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Stadt Hannover Stadt will Deisterkreisel sicherer machen
Aus der Region Stadt Hannover Stadt will Deisterkreisel sicherer machen
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00:15 10.11.2018
Die Grünphasen an den Übergängen am Deisterkreisel sollen länger werden. Rechts erinnert ein vom ADFC aufgestelltes weißes Fahrrad an den Unfall. Quelle: Juliane Kaune
Linden-Süd

Gut zwei Monate nach dem tödlichen Unfall am Deisterkreisel plant die Stadt konkrete Veränderungen, um die Sicherheit an dem Verkehrsknotenpunkt zu erhöhen. Die Verwaltung teilte auf Anfrage mit, dass an der Unfallstelle, an der der 64-jährige Radler Wolfgang K. Ende August mit einem Auto zusammengestoßen war, die Ampelschaltung verändert werde. Damit reagiert sie zum einen auf die Empfehlungen der Unfallkommission unter Federführung der Polizei, die nach schweren Unfällen eingesetzt wird, um die Gefahrenlage zu bewerten. Zum anderen entspricht die Verwaltung auch den Forderungen der Tochter des Verunglückten, die sich in einem offenen Brief an Baudezernent Uwe Bodemann gewandt hatte.

Der Unfall hatte sich an der Stelle ereignet, wo die auf den Deisterkreisel mündende Göttinger Straße von Radfahrern und Fußgängern zweimal passiert werden muss. Zunächst gibt es einen Überweg mit einer automatisch geschalteten Ampel, und dann folgt – nach einer kurzen Strecke über eine kleine Verkehrsinsel – noch einmal ein Überweg mit einer Ampel, die bei Bedarf geschaltet wird. Der 64-Jährige war mit seinem Rad in Richtung Ricklingen unterwegs und verunglückte an der zweiten Querung.

Seine Tochter Janina Schan sieht die Verkehrssituation dort als besondere Gefahr: „Für mich steht fest, dass die Bedarfsampel an der Göttinger Straße in Richtung Ricklingen mitverantwortlich ist für den Unfall. Der dreispurige Kreisverkehr ist einseitig auf den Fluss und das Funktionieren des Autoverkehrs ausgerichtet“, schreibt sie in ihrem Brief. Die auf Knopfdruck zu bedienende Ampel, die in Höhe der Hanomagstraße steht, sei für Radfahrer und Fußgänger ein stetiger Unsicherheitsfaktor. Zudem sei die Grünphase extrem kurz – und die Geschwindigkeit der Autos hoch. Immer wieder bestehe so das Risiko, dass Radler losführen, obwohl das grüne Lichtsignal noch nicht oder nicht mehr leuchte, meint Janina Schan. Ob das im Fall ihres Vaters so war, konnte nicht geklärt werden.

„Kein Unfallschwerpunkt“

Die Politiker des Bezirksrats Linden-Limmer hatten nach dem tödlichen Unfall die Verkehrsführung am Deisterkreisel grundsätzlich als zu unübersichtlich und zu stark auf den Autoverkehr ausgerichtet kritisiert. Doch die Stadt sieht das anders: Die Situation sei nicht unübersichtlicher als an anderen Verkehrsknotenpunkten, heißt es auf Anfrage des Stadt-Anzeigers. Eine Zunahme von Unfällen sei am Deisterkreisel nicht zu verzeichnen – seit 2015 habe es insgesamt sechs Verkehrsunfälle gegeben. Weil Radfahrer und Fußgänger dort nicht gezählt würden, könne man auch keine Auskunft über einen eventuellen Anstieg dieser Verkehrsteilnehmer rund um den Kreisel geben. jk

„Notwendig ist eine durchgängige längere Freigabe für Fußgänger und Radfahrer auf beiden Querungen der Göttinger Straße“, fordert die Tochter in ihrem Brief. Die Experten der Unfallkommission kommen zu einem ähnlichen Urteil. Künftig soll es an dem Radfahrer- und Fußgängerüberweg, an dem sich der Unfall ereignete, eine längere Grünphase für Radler und Passanten geben, wie Stadtsprecherin Michaela Steigerwald auf Anfrage mitteilt. Zudem wird es dort keine Bedarfsampel mehr geben. Nach Aussage der Stadt ist somit ein zügigeres, sichereres Queren der beiden ampelgeregelten Übergänge möglich – in vielen Fällen auch ohne einen Zwischenstopp auf der kleinen Verkehrsinsel. Unabhängig von dem Unfall sollten die Markierungen am Deisterkreisel erneuert werden.

Die Stadt hat Janina Schan in einem Antwortschreiben ihr Beileid bekundet und die vorgesehenen Änderungen erläutert. Gegenüber dem Stadt-Anzeiger begrüßte die Tochter ausdrücklich, dass die Stadt nun tätig wird. Es sei traurig, dass erst etwas passieren müsse, aber wichtig sei vor allem, dass sich derartige Unfälle nicht wiederholen: „Die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer geht vor.“

Kommentar: Keine gute Nachricht

Es ist keine wirklich gute Nachricht, dass die Stadt eine Gefahrenstelle am Deisterkreisel entschärfen will. Denn die Verwaltung würde in dieser Form wohl nicht tätig, wenn nicht an eben dieser Stelle ein Mensch zu Tode gekommen wäre. Dass Polizei und Verkehrsplaner sich entschieden haben, die Ampelschaltung genau dort zu verändern, wo sich der tödliche Unfall zugetragen hat, zeigt: Hier bestand Handlungsbedarf. Es ist tragisch, dass das erst erkannt wird, wenn zuvor jemand sein Leben verloren hat. Ob der Unfall hätte verhindert werden können, wenn es die bisherige Schaltung mit einer Bedarfsampel und relativ kurzen Grünphasen nicht gegeben hätte, lässt sich nicht verlässlich beantworten. Gleichwohl wird die nun von der zuständigen Unfallkommission befürwortete Lösung mit einer automatischen Ampelschaltung und längeren Grünphasen Radfahrern und Fußgängern künftig mehr Sicherheit an einer besonders unübersichtlichen Stelle des Deisterkreisels geben. Dem Wunsch von Bezirksrats-politikern, die Stadt möge die zentrale Drehscheibe des Verkehrs grundsätzlich in den Blick nehmen, wird damit allerdings nicht entsprochen. Mandatsträger von Grünen, Linken und SPD hatten kritisiert, der Kreisel sei zu stark auf den Autoverkehr ausgerichtet – und gefordert, ihn neu auf seine Eignung für den Rad- und Fußverkehr zu prüfen. Die Stadt teilt indes mit, der Deisterkreisel sei nicht unübersichtlicher als vergleichbare Knotenpunkte. Die Verantwortlichen sollten noch einmal genauer hinschauen.

Von Juliane Kaune

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