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Stadt Hannover Wie viel Zivilcourage steckt in Ihnen? Die Polizei testet das
Aus der Region Stadt Hannover Wie viel Zivilcourage steckt in Ihnen? Die Polizei testet das
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00:16 10.11.2018
Das Projekt testet, wie groß die Bereitschaft ist, gegen Hass im Netz, Gewalt und Radikalisierung vorzugehen. Quelle: picture alliance / Maurizio Gamb
Hannover

Ein Mann wird nach einem zunächst harmlosen Wortwechsel in einer Fußgängerzone brutal zusammengeschlagen und tödlich verletzt, eine Politikerin für ihre Meinung im Internet mit üblen Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen überzogen. „Die Polizei beobachtet eine Verrohung des Verhaltens im Netz und auf der Straße“, berichtet Professor Stephan Thomsen vom Institut für Wirtschaftspolitik der Leibniz-Universität. Besonders Anonymität und die blitzschnelle Verbreitung von Botschaften in den sogenannten sozialen Medien lassen den Hass explodieren.

Doch lassen sich Facebook, Twitter und Instagram auch zu einer Trendumkehr nutzen? Die Polizei startet dazu bundesweit eine Initiative, mit der sie Menschen zur Zivilcourage ermutigen will. Der Anreiz: Nutzer versetzen sich mittels eines interaktiven Films in eine Gefahrensituation, sammeln wie im Videospiel Punkte für das Lösen von Aufgaben und beeinflussen die Handlung. Bei der ersten Story auf der Website zivile-helden.de gerät ein junges Paar in einem Parkhaus in handgreiflichen Konflikt mit einer Gruppe Jugendlicher. Der zunächst unbeteiligte Zuschauer steht vor der Entscheidung, ob er eingreift, Hilfe holt oder auch selbst später als Zeuge aussagt.

„Die Spieler trainieren, wie sie helfen können, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen“, erläutert Professor Thomsen. Dass solche Aktionen funktionieren können, weiß die Polizei spätestens seit 2015. Damals forderte die Polizei Hagen Facebook-Nutzer auf, keine Fotos ihrer Kinder mehr ins Netz zu stellen und lösten eine Welle aus. Zehntausende diskutierten das Problem und kommentierten die Aktion positiv. „Keine Plakataktion hätte solch eine Bewusstseinsänderung erreichen können“, betont Thomsen.

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Alle zwei Monate kommt ein neuer Film

Die Partner im Projekt Präventive digitale Sicherheitskommunikation (Prädisiko) hoffen nun auf einen ähnlichen Effekt, zumal zahlreiche Polizeidienststellen über ihre Social-Media-Kanäle auf die Filme hinweisen werden. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes arbeitet bei der Entwicklung einer Strategie gegen Hass und Gewalt eng mit Forschungseinrichtungen zusammen. Die Federführung des Projekts hat die Hochschule der Medien Stuttgart, die die interaktiven Filme zu den drei Themen Gewalt, Hass im Netz und Radikalisierung entwickelt. Die Filme erscheinen jeweils im Abstand von zwei Monaten. Thomsen überprüft mit seinem Team in Hannover die Wirkung der Aktion und bewertet die Wirtschaftlichkeit.

Dazu befragen die Wissenschaftler anonym per Internet Teilnehmergruppen, die den ersten Film unterschiedlich intensiv genutzt haben. Manche sehen sich das Video nur an, andere nutzen die Möglichkeiten zur Interaktion, weitere nehmen am Ende außerdem an einem Quiz teil. Zum Vergleich haben die Forscher im Vorfeld mehreren Hundert Menschen, die das Projekt nicht kennen, Fragen zu ihrem Verhalten in einer vergleichbaren Situation gestellt.

„Wenn Leute den Film teilen, können wir davon ausgehen, dass sie eine positive Einstellung dazu haben“, erklärt der wissenschaftlicher Mitarbeiter Axel Ebers. Doch reicht eine im Netz geäußerte Meinung als Beleg dafür, dass Menschen sich nächstes Mal auf der Straße anders verhalten? Beim Thema Zivilcourage in einer Gewaltsituation sei das beabsichtigte Verhalten bereits ein starker Beleg, betont Ebers. Die Forscher überprüfen außerdem mit einem ausführlichen Fragenkatalog Motivation und Glaubwürdigkeit der Teilnehmer. Und dann gibt es ja auch noch die Kontrollgruppe.

Von Bärbel Hilbig

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