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Stadt Hannover Landtag wird nicht abgerissen
Aus der Region Stadt Hannover Landtag wird nicht abgerissen
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06:15 28.07.2012
So könnte der Neubau des Landtages einmal aussehen. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Am meisten muss wohl das Verhalten des Architekten Prof. Eun Young Yi überrascht haben. Als ihm am Dienstag in der vertraulich tagenden Baukommission des Landtags vorgerechnet wurde, dass sein angeblich 45 Millionen Euro teurer Neubau jetzt bis zu 73 Millionen Euro kosten würde, da soll er mit keiner Wimper gezuckt haben. Wortlos soll er nach dem Vortrag rausgegangen sein. Es gab keine Rechtfertigung. Es habe ihn aber auch keiner der Anwesenden zur Rede gestellt, hieß es. Ein privater Bauherr hätte bei solch einer Fehlkalkulation seines Architekten vielleicht doch noch Gesprächsbedarf gesehen. Die Politiker aber sollen eher resigniert gewirkt haben. „Wir haben ihn laufen lassen“, sagte am Dienstag einer im Anschluss an die Sitzung. Es deutet ja nun ohnehin alles darauf hin, dass es keinerlei Mehrheiten mehr für das Konzept gibt, das denkmalgeschützte Plenargebäude am Landtag abzureißen und in Form eines griechischen Tempels neu zu errichten.

„Einmütig“ habe sich die Baukommission des Landtags am Dienstag dafür ausgesprochen, den Abrissplan zu verwerfen, betonte Parlamentspräsident Hermann Dinkla (CDU) im Anschluss an die Sitzung. Stattdessen solle das Baudenkmal nun saniert und so umgebaut werden, dass es den heutigen Ansprüchen der Landespolitiker genügt. Das ist pikant, denn vor zwei Jahren hatte ein Raumgutachten ergeben, dass die Flächenwünsche der Fraktionen und Landtagsverwaltung im bestehenden Gebäude nicht unterzubringen seien. Auf einmal geht es - wobei Dinkla jetzt sagt, es werde bei einigen Raumwünschen wohl Abstriche geben. Lange Zeit galt das Gebäude auch als unsanierbar. Von einem „Fass ohne Boden“ hatten die Abrissverfechter stets gesprochen. Jetzt hat man das hannoversche Architekturbüro Schulze & Partner Architekten (spa) rechnen, planen und kalkulieren lassen. Und siehe da, es geht doch.

Bislang sind alles nur Vorentwürfe, weder das Raumkonzept noch die Ausführungsplanung sind endgültig. Aber es gibt eine Summe: Für 47 Millionen Euro (plus einem Unsicherheitsfaktor von 15 Prozent, also maximal etwa 54 Millionen Euro) lässt sich das Gebäude an heutige Anforderungen anpassen. Darin enthalten wäre bereits eine große Tiefgarage unter dem Landtagsparkplatz am Holzmarkt. Weil trotzdem das eingeplante Budget von 45 Millionen Euro gesprengt würde, will Präsident Dinkla im September noch einmal das Parlament befragen. „Vielleicht geht es auch etwas billiger, vielleicht müssen wir bei den Plänen auch etwas reduzieren“, sagte er am Dienstag. Jedenfalls müsse die mittlerweile zwölf Jahre währende Diskussion nun zu Ende gehen. So sehen die vorläufigen Pläne aus:

Fassade fast unverändert: Nach außen hin soll der denkmalgeschützte Bau kaum modifiziert werden, Eingriffe sollen gering ausfallen. Unter anderem wird das Lichtdach des Plenarsaals um etwa 80 Zentimeter angehoben und seitlich verglast, damit mehr Tageslicht einfällt. Darüber aber bleibt eine Kupferabdeckung.

Plenarsaal mit Glaswänden: Architekt Schulze will die Wandelgänge, die um den Plenarsaal liegen, nur behutsam modifizieren. Zugleich plant er aber, die gesamte Statik der Plenarsaalwände so zu ändern, dass der Saal sich mit zwei großen Glaswänden öffnet. Die eine führt den Blick durch die großen Scheiben der Wandelhalle zum Platz der Göttinger Sieben, die andere zum innenliegenden Patio, einem Glasfoyer hinter dem historischen Laves-Portikus.

Ausstellungsraum im Patio: Dieser verglaste Lichthof, der seit Jahren undicht ist, soll ein Glasdach erhalten. Er selbst soll für Ausstellungen genutzt werden, unter ihm ist ein belichteter Konferenzraum eingerichtet werden.

