren. Tausende Mitwirkende sind hier im Einsatz. Und auch die hochkarätig besetzten Disputationen in der Neustädter Kirche erweisen sich als Publikumsmagneten.

Rund 300 Besucher sind bei der Diskussion um "Fake News" dabei: "Darunter versteht man im Grunde nichts anderes als Lügen", sagt Susanne Iden, Redakteurin beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Es gibt ein großes Bedürfnis zu glauben, was ins eigene Weltbild passt." Sozialpsychologe Harald Welzer sieht den Siegeszug gefälschter Nachrichten auch als Nebenwirkung der Digitalisierung: "Eine Demokratie braucht analoge Räume", sagt er: "Die sogenannten sozialen Medien haben eine hohe Attraktivität für dauererregte Menschen."

Auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm fordert Instanzen, die die Fülle der Fakten ordnen: "Wir brauchen wieder mehr Qualitätsjournalismus." Der gesteuerten Fehlinformation müsse man durch Bildung und Engagement für die Demokratie entgegentreten, sagt Bedford-Strohm: Es sei ein Erbe der Reformation, für die eigenen Überzeugungen einzutreten. Zur Schwarzmalerei neigen die Disputanten gleichwohl nicht: "In der Bundesrepublik gibt es eine breit gefächerte Medienlandschaft und eine demokratisch gesonnene Bürgergesellschaft", sagte Welzer. Womit er irgendwie wieder einen Bogen zu den vielen Feiernden draußen vor der Kirchentür schlug.

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