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Stadt Hannover Kopftuch-Verbot im Fitnessstudio: So reagieren HAZ-Leser
Aus der Region Stadt Hannover Kopftuch-Verbot im Fitnessstudio: So reagieren HAZ-Leser
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14:45 06.02.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Hannover

 Eine 35-jährige Muslima ist in einem Fitnessstudio dazu aufgefordert worden, ihr Kopftuch abzulegen. Als sie sich weigerte, musste sie die Trainingsfläche verlassen. „Ich war sehr schockiert.“ Seit Jahren gehe sie in Fitnessstudios, aber solch ein Verhalten „habe ich noch nicht erlebt“, so die gebürtige Hannoveranerin mit afghanischen Wurzeln. Die Fitnessloft-Geschäftsführung in Braunschweig teilt der HAZ mit, dass sie an ihrer Entscheidung festhält. Das Unternehmen versuche, „alle vermeidbaren Verletzungsrisiken zu minimieren“. Für dieses Vorgehen haben viele Menschen in der Region Verständnis, andere sehen es kritisch. Lesen Sie hier einige Kommentare und Leserbriefe, die die HAZ erreicht haben:

Hinweis auf Unfallgefahr ist legitim

Das Fitnessstudio hat die Benutzungsregeln klar definiert. Wen sie stören, der kann ein Konkurrenzstudio besuchen. Der Hinweis auf die Unfallgefahr durch das Tragen einer Kopfbedeckung während der Nutzung der Geräte ist absolut legitim. Ich stehe seit mehr als 35 Jahren als Trainerin und Sportlehrerin (auch in Schulen) vor Gruppen, und es kommt wegen der Sportbekleidung immer wieder zu Diskussionen, die sich mit dem Hinweis auf die Unfallgefahr (Turnen im Kleid, Turnen mit offenen langen Haaren, ...) aber recht schnell beenden lassen. (Gabriele Ochmann, Bissendorf)

Einfach nur noch gaga

Eine muslimische Frau darf in ihrem Fitnessstudio kein Kopftuch tragen. Da gilt offensichtlich kein Hausrecht weil es wohl Diskriminierung sei. Das ist ja sicher ein weiterer Kopftuchfall für unsere Gerichte , wenn schon die Presse und die Migrationsbeauftragte der Landesregierung von der Betroffenen eingeschaltet wurden. Es gibt aber auch den Fall das Anhängern oder Mitgliedern einer politischen Partei der Zugang zu einer Lokalität verweigert wird. Ich bin mir ziemlich sicher, das viele, die im ersten Fall von Diskriminierung sprechen, im anderen Fall sagen werden: "Der Wirt hat doch nur von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht". Ich finde das einfach nur noch gaga .

Warum so viel Angst?

Auch mit einem Kopftuch kann man trainieren. Es gibt sogar Boxerinnen mit Kopftuch, sogar sehr erfolgreiche. Man kann das Kopftuch auch so tragen, dass es keine Verletzungsgefahr gibt, jedenfalls nicht mehr als bei Frauen, die ihr Haar offen tragen. Es nervt mittlerweile, dass jeder jedem Kleidungsvorschriften machen möchte. Für viele sind Frauen mit Kopftuch doch nur als Hausfrau und Putzfrau akzeptabel. Warum habt Ihr so eine Angst vor einem kleinem Stück Stoff? (A. Gadalla, via Facebook)

Keine Diskriminierung

Der Kern des Themas ist nicht einmal eine Meldung wert ist. Es geht doch darum, dass dem Probetraining bzw. dem Vertrag die "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" des Betreibers zu Grunde liegen. Diese werden in Ihrem Artikel auch zitiert. Demnach ist aus "Sicherheitsgründen" das Tragen von Kopfbedeckungen (und zwar jeder Art!) und von Schmuck nicht erlaubt. Wem das nicht gefällt, geht den Vertrag nicht ein und sucht sich ein anderes Studio. Diskriminierung läge evtl. vor, bezöge sich die Klausel ausdrücklich auf Kopftücher oder wäre die Protagonistin aufgefordert worden, das Kopftuch abzulegen ohne dass es eine solche Klausel gäbe. Ich bin auch deshalb irritiert, da es wirkliche Diskrimierung gibt, über die berichtet werden muss und die auch beendet werden muss. Der Fall der Studentin der Rechtswissenschaft, die aufgrund ihrer Ausbildung selbst in der Lage sein müsste, rechtlich zu beurteilen, ob die verwendete Klausel in den Geschäftsbedingungen wirksam ist, gehört gewiss nicht dazu. (Uwe Bengsch, Hannover)