Gastronomie am Platz: Die Landtagsgastronomie (bisher: „Leineschloss“, derzeit nur noch sporadisch in Betrieb) soll so umgebaut werden, dass sie auch auf dem Platz der Göttinger Sieben bewirten kann.

Für all diese Umbauten solle möglichst bald ein europaweites Vergabeverfahren erfolgen, sagt Michael Brakemeier, Projektsteuerer vom Staatlichen Baumanagement. Wenn dann Architekten und Ingenieure gefunden seien, könne die Ausschreibung vorbereitet werden. 2014 soll der Umbau starten, das Parlament zieht dann in Behelfsräume auf der anderen Straßenseite um. 2017 soll der umgebaute Plenarbereich schließlich bezugsfertig sein - rechtzeitig vor der Landtagswahl 2018. „Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, müssen wir jetzt bald beginnen“, drängt Dinkla.

Zwei Entwürfe sind schon verworfen

Millionenbeträge hat der Landtag schon ausgegeben bei der Suche nach einem Umbaukonzept für den Plenarsaal – und europaweit Architekturbüros mit Teilnahmen an Wettbewerben beschäftigt. Wie hoch die Summe nach zwölf Jahren Planung genau ist, konnte am Dienstag im Landtag niemand sagen. Allein der jüngste Wettbewerb hat deutlich mehr als eine Million Euro gekostet, und nun muss noch mit dem Gewinner, Prof. Eun Young Yi, über eine Abfindung gesprochen werden. Sie wird fällig, weil der Landtag sein Ausführungsversprechen nicht einlöst. n Architekten können klagen: Spannend wird, ob es Urheberrechtsklagen gibt, wenn der Umbau des Plenarsaals tatsächlich nach dem Konzept des Architekturbüros Schulze erfolgt. Denn auch das Büro Koch Panse, das im Jahr 2002 den Wettbewerb gewonnen hatte, hatte eine Öffnung des Plenarbereichs zum Lichthof geplant. Auch sah Kai Koch größere Besucherbereiche in seinem behutsamen Umbaukonzept vor. Er wollte sich am Dienstag nicht äußern, weil ihm noch keine Details vorlagen. n Oesterlen-Erben haben Urheberrecht: Es stellt sich die Frage, ob die neuerlichen Umbaupläne überhaupt mit dem Denkmalschutz zu vereinbaren sind. Auch wenn die Fassade des Landtages unangetastet bleibt: Das gesamte Gebäude steht unter Schutz, auch der Innenraum. Zudem könnten die Erben des Ursprungsarchitekten Dieter Oesterlen Einspruch gegen die Veränderungen einlegen. Auch ihr Anwalt Frank Meier wollte am Dienstag dazu nichts sagen.

Die Reaktionen

Der Gewinner des jüngsten Architektenwettbewerbs, Prof. Eun Young Yi, war am Dienstag auch am Telefon sehr zugeknöpft. „Ich sage nichts zu dem Vorgang“, betonte er mehrfach. Der gebürtige Koreaner betreibt ein Büro in Köln, er hatte unter anderem die kürzlich eröffnete Stuttgarter Bibliothek 21 (inzwischen umbenannt in Stadtbibliothek am Mailänder Platz) gebaut. In Gesprächen mit der HAZ hatte der Architekt stets betont, sein Entwurf für den Landtag sei für einen Betrag von 45 Millionen Euro zu realisieren. Am Ende hielt diese Zusage einer Überprüfung durch Experten nicht stand.

Mehr als 40.000 Unterschriften haben die Gegner des Landtagsabrisses gesammelt, um den Plenarsaal zu erhalten. Nicht nur, weil er als Zeugnis der jungen Nachkriegsdemokratie formal ein Denkmal ist und von der Planerkoryphäe Dieter Oesterlen stammt – sondern auch, weil viele nicht glauben wollten, dass der Neubau preiswerter wäre als eine Sanierung. „Am Ende haben zwar finanzielle Gründe überzeugt, nicht die Baukultur“, bedauert Mitinitiator Sid Auffarth. Trotzdem werde man nun wohl ein Freudenfest feiern. Der Termin ist noch offen.

Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt: Im März dieses Jahres soll ein 36-jähriger Mann durch eine geöffnete Tür in Döhren gekommen sein und die Mieterin in ihrem Haus vergewaltigt haben. Von heute an muss sich der mutmaßliche Täter Matthias R. vor dem Landgericht Hannover wegen sexueller Nötigung verantworten.

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