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Stadt Hannover Acht Monate auf Bewährung für Bombendrohung beim Citylauf
Aus der Region Stadt Hannover Acht Monate auf Bewährung für Bombendrohung beim Citylauf
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00:36 27.04.2018
Karl-Heinz H. (r.) ließ sich erstmals von Verteidiger Matthias Waldraff vertreten - und kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Quelle: Samantha Franson
Lehrte

 Jahrelang trat Karl-Heinz H. in Lehrte als notorischer Querulant in Erscheinung, machte mit diversen Ausfällen gegen die Obrigkeit von sich reden und kassierte etliche Urteile wegen Beleidigung und Nötigung. Der Höhepunkt war der Citylauf im September 2017: Da verschickte der 68-Jährige gleichlautende Schreiben an Bürgermeister, Polizei und die lokale Presse, in der er mit Bombenanschlägen drohte. Der Grund:  Der Rentner konnte sein Haus und seine schwerkranke Frau während der Sportveranstaltung nicht mehr mit dem Auto erreichen.

Am Dienstag nun kam H. am Amtsgericht Lehrte mit einer glimpflichen Strafe davon. Direktor Robert Glaß verurteilte ihn wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat“ zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten. Zu beobachten waren an diesem Tag aber auch ein reumütiger Angeklagter und ein erstaunlicher Wandel vom Saulus zum Paulus.

Verzicht auf Berufung

In den aktuellen Urteilsspruch eingeschlossen sind drei Urteile aus 2017 wegen Beleidigung, Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Gegen diese hatte H. ursprünglich Berufung eingelegt, dann aber konnte ihn sein – neuer – Verteidiger Matthias Waldraff überreden, diese Anträge zurückzuziehen. Drei weitere Verurteilungen wegen ähnlicher Vergehen, die mit Geldstrafen geahndet wurden, liegen schon mehrere Jahre zurück.

Der Lehrter Citylauf im vergangenen September – 2300 Läufer, etliche tausend Zuschauer – ging reibungslos über die Bühne. Allerdings waren zusätzlich 45 Polizisten im Einsatz, die das Geschehen wegen der Bombendrohung überwachten. Der Rentner hatte sich bereits 2016 geärgert, dass die Laufstrecke an seinem Haus entlangführt, und war mit seinem VW Bulli zweimal auf Streckenposten zugefahren, die ihm die Durchfahrt untersagten. Schon damals soll er gedroht haben, die Laufveranstaltung im Folgejahr mittels eines Bombenanschlags zu verhindern. Bei anderer Gelegenheit hatte der Rentner die Heckscheibe eines Autos, das an seinem Haus vorbeifuhr, mit einem Stein zertrümmert.  Zusteller, die amtliche Schreiben übergeben wollten, bekamen regelmäßig Ärger mit H. In den Drohbriefen am 1. September 2017 behauptete er, für die Sperrung der Straßen bedürfe es der Zustimmung der Anlieger. Weil diese fehle, sei mit „mindestens drei Sprengstoffaktionen“ zu rechnen. Doch binnen Stunden hatte ihn die Polizei überführt.

Verteidiger kann helfen

Gestern präsentierte sich der Mann mit dem Vollbart und den heruntergezogenen Mundwinkeln derart schuldbewusst und einsichtig, dass ihm Richter Glaß Anerkennung zollte: „Ich erlebe einen ganz anderen Menschen als in den früheren Verfahren.“ Das hing offenkundig damit zusammen, dass Anwalt Waldraff seinen Mandanten mehrere Tage ins Gebet genommen hatte. Die Folge: Der Verteidiger offenbarte im Zuge einer ausführlichen Erklärung Einblicke in das Leben von Karl-Heinz H., die allen  Verfahrensbeteiligten neu waren. Demnach wurde dem Diplomingenieur 1977 infolge eines schweren Verkehrsunfalls Hirnhaut verpflanzt; danach galt er zu 50 Grad als schwerbehindert. Die Scheidung von seiner ersten Ehefrau war von einem zehnjährigen Rosenkrieg flankiert; die zweite Ehefrau wurde 2009 psychisch krank und ist inzwischen zu 80 Prozent schwerbehindert. 2015 schließlich erfuhr der Frührentner per DNA-Test, dass er nicht der leibliche Vater seines – erwachsenen – Sohns ist.

Waldraff sprach von Frust und Ohnmachtsgefühlen, Verfolgungswahn und erheblicher Verbitterung seines Mandanten: „Er hatte das Gefühl, dass sich alle gegen ihn verschworen haben.“ Dies sei für viele seiner Ausfälle gegen Nachbarn und Behördenvertreter ursächlich gewesen. Dass die Bombendrohung – auch auf dem Hintergrund des Attentats beim Boston-Marathon – alle Verantwortlichen in Lehrte in Angst und Schrecken versetzen könne, sei ihm nicht klar gewesen. Allerdings habe H. zu keinem Zeitpunkt ernsthaft geplant, Bomben zu bauen, befinde sich nunmehr auf dem Weg „aus dem Tunnel heraus“.

Gepfefferte Rechnung kommt noch

Der Angeklagte bat bei allen Beteiligten um Verzeihung: „Ich habe viele Fehler gemacht.“ Auf die Frage des Staatsanwalts, ob er sich in psychotherapeutische Behandlung begeben wolle, sagte H.: „Ich habe bereits Kontakt zu einem Arzt aufgenommen.“ Richter Glaß erklärte, der 68-Jährige habe erhebliche Straftaten begangen, zollte ihm aber Anerkennung für seine Einsichtsfähigkeit: „Solch einen Wandel habe ich selten erlebt.“

Mit dem Urteil von Dienstag sind drei Geldstrafen aus den drei einbezogenen Verfahren mit einem Gesamtbetrag von 5675 Euro vom Tisch. Hinzu kommt aber eine Geldauflage von 1500 Euro, in Raten zu zahlen an die Straffälligenhilfe. Ein zweimonatiges Fahrverbot tritt unverzüglich in Kraft, Anwalt Waldraff übergab dem Gerichts H.s Führerschein gleich im Saal. „Außerdem“, kündigte der Richter dem Rentner an, „werden Sie noch eine gepfefferte Rechnung vom Land für den Polizeieinsatz bekommen.“ Laut einem Beamten im Zeugenstand waren wegen der Bombendrohung zusätzlich 45 Polizisten vor Ort, die 320 Stunden Zusatzarbeit leisteten. Zahlen müssen aber auch alle Teilnehmer des diesjährigen Lehrter Citylaufs: Die Kosten für die Ausfallversicherung, die die Organisatoren aufgrund der Vorkommnisse 2017 abgeschlossen haben, werden auf alle Läufer umgelegt.

Von Michael Zgoll

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