Schlechte Kommunikation

Es ist schon verwunderlich, dass die Kopfbedeckung der Kundin zunächst niemanden störte und auch für andere Fitnessstudiobetreiber offenbar kein Problem darstellt. Ich kann die Erregung der Frau darum durchaus verstehen. Mir erscheint die Begründung, die Fitnessloft hier angibt, recht konstruiert zu sein. Aber selbst wenn sie doch irgendeine Berechtigung hat, dann ist in der Sache von Seiten des Sportstudios sehr, sehr schlecht kommuniziert worden. (U. Bode, via Facebook)

Jede Entscheidung im Leben hat Konsequenzen

Zunächst einmal begrüße ich das Kopftuchverbot im Sportbereich. Die Aussage von Frau Ahmadi, dass Grundschulen zuerst solche Regelungen treffen sollten, kann ich nur entgegensetzen, dass Grundschüler kein Kopftuch tragen. Erst ab oder Richtung Pubertät werden die Töchter gezwungen/ überzeugt, ein Kopftuch zu tragen. Ein Kind kann sich dem Kopftuchzwang durch Eltern nicht widersetzen. Frau Ahmadi dagegen macht es freiwillig. Sie hat sich fürs Kopftuch entschieden. Jede Entscheidung im Leben hat Konsequenzen. Das weiß ich als volljähriger Bürger. (Ch .Fey, Hannover)

Unfallgefahr ist nicht vorhanden

Mann muss die Details beachten: Beim Probetraining war dies gar kein Thema, man hat sie nicht einmal darauf hingewiesen. Auf einmal war es ein Problem - in einem anderen Studio der gleichen Kette habe sie zunächst auch mit Kopftuch trainieren können. Und auch andere Studios bestätigen, dass die Begründung der Unfallgefahr nicht reell ist. Davon mal abgesehen - die Geräte in Fitness-Studios sind gar nicht kopflastig. Ich kenne kein Gerät, bei dem ein Kopftuch hinderlich gewesen wäre und ein Kopftuch kann enger gebunden werden, so dass es keine losen Enden gibt. - Also alles faule Ausrede. Aber ich denke, sie wird ein Studio gefunden haben, das besser zu ihr passt. (B. G., via Facebook)

Verbot ist richtig

Wer das Thema Sicherheit als Betreiber eines Studios ernst nimmt, muss das Tragen eines Kopftuchs beim Bedienen von Geräten verbieten. In einer Werkstatt darf man schließlich auch nicht mit Handschuhen oder mit loser Kleidung Bohrmaschinen und Drehbänke bedienen. Falls es enganliegende Tücher geben sollte, ist das sicher in Ordnung, aber bitte keine normalen Kopftücher. (Stefan F., via Facbook)

Die rechtliche Seite

Dündar Kelloglu ist Rechtsanwalt in Hannover mit den Schwerpunkten Ausländer-, Flüchtlings- und Strafrecht.

Herr Kelloglu, wieso darf ein Fitnessstudio seine Kunden wegen einer falschen Kopfbedeckung zum Gehen auffordern?

In erster Linie besteht Hausrecht, die Kleiderordnung steht jedem frei. Genauso kann auch festgehalten werden, dass zum Beispiel aus hygienischen Gründen keine ärmellosen Hemden getragen werden dürfen und auf manchen Geräten Handtücher hingelegt werden sollen.

Wieso gilt das auch für das Kopftuch? Das Grundgesetz sichert Religionsfreiheit zu.

Mit dem Kopftuch ist es so eine Sache. Das entsprechende Verbot darf nicht willkürlich geschehen, niemand ist auszuschließen. Ein generelles Kopftuchverbot wäre daher verfassungswidrig. Das Ganze ist ein sehr sensibles Thema, das auf dem Rücken der Frauen ausgetragen wird. Männer müssen schließlich kein Kopftuch tragen.

Also handelt das Fitnessstudio rechtens?

Wenn es generell Kopfbedeckungen verbietet, ist es wohl noch verfassungskonform. Anders könnte es aber aussehen, wenn das Fitnessstudio das einzige im gesamten Umkreis wäre. Dann hätte die Frau keine Möglichkeit, auf ein anderes auszuweichen. Dann wäre das Verbot vielleicht auch nicht zu halten.

Lesen Sie auch: So begründet der Betreiber des Fitnessstudios das Verbot.

(Die obenstehenden Veröffentlichungen sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Leserbriefe werden unter Umständen zugunsten der besseren Lesbarkeit gekürzt oder redigiert.)

Von Red

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