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Stadt Hannover Jamiel-Kiez :Jetzt wird der Kampf um die Straße politisch
Aus der Region Stadt Hannover Jamiel-Kiez :Jetzt wird der Kampf um die Straße politisch
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12:00 08.02.2019
Spiel und Spaß statt Verkehr: So stellt sich die Nachbarschaftsinitiative Jamiel-Kiez ihr Vierter nach der Verkehrsberuhigung vor. Quelle: Visualisierung: Pierre Martin und Hojun Noh
Linden

Saubere Luft, ausreichend Parkplätze und möglichst kein Verkehr vor der eigenen Haustür – mit den Zielen der Lindener Nachbarschaftsinitiative Jamiel-Kiez kann sich abstrakt und allgemein sicher eine große Mehrheit der Hannoveraner einverstanden erklären. Nur ist all das eben längst nicht überall möglich, beziehungsweise es kann schlicht auf Kosten anderer gehen. Die konkrete Forderung der Gruppe, vier Straßen westlich des Schwarzen Bären als verkehrsberuhigte Anwohnerzonen auszuweisen, ist daher auch ungleich konfliktträchtiger: Die nach den jeweils ersten beiden Buchstaben dreier Straßen benannte Initiative fordert, dass die Zufahrt in die Jacobs-, Minister-Stüve-, Eleonoren- und Heesestraße nur noch Anwohnern erlaubt sein soll.

Ein Jahr nach ihrer Gründung sucht die Anwohnerinitiative jetzt den Kontakt zur Politik. Der Bezirksrat Linden-Limmer hat einstimmig den Vorschlag der Grünen unterstützt, Befürworter, Skeptiker und Gegner der Initiative zu einer Anhörung in der kommenden Sitzung des Gremiums am 27. Februar einzuladen. Ratsherr Bruno Adam Wolf, stellvertretender Vorsitzender der Gruppe die Linke und Piraten, stärkt dem Jamiel-Kiez mit einem Prüfantrag im Bezirksrat Linden zusätzlich den Rücken. Der Antrag, der ebenfalls in der Februar-Sitzung auf der Tagesordnung steht, fordert eine Untersuchtung, inwieweit die gewünschte Anwohnerparkzone dazu dienen kann, die Schadstoff- und Lärmbelastung in dem Gebiet zu reduzieren. Beobachtet werden soll auch, ob das Weniger an Verkehr zu einem Mehr an nachbarschaftlichem Miteinander führt.

Denn die Vision der Jamiel-Aktiven geht über die nicht weiter ungewöhnliche Forderung nach einer Verkehrsberuhigung deutlich hinaus: Grüne Fassaden, Sitzecken, Nistplätze für Vögel und spielende Kinder auf den Straßen malen sich die Initiatoren aus. Hinter all diesen Verschönerungsideen vermuten Kritiker der Gruppe allerdings eine Strategie. In der Facebook-Gruppe Elminja-Kiez haben sich somit mittlerweile Gegner der Jamiel-Ideen versammelt.

Auch Elminja-Vertreter sollen zur gemeinsamen Anhörung in den Bezirksrat eingeladen werden, ebenso die Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord (NIL). „Hier ist total tote Hose, die drei Straßen gehören zu den langweiligsten, ereignislosesten Straßen Lindens“, kritisiert der Sprecher der Jamiel-Gegner, Malte Mackenrodt, die Initiative seiner Nachbarn. Deren Auftreten als Repräsentaten eines selbst ernannten Kiezs halten die Kritiker daher für problematisch.

Umgeben von größeren Straßen: Die Nachbarschaftsinitiative betrachtet ihren Jamiel-Kiez als erkennbare Einheit Quelle: Jamiel-Kiez
Spiel und Spaß statt Verkehr: So stellt sich die Nachbarschaftsinitiative Jamiel-Kiez ihr Viertel nach der Verkehrsberuhigung vor. Quelle: Visualisierung: Pierre Martin und Hojun Noh

Oliver Thiele, Gründer und Sprecher der Jamiel-Initiative, betrachtet das Engagement gegen den Verkehr als eine sogenannte Graswurzelbewegung. „Das Bedürfnis der Menschen sind nicht nur Parkplätze. Wir müssen uns fragen, was wollen wir von unseren Straßen?“, sagt der Architekt. Er hat ausgerechnet, dass die Ausweisung als Anwohnerzone sogar zusätzlichen Parkraum für anliegende Geschäfte oder Arztbesucher bedeuten könnte. Wenn Nachbarn der umliegenden Straßen oder Besucher des Capitols hier nicht einmal mehr einfahren dürften, bleiben mehr als genug Stellplätze für alle Anwohner, so seine Rechnung. „Das Ding geht auf“, meint Thiele. Dass seine Idee nicht überall auf Gegenliebe stößt, ist ihm bewusst. Den Jamiel-Kiez betrachtet er auch als Vision für eine Stadt, die im Zuge der Verkehrswende radikal ihr Gesicht verändern sollte. „Wenn wir in zwei Jahren schaffen, dass es hier zu einem Modellversuch kommt, sind wir zufrieden“, sagt er.

Zwischen sechs und 60 Nachbarn kommen nach seinen Angaben zu den Treffen, die Thile regelmäßig in der Galerie Bohai, Schwarzer Bär 6, veranstaltet. Die nächste Zusammenkunft soll am Abend vor der Bezirksratssitzung sein – am Dienstag, 26. Februar, um 19 Uhr.

Gar nicht konspirativ: Die Nachbarschaftsinitiative trifft sich regelmäßig in der Galerie Bohai. Quelle: Ulrich Pucknat

Von Mario Moers

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