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Kliniken mit Nofallpatienten überfordert

Personalmangel in Hannover Kliniken mit Nofallpatienten überfordert

Die Probleme mit der Versorgung von Notfallpatienten in Hannover sind wesentlich größer, als bisher bekannt. Wie aus einer internen Statistik der Regionsverwaltung hervorgeht, sind viele der neurologischen und internistischen Stationen der Kliniken mehr als die Hälfte des Jahres abgemeldet und damit nicht in der Lage, Notfallpatienten auf ihren Stationen aufzunehmen. 

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Dauerhaft abgemeldet: Viele Stationen in Kliniken der Region sind häufig nicht in der Lage, Notfallpatienten aufzunehmen.

Quelle: Michael Wallmüller/Archiv

Hannover. Beispielsweise war demnach die internistische Station der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Jahr 2013 und im ersten Halbjahr 2014 jeweils zu mehr als 86 Prozent der Zeit abgemeldet. Als Grund dafür nennt das Papier Personalmangel.

Das hat gravierende Folgen für die Versorgung von Patienten in Hannover: Im April war der Fall eines 81-jährigen Hannoveraners bekannt geworden. Der Mann war am Abend von seiner Hausärztin mit Verdacht auf eine Lungenentzündung als Notfall ins Krankenhaus eingewiesen worden. Mitten in der Nacht musste er jedoch ins 55 Kilometer entfernte Alfeld gebracht werden, weil in den zuständigen Stationen in Hannover kein Bett für ihn frei war. Normalerweise übernehmen die Ärzte des zunächst angefahrenen Krankenhauses die Erstversorgung des Patienten. Ist dort die Fachstation abgemeldet, wird der Patient in eine andere Klinik verlegt.

Der interne Vermerk, der der HAZ vorliegt, listet die wichtigsten Klinikstationen aller Krankenhäuser in Hannover und im Umland auf. In dem Papier ist für die Jahre 2012, 2013 und das erste Halbjahr 2014 die jeweilige Gesamtstundenzahl der Abmeldungen sowie deren prozentualer Anteil an der Gesamtstundenzahl des Jahres aufgeführt. Basis für die Statistik sind Zahlen der Regionsleitstelle. Die Neurologie am Klinikum Agnes Karll in Laatzen war 2014 nach der Statistik 82 Prozent der erfassten Zeit abgemeldet, die Neurologie im Friederikenstift fast 70 Prozent und die Intensivstation 65 Prozent. Die Abmeldungen der Stationen können erhebliche Auswirkungen auf Verletzte zum Beispiel bei Unfällen haben: Weil die Rettungswagen mit den Notfallpatienten wegen der Abmeldungen häufig mehrere Kliniken anfahren müssen, verlieren sie Zeit, um rechtzeitig beim nächsten Einsatz zu sein.

Aus Sicht der Region sollte die Statistik lediglich einen Überblick geben, ob Handlungsbedarf besteht. Die Daten seien nicht auf Fehler überprüft worden. Die Region habe jedoch Handlungsbedarf festgestellt, deshalb werde noch in diesem Jahr gemeinsam mit der Stadt ein elektronisches System angeschafft. Dies soll den Kliniken ermöglichen, ihre abgemeldeten Stationen über das Internet direkt einzutragen. Bisher verschicken sie Faxe an die Rettungsleitstelle.

Kommentar: Warum schlägt niemand Alarm?

Angeblich ist die medizinische Versorgung nirgendwo in Niedersachsen so gut wie in Hannover. Angeblich ist das Verhältnis von Krankenhausbetten und Einwohnern nirgendwo so gut wie hier. Angeblich. Wenn man auf die von der Regionsverwaltung unter Verschluss gehaltene Statistik schaut, dann kann einem beim Gedanken an eine ernsthafte Erkrankung Angst und Bange werden. Da wird ein Patient schon mal kilometerweit im Rettungswagen durch die Region gekarrt, weil die zuständigen Fachstationen in Hannover besonders häufig überbelegt sind und für den Notfallpatienten dann erst einmal zeitaufwendig ein freies Krankenhaus gesucht werden muss. Muss das sein?

Eigentlich müsste die Regionsverwaltung schon längst alarmiert sein und Krankenhäuser und Krankenkassen an einen Tisch gebracht haben. Stattdessen werden die Kräfte monatelang in der Diskussion über die Vor- und Nachteile eines elektronischen Meldesystems vergeudet. Das hilft den Patienten gar nichts.

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