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Stadt Hannover Schläger wird verurteilt – ein Dorf atmet auf
Aus der Region Stadt Hannover Schläger wird verurteilt – ein Dorf atmet auf
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06:54 27.04.2018
Viele Anwohner aus Ingeln-Oesselse hatten Angst vor M. Quelle: Rainer Droese
Hannover / Laatzen

 Viele der rund 4000 Menschen, die in Ingeln-Oesselse wohnen, kannten M. schon länger. Und kaum jemand kann Gutes über ihn berichten – über Jahre versetzte Anwohner in Angst und Schrecken. Am Donnerstag verurteilte das Amtsgericht Hannover den 27-Jährigen aus dem Laatzener Ortsteil zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten. Sechs Straftaten gestand M., von Beleidigung und Bedrohung bis zu mehrfacher einfacher und gefährlicher Körperverletzung. Die Zeugen und Nachbarn aus Ingeln-Oesselse, die im Gerichtssaal zusammentrafen, empörten sich über das ihrer Ansicht nach zu milde Urteil. Eines allerdings dürfte sie freuen: Der im Volksmund „Schielkopp“ genannte M. verlässt den Ort, hat eine neue Wohnung in einem Ortsteil von Garbsen gefunden. Und damit liegen nun knapp 40 Kilometer zwischen den Laatzenern und dem ungeliebten Dorfbewohner.

Die aktuelle – bereits rechtskräftige – Verurteilung bezieht sich auf Straftaten, die der 27-Jährige zwischen September 2016 und März 2017 beging. Doch glaubt man den Anwohnern, wurde in dem Prozess bei Amtsrichter Jörn Thyen nur die Spitze des Eisbergs sichtbar.

Erwiesen ist, dass der psychisch auffällige M. einen jungen Mann, der in Ingeln-Oesselse aus einem Bus stieg, völlig grundlos mit Faustschlägen attackierte. Erwiesen ist, dass M. einen anderen Mann während einer Busfahrt urplötzlich in den Schwitzkasten nahm und ihn derart schüttelte, dass dieser ein Schleudertrauma erlitt. Einer Frau, die helfen wollte, trat der Wüterich gegen das Schienbein. Erwiesen ist auch, dass der 27-Jährige eine Frau auf offener Straße und völlig ohne Grund als „Schlampe“ und „Fotze“ beschimpfte und zwei Helfern drohte, sie mit einem Messer abzustechen. Am schwerwiegendsten wertete Amtsrichter Jörn Thyen den unvermittelten Angriff auf eine Frau, die M. auf dem Heimweg von hinten packte und ihren Kopf gegen eine Mauer schleuderte. Das Opfer erlitt eine stark blutende Platzwunde.

Nur jenseits des Gerichtssaals kamen weitere Vorwürfe vonseiten der Dorfbewohner zur Sprache. Mal soll der Hartz-IV-Empfänger einen Nachbarn mit einer Pistole bedroht, ein anderes Mal einem Mädchen einen Faustschlag versetzt, vor 14 Tagen erst einen Kinderwagen umgetreten haben. Etliche Anwohner, so heißt es, hätten sich schlichtweg nicht getraut, M. anzuzeigen – aus Furcht vor seinen unberechenbaren Reaktionen. Sechs Einträge finden sich in seinem Vorstrafenregister, auch wegen Körperverletzung. 2014 wurde der Gewalttäter zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt, weil in seiner Wohnung in Ingeln-Oesselse 82 Konsumeinheiten Marihuana gefunden wurden; 2016 kassierte er eine Geldstrafe, weil er sich auf dem Stadtfriedhof Laatzen im Angesicht einer Frau die Hose herunterzog und onanierte.

Richter, Staatsanwalt und Verteidiger waren sich einig, dass M. ein Alkoholproblem hat, war er doch bei den meisten Taten angetrunken. Sein Anwalt Michael Tusch brachte auch eine „psychische Komponente“ ins Spiel, die eine verminderte Schuldfähigkeit beinhalten könnte. Immerhin hatte Richter Thyen im Vorfeld bereits ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben – was zum Erstaunen der Verfahrensbeteiligten aber wenig Brauchbares zutage förderte. Der Sachverständige erklärte, dass M. ihm gegenüber die angeklagten Taten bestritten hatte, und leitete daraus den Schluss ab, den 27-Jährigen nicht weiter begutachten zu dürfen und zu müssen.

Der Staatsanwalt forderte am Donnerstag eine 17-monatige Bewährungsstrafe für M. , das Gericht blieb zwei Monate darunter. Der Mann mit den unerklärlichen Ausrastern bekommt nun einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt, muss zudem 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Jörn Thyen warnte den 27-Jährigen, weitere Straftaten zu begehen: „Dann wird die Bewährung widerrufen und Sie wandern ins Gefängnis.“ 

Der Vater, mit dem der Straftäter zusammenlebte, ist jüngst in eine Senioren-Wohnanlage in Bemerode gezogen, M. will das Haus in Ingeln-Oesselse nun verkaufen. „Ich bin froh, dass ich aus dem Dorf weggezogen bin und einen Neuanfang starten kann“, sagte er in seinem Schlusswort. Auch die Anwohner sind – unabhängig von dem ihrer Ansicht nach „lächerlichen“ und „unfairen“ Urteil – „heilfroh“, dass der 27-Jährige nun am anderen Ende der Region Hannover wohnt. Doch namentlich genannt werden möchte niemand in der Zeitung, aus Angst: „Schließlich kann M. keiner daran hindern, uns in Ingeln-Oesselse einen Besuch abzustatten.“

Von Michael Zgoll

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