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Stadt Hannover Macht ein Räuber Jagd auf Senioren?
Aus der Region Stadt Hannover Macht ein Räuber Jagd auf Senioren?
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20:55 29.05.2017
Drei Senioren wurden in ihren Wohnungen Opfer von Raubüberfällen. Quelle: Elsner
Hannover

Binnen sechs Monaten sind in Hannovers Norden drei ältