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Stadt Hannover Lesung über Agatha Christie im Theater am Aegi
Aus der Region Stadt Hannover Lesung über Agatha Christie im Theater am Aegi
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20:15 13.09.2016
Von Martina Sulner
„Meine Emotionalität sitzt sehr locker“: Schauspielerin Hannelore Hoger.  Quelle: Georg Wendt/Archiv
Hannover

Nein, sie wisse auch nicht, was in diesen elf Tagen passiert sei, sagt Hannelore Hoger. Elf Tage, die nicht unbedingt die Welt veränderten, aber immerhin das Leben von Agatha Christie. So lange war die junge Britin abgetaucht, nachdem sie ihren Ehemann mit einer anderen erwischt hatte. Hatte die Autorin, die damals gerade ihre ersten Bestseller geschrieben hatte, 1926 tatsächlich einen Gedächtnisverlust erlitten? Oder hatte sie ihr Verschwinden als PR-Coup inszeniert, um sich an ihrem Mann zu rächen - und den Verkauf ihrer Bücher anzukurbeln? Letzteres ist ihr zumindest gelungen.

„Ich finde das gut, was sie gemacht hat“, sagt die Hamburger Schauspielerin. Und sie sagt das so bestimmt in dem berühmten schnoddrig-resoluten Hannelore-Hoger-Tonfall, dass man kaum zu widersprechen wagt. Höchstens nachzufragen, was sie daran denn bewundernswert findet. Bewundernswert - das Wort ist der Schauspielerin allerdings viel zu hoch gegriffen. Ihr gefalle einfach, „dass die damals junge Frau sich nicht von ihren Gefühlen hat überwältigen lassen. Sicher, das Scheitern ihrer Ehe hat sie verletzt, aber sie hat sich nicht emotional überrollen lassen, sondern hat sehr scharf nachgedacht.“ Immerhin hatte Agatha Christie vor ihrem Abtauchen ihren Agenten informiert - und der die Presse.

Die Hamburgerin, die ihre Schauspielkarriere Anfang der Sechzigerjahre am Theater begonnen und mit zahlreichen renommierten Bühnenregisseuren gearbeitet hat, findet Lesungen reizvoll. „Man kann dem Publikum die Sprache eines Buches nahebringen, man kann eine Interpretation bieten.“ Ganz ohne Ablenkung durch Spiel, Maske oder Requisiten. Und mit Hörbüchern, die sie selbt hauptsächlich beim Autofahren hört, „kann man den Menschen das Lesen ersparen“, sagt sie und lacht.

In den vergangenen Jahren hat sie zahlreiche Hörbücher eingelesen, ist überhaupt sehr beschäftigt und vor allem im Fernsehen präsent. Demnächst wolle sie jedoch kürzertreten, kündigt die 1942 geboren Schauspielerin an. Was sie dann vorhabe, „behalte ich für mich“. Den Abschied von „Bella Block“, ihrer wohl bekanntesten Fernsehrolle, hat sie schon vor einer Weile angekündigt. Zwei Folgen werde es noch geben, dann aber sei endgültig Schluss. Tut ihr der Abschied von der Figur nicht leid? Nö, meint Hoger und klingt ausgesprochen unsentimental, „irgendwann muss man sich auch mal trennen und sagen: Es ist genug.“

Ähnlich wie es Agatha Christie gemacht hat, die nach ihrem Verschwinden ihrem Leben eine neue Richtung gegeben hat - ohne Ehemann Nummer eins. Sich mal zurückzuziehen und zu überdenken, wie es weitergehen soll, das könnten sowieso mehr Menschen öfter mal tun, findet Hannelore Hoger. „Man muss sich die Ruhe nehmen und überlegen: Was will ich, und wo will ich hin?“ Sie selbt macht das auch. „Ich kann mich gut zurückziehen. Ich kann sehr emotional sein, und weil ich das weiß, muss ich mich sogar regelmäßig zurückziehen. Meine Emotionalität sitzt sehr locker. Es gab früher Zeiten, da hatte ich sie nicht in der Gewalt, da hatte ich Wutausbrüche.“ Mittlerweile habe sie dazugelernt, sei reifer geworden: „Ich bin aber nicht allein vor mich hin gereift wie ein Apfel am Baum.“ Vielmehr sei die Arbeit am Theater Lernprozess und Ventil gewesen, ihre starken Gefühle auszuleben. Mittlerweile macht sie kaum noch Theater: „Ich kann nicht mehr ‚Penthesilea‘ auswendig lernen - da müsste ich ja ein halbes Jahr Text lernen.

Man müsse sich auch mal erholen, sagt sie, deshalb lese sie gern mal einen guten Krimi, wenn die Konzentration für anspruchsvolle Literatur nicht reiche. Agatha Christie schätze sie zum Beispiel für ihre Figurenbeschreibungen und ihre „flüssige Schreibe“. Wobei es sie durchaus stört, dass das Genre im Fernsehen im Moment nahezu allgegegenwärtig sei. „Ich will nicht jeden Abend Krimi sehen“, sagt Hannelore Hoger wiederum sehr bestimmt, „ich nicht.“

Ein Abend über die „Queen of Crime“

Agatha Christie (1890–1976) ist eine der weltweit erfolgreichsten Autorinnen: Im Theater am Aegi geht es am 17. September, 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr), jedoch nicht um einen der von ihr erdachten Kriminalfälle. Vielmehr steht die Schriftstellerin selbt im Mittelpunkt, vor allem ihr geheimnisumwittertes Verschwinden 1926, nachdem sie von der Untreue ihres Gatten erfahren hatte. In „Ein Abend mit Miss Marple und Hercule Poirot“ nehmen die beiden berühmtesten Christie-Figuren sich ihrer „Erfinderin“ an. Die Autorin Traudl Bünger hat den Text geschrieben, der 2008 beim Festival lit.cologne das erste Mal gelesen wurde – mit der ein Jahr später verstorbenen Monica Bleibtreu als Miss Marple. Schon damals hat, wie jetzt auch in Hannover, Jürgen Tarrach den belgischen Meisterdetektiv gespielt. Tarrach ist bekannt aus zahlreichen Film- und Fernsehauftritten. Für die Rolle des Walter Sedlmayr in „Wambo“ wurde er mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Die Karten für „Ein Abend mit Miss Marple und Hercule Poirot“ kosten zwischen 33 und 41,05 Euro und sind im HAZ-Ticketshop erhältlich.     

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