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Stadt Hannover Neustart mit Anspruch
Aus der Region Stadt Hannover Neustart mit Anspruch
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00:20 19.12.2014
Von Stefanie Gollasch
Hier serviert der Chef: Christian Becker ist der Boss in der Küche. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Helmut Kohl war hier, Lady Diana, selbst der nicht eben luxusverliebte Dalai-Lama. Sie alle haben übernachtet in Hannovers einziger Fünf-Sterne-Herberge - aber haben sie auch im hoteleigenen Restaurant gegessen? Obwohl Kastens Hotel Luisenhof buchstäblich im Herzen der Stadt liegt, hat es seine Gastronomie nie so ganz in die Herzen der Gäste geschafft. Dabei gibt es kaum einen besseren Platz, um in aller Ruhe die Flaneure in der wohl nobelsten Straße der Landeshauptstadt zu beobachten. Vor einigen Wochen nun der Neustart: Unter dem Namen Mary’s und mit geliftetem Konzept soll das Restaurant zum Treffpunkt für Gäste von nah und fern werden.

Am Abend unseres ersten Testbesuchs sieht es so aus, als habe das schon geklappt: Das Lokal ist gut gefüllt, und wir sind froh, reserviert zu haben. Unser Tisch steht in einer der Nischen, wir sitzen auf cremefarbenen Lederbänken vor einer golden verkleideten Wand - an Prachtdekor mangelt es dem Mary’s nicht. Insgesamt ergeben die vielen Sand- und wenigen Rottöne der Einrichtung aber ein stimmiges, zugleich elegantes und einladendes Bild. Ein freundlicher Kellner nimmt uns die Mäntel ab und geleitet uns zu unserer Nische, wo wir dann erst mal ein Weilchen auf weitere Beachtung warten. Schließlich bringt uns eine junge Frau diverse Speisekarten, und wir fangen an, das Angebot zu studieren. Es gibt die Abendkarte, ein Menü des Monats und zurzeit ein Gänsemenü. Schnell sind wir uns einig: Mein Begleiter nimmt die Gans (64 Euro), ich das Monatsangebot, das mit Hirschrücken als Hauptgang lockt (48 Euro).

Da ich Auto fahren muss, bitte ich den Kellner nur um ein Glas Rotwein. Nachdem er sich nach meinen Vorlieben erkundigt hat, bringt er mir einen Spätburgunder (8,50 Euro für 0,2 Liter) zum Probieren. Hätte er mir nicht geschmeckt, hätte er mich weiter testen lassen - sehr nett, finde ich. Allerdings hat er gleich so punktgenau meinen Geschmack getroffen, dass das nicht nötig wird. Unterdessen ist ein kleines Brotkörbchen samt Butter gebracht worden, und die Küche grüßt mit einem Scheibchen feiner Terrine. Mein Menü startet dann mit sautierter Gänseleber mit Moosbeerengelee - eine feine, wenngleich sehr klassisch wirkende Kombination. Und die Leber ist für meinen Geschmack auch etwas zu widerständig, das habe ich schon zarter gegessen. Die Rahmsuppe vom Schwarzfederhuhn hingegen überzeugt mit ihrem sahnig-kräftigen Aroma ebenso wie mein Hauptgang: butterzart der Hirschrücken und absolut köstlich die kleinen Knödel, die ich nur deswegen nicht komplett verzehre, weil ich allmählich gut gesättigt bin. Mein Mittester hat auch schon sein Tun, denn nach durchaus üppigem Entrée und ebensolcher Suppe harren jetzt Brust und Keule von der Gans ihrer Vernichtung, ganz zu schweigen von Rot- und Rosenkohl sowie Klößen und einer ganzen Sauciere voll köstlicher dunkler Soße.

Bei den Desserts kapitulieren wir dann nach wenigen Bissen. Dabei hätte das Spekulatiuseis meines Gegenübers ebenso wie mein Küchlein von weißer Valrhonaschokolade durchaus verdient, aufgegessen zu werden. Träge winden wir uns aus unseren Polsterbänken und stehen dann ein wenig verloren in der Gegend herum, während der Kellner in diversen Schränken nach unseren Mänteln sucht. Dann hat er sie aber gefunden, hilft uns freundlich hinein und verabschiedet uns formvollendet.

Da das Mary’s auch einen ausgewiesenen Business-Lunch anbietet, findet der nächste Besuch mittags statt. Dieses Mal ist die Gästezahl eher übersichtlich, dennoch werden wir am Ende an die zwei Stunden für das „schnelle“ Mittagessen gebraucht haben. Den Lunch gibt es mit ein, zwei oder drei Gängen, jeweils inklusive Softdrink und Kaffee, außerdem gibt es noch eine Mittagskarte. Ich habe schon ein Auge auf den Grünkohl geworfen, finde aber keine passende Vorspeise im Lunch-Reigen. Auf meine Bitte nach einer klaren Suppe vorweg bekomme ich eine köstliche, perfekt gemachte Rinderbrühe mit Pilzklößchen und Gemüseperlchen, die eigentlich als Solospeise für 7,50 Euro auf der Karte steht. Dennoch tauchen hinterher nur 22 Euro für den Zwei-Gänge-Lunch auf der Rechnung auf - eine sehr faire Geste.

Regelrecht begeistert bin ich dann vom Grünkohl, der mit einer ganz leicht angebratenen Bregenwurst und feinen Bamberger Hörnchen serviert wird. Der Kohl ist wohl der beste, den ich bislang gegessen habe (meine Mutter möge mir verzeihen), und auch mein Begleiter, erfahrener Grünkohlkoch und -esser, ist angetan, wenngleich er ein bisschen weniger Fett auch noch ausreichend gefunden hätte. Ich finde es aber genau richtig so, und da die Menge eher Beilagen- als Hauptgerichtsgröße hat, ist der Kohl auch für ein Mittagessen gut bekömmlich. Nach dieser Stärkung kann der Arbeitstag kommen - wenngleich es netter wäre, einfach sitzen zu bleiben und den Flaneuren draußen zuzusehen.

Mary's

Fazit: Feine Küche in edlem Ambiente – eine Gastronomie, die des Hauses würdig ist.

Preiskategorie: gehoben

Preiskategorien: günstig (Hauptgerichte bis 10 Euro), moderat (bis 15 Euro), gehoben (um 20 Euro)

Adresse: Mary`s
Luisenstraße 1 - 3, 30159 Hannover
Telefon: (0511) 3044816
www.marys-hannover.de

Geöffnet: Täglich von 12 bis 14.30 und von 18.30 bis 22 Uhr

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