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Stadt Hannover Mieter fühlen sich „brutal aus der Wohnung geekelt“
Aus der Region Stadt Hannover Mieter fühlen sich „brutal aus der Wohnung geekelt“
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00:16 17.12.2016
Von Conrad von Meding
Hinter den Gründerzeitfassaden in der Lenaustraße haben die Mieter Angst vor Vertreibung. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Als die Arbeiter im Dachgeschoss die alten Wohnungen zu Kleinholz machten, tropfte es beim Mieter darunter zunächst drei Tage lang durch die Decke: Heizungen und ein Boiler waren unsachgemäß entfernt worden. Dann brach die Decke. „Es gab einen lauten Knall, Betonteile fielen durch die Holzverkleidung“, sagt der Mieter: „Ich hatte Glück, dass ich nicht darunter stand.“ Das war wenige Tage, nachdem er angekündigt hatte, eine Kündigung nicht zu akzeptieren. Absicht? Der Vertreter des Vermieters dementiert das vehement. „Die Steinbrocken lagen doch schon da, bevor wir angefangen haben“, sagt er. Und dass es etwas lauter und dreckig sei beim Umbauen - nun ja, das sei doch normal. Den betroffenen Mietern wurde eine Kiste Bier angeboten.

Es ist mittlerweile das dritte benachbarte Haus in der Lenaustraße nahe dem Goethekreisel, das umgewandelt wird. Hinter den Gründerzeitfassaden befanden sich jahrzehntelang Wohnungen. Künftig sollen Appartements für kurzfristige Mieter zur Verfügung stehen: reisende Handwerker, Messegäste. Manch einer spricht auch von stundenweisen Vermietungen für anderes Gewerbe, doch dafür gibt es keine Anzeichen.

Die Appartementvermietung ist für Immobilieneigentümer lukrativer als der normale Wohnungsmarkt. In Berlin soll jetzt wieder eine Zweckentfremdungsverordnung davor schützen, dass dringend benötigter Wohnraum dem Wohnungsmarkt entzogen wird. Zu Tausenden werden dort Wohnungen über Mietbörsen oder Internetplattformen wie AirBnB angeboten, häufig an der Steuer vorbei, auf jeden Fall zulasten des Mietwohnungsmarkts. In Niedersachsen wurde die Zweckentfremdungsverordnung 2004 abgeschafft: Die Landesregierung sah keinen Bedarf mehr.

Mieter lebt seit 14 Jahren in der Wohnung

Der Lindener Grünen-Politiker Daniel Gardemin hat eine Aufstellung erarbeitet, wo laut Internet in den zentralen westlichen Stadtteilen hotelähnliche Appartementhäuser entstanden sind. 15 hat er auf Anhieb gefunden, mit deutlicher Häufung in Linden-Süd - von Behnsenstraße bis Wittekindstraße. „Es droht eine Verdrängung in diesen Stadtteilen“, sagt er: „Der Prozess muss aufgehalten werden, denn die Mieter finden ja keinen vergleichbaren Wohnraum zu adäquaten Mieten mehr.“

Seit 14 Jahren lebt der vom Deckensturz betroffene Mieter in der Lenaustraße 11, sein Nachbar seit zehn Jahren. Am 10. August hat der alte Hauseigentümer ihnen mitgeteilt, dass er das Gebäude verkauft hat. „Ihr Mietverhältnis wird selbstverständlich zu unveränderten Bedingungen zwischen Ihnen und dem neuen Eigentümer fortgesetzt“, heißt es da, und es gibt einen „Dank für die gute Zusammenarbeit“ und den Wunsch auf „weiterhin viel Erfolg“. Der neue Eigentümer meldete sich zum nächsten Monatswechsel. „Ordentliche Kündigung“ steht darüber, und im Text heißt es: „Das Mietverhältnis hindert die von uns geplante anderweitige wirtschaftliche Verwertung des Grundstücks.“

Rücksichtslosigkeit nimmt zu

Acht Parteien leben in der Lenaustraße 11 noch, darunter mehr als ein Dutzend Kinder. „Wie sollen wir neue Wohnungen finden“, fragt ein 48-jähriger Mieter. Er ist gelernter Zimmermann, seit einem Arbeitsunfall lebt er von Hartz IV. „Wir werden brutal aus der Wohnung geekelt, aber jemand wie ich hat doch keine Chance auf dem Wohnungsmarkt“, sagt er.

Seit es Widerstand gegen die Kündigungen im Haus gibt, nehme die Rücksichtslosigkeit der Handwerker zu. Nachts um 23 Uhr sei eine Steinwand im Dachgeschoss umgeworfen worden, sagt ein Mieter. Ein anderer berichtet, das der Strom plötzlich abgestellt wurde, dann sei der Gaszähler demontiert gewesen.

Max Müller von der Baufirma Rai-Immobilien, der den Eigentümer vertritt, stellt das alles anders dar. Das Haus sei in einem erbärmlichen Zustand, „wir mussten mit der Sanierung beginnen, das ist ja gesundheitsschädigend da.“ Alles sei ordnungsgemäß beim Bauamt angemeldet, „ohne Genehmigung darf man doch gar nichts machen in Deutschland“, sagt er. Und die Mieter? „Die finden problemlos eine neue Wohnung, gucken Sie doch mal in die Inserate - es gibt genug freie Wohnungen“, sagt er.

Randolph Fries vom Mieterbund staunt über das Vorgehen des Eigentümers. „Eine Kündigung aufgrund wirtschaftlicher Verwertbarkeit ist zwar möglich, aber sehr schwer zu begründen“, sagt Fries. Ihm seien diese Fälle von Wohnraumumwandlung in jüngerer Zeit nicht gehäuft zu Ohren gekommen. „Sollte das zunehmen, dann müssten wir mit der Landesregierung darüber sprechen, ob Niedersachsen wieder eine Zweckentfremdungsverordnung braucht.“ Mit der könnten dann Kommunen in einzelnen Bereichen der Stadt Umwandlungen von Wohnraum erschweren.

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