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Stadt Hannover Wann bekommen Flugkunden ihre Reisekosten zurück?
Aus der Region Stadt Hannover Wann bekommen Flugkunden ihre Reisekosten zurück?
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19:51 15.02.2017
Stefanie und Jens Janowski haben mit der Hilfe eines Anwalts Geld von Air-Berlin erstattet bekommen. Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Bernd Günther hat einen langen Atem: „Wenn es nötig wird, ziehe ich bis zum Europäischen Gerichtshof nach Straßburg“, sagt er. Als sich beim Reiseveranstalter Tuifly im Oktober 2016 zahlreiche Mitarbeiter gleichzeitig krankmeldeten, mussten viele Flugzeuge am Boden bleiben.

Günther war auf dem Flughafen der griechischen Insel Kreta gestrandet. Jetzt ist einer einer der vielen Tuifly-Kunden, die per Gericht wenigstens eine teilweise Erstattung der Reisekosten einklagen wollen. Es gehe für ihn um knapp 1700 Euro. „Anfangs waren wir darauf aus, das Ganze vorgerichtlich zu klären“, sagt er. Doch Tuifly ging darauf nicht ein. „Deshalb lassen wir jetzt die Klage laufen“, sagt Günther.

Airline nennt es "wilden Streik"

Mehr als 1000 Verfahren sind derzeit gegen Tuifly anhängig, rund 700 davon allein in Hannover. Die plötzliche Massenkrankmeldung des fliegenden Personals hatte zur Folge, dass nicht nur Maschinen von Tuifly, sondern auch von deren Partner Air Berlin am Boden blieben. Die betroffenen Passagiere pochen seither auf eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Die Fluggesellschaft wertet die Aktion allerdings bislang als sogenannten wilden Streik - damit wären die Ausfälle nicht erstattungspflichtig.

Im Gegensatz zu Kläger Günther kann Olivia Mielke aus Vechelde bereits einen kleinen Erfolg verbuchen. Air Berlin erstattete vor zwei Tagen 800 Euro, die Urlauberin flog im Oktober erst nach 40-stündiger Verspätung vom Flughafen in Langenhagen nach Mallorca. „Meine erste Frist ließ Air Berlin allerdings unkommentiert verstreichen“, sagt Mielke. Erst nach Post von ihrem Anwalt kam die Entschädigungszahlung ins Rollen. Mielke: „Wir sind froh, dass wir wenigstens etwas wiederbekommen haben.“

Das gleiche Bild bei Jens Janowski aus Ronnenberg-Weetzen. Seine dreiköpfige Familie saß insgesamt 27 Stunden fest - 23 vor dem Hinflug nach Mallorca und vier bei der Rücktour. Jens Janowski wandte sich an die Onlinepattform Flyright: „Es ging uns nicht ums Geld, wir wollten bloß einen schönen Urlaub haben“, sagt Janowski. Die Experten übernahmen den Fall - und hatten Erfolg. Air Berlin erstattete die geforderten 2400 Euro. Abzüglich der Gebühren für Flyright bleiben den Janowskis nun 1700 Euro.

Mittagessen für 38,60 Euro

Auf diesen Erfolgsmoment wartet Bernd Günther bei der Tuifly noch. „Auch wenn die vielen Fälle unterschiedlich sind, haben sie doch alle dieselbe Ursache“, sagt Günther und kann das Verhalten der Airline nicht verstehen. „Immerhin waren sie bereit, uns ein sehr schlechtes Mittagessen auf Kreta zu bezahlen“, sagt Günther amüsiert. Kostenpunkt: 38,60 Euro.

Doch so leicht will er Tuifly nicht davonkommen lassen. „Sie müssen dazu bewegt werden, die Ausfälle zu übernehmen.“ Günther vermutet, dass die Prozessflut letztlich auf Vergleiche hinausläuft. Und zur Not bliebe ja noch Straßburg.

Peer Hellerling

Grund für den Ausnahmezustand

Viele Piloten und Flugbegleiter hatten im Herbst 2016 die Arbeit niederlegt. Der Grund: Pläne waren durchgesickert, dass Tuifly unter der Führung der arabischen Fluglinie Etihad mit der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki in eine Holding integriert werden soll. An mehreren Tagen fielen daraufhin zahlreiche Flüge aus, 22 Millionen Euro beträgt der Schaden für den Reisekonzern aufgrund der ausgefallenen Flüge – mögliche Kosten für den Rechtsstreit sind darin noch nicht enthalten. Tui musste rund 3000 Reiseverträge kündigen. Die Prozessgegner rechnen damit, dass die Entschädigungsklagen mehrere Instanzen beschäftigen werden.

Tui und Etihad reagieren mit der neuen Holding auf die Zerschlagung von Air Berlin. Tui will 25 Prozent halten, Etihad ebenfalls 25 Prozent. Die restliche Hälfte wandert zunächst in eine von den Arabern kontrollierte Stiftung. Die Beschäftigten sehen darin allerdings eine Gefahr für die 2500 Angestellten und den Standort Hannover.    

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