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Stadt Hannover Raupe Nimmersatt trifft Kurt Schwitters
Aus der Region Stadt Hannover Raupe Nimmersatt trifft Kurt Schwitters
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00:15 11.11.2014
Von Andreas Schinkel
Lesestoff für jeden Gemschmack: "Buchlust" im Künstlerhaus. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Wenn man es profan betrachtet, besteht die Ausstellung Buchlust bloß aus einer Ansammlung von Büchertischen. Wie die Grabbeltische im Kaufhaus, nur mit bedrucktem Papier. Doch wer einen genaueren Blick auf die Titel wirft und mit den überaus freundlichen Verlagsmitarbeitern ins Gespräch kommt, dem eröffnen sich viele kleine Literaturwelten - von künstlerischen, manchmal schrillen Comicromanen (Graphic Novels) über berührende Gedichte bis zu bunten Kinderbüchern. „Diese Vielfalt ist das, was die Buchlust ausmacht“, sagt Veranstalterin Kathrin Dittmer.

Bereits zum 21. Mal hat die Buchlust am Wochenende Hunderte von Leseratten angezogen. 24 unabhängige Verlage, Häuser also, die nicht einem Konzern angehören, haben in den Räumen des Künstlerhauses in der Sophienstraße ihr Programm präsentiert. Viele der kleinen Verlage haben sich spezialisiert und bieten Ungewöhnliches.

Etwa der Verlag Voland & Quist aus Dresden, der Werke von osteuropäischen Autoren herausgibt, die im deutschen Sprachraum noch nicht erschienen sind. Oder der Berliner Avant-Verlag, der sich auf Graphic Novels kapriziert. „Hier ist jedes Bild ein Kunstwerk, das man sich auch an die Wand hängen könnte“, sagt Verlagsmitarbeiter Axel Halling und streicht über die Seiten eines Buches, das die Erzählungen von H.-P. Lovecraft in einen Comicroman gießt. Stolz ist Halling auf die Schwitters Biographie von Lars Fiske. Der hat in seinem Buch „Herr Merz“ das Leben des Dada-Künstlers nachgezeichnet, im strengen Sinne des Wortes. Form und Inhalt verweisen aufeinander, der Zeichenstil der Biographie ähnelt der kantigen Merz-Kunst Schwitters. Die Buchlust-Besucher wissen solche Perlen zu schätzen. „Wenn ich zur Buchlust gehe, finde ich immer etwas Ungewöhnliches“, sagt eine ältere Dame.

Manchmal gibt es auch Bekanntes im neuen Gewand. „Seit 45 Jahren ist die Raupe Nimmersatt unser stärkster Titel“, sagt Andreas Deyerling vom Hildesheimer Verlag Gerstenberg. Die Geschichte von der grünen Raupe, die sich durch etliche Lebensmittel frisst, um sich zu verpuppen und am Ende als Schmetterling die Panoramaseiten des Kinderbuches zu füllen, fasziniert Jung und Alt. „Erwachsene klatschen begeistert in die Hände, wenn sie unseren Stand mit der Raupe sehen“, sagt Deyerling. Den Klassiker von Zeichner Eric Carle gibt es jetzt auch als Stoffbuch, als Exemplar mit eingebauter Fingerpuppe und als wasserfeste Lektüre für die Badewanne.

Zu den Höhepunkten der Buchlust zählen die Lesungen. „Leider mussten wir eine Veranstaltung absagen. Wegen des Bahnstreiks der Lokführer am Sonnabend konnte Autorin Teresa Präauer nicht zu uns reisen“, erzählt Dittmer.  Rechtzeitig in Hannover angekommen ist dagegen die Schauspielerin Katharina Wackernagel, bekannt aus der Reihe „Tatort“. Sie trägt zum Auftakt des Lese-Marathons Gedichte der jüdischen Lyrikerin Selma Merbaum vor. Die jugendliche und doch sonore Stimme Wackernagels passt perfekt zu den impressionistischen Versen. Selma Merbaum kam 1942 mit gerade 18 Jahren in einem Arbeitslager um. Die Germanistin Marion Tauchwitz hat das kurze Leben der Dichterin gründlich recherchiert. In der Lesestunde mit Wackernagel übernimmt Tauschwitz die Rolle der Biographin. Ihr Buch vereint sämtliche Gedichte Merbaums mit einer fesselnd geschriebenen Lebensgeschichte. Auch so ein ungewöhnliches Fundstück auf der Buchlust.

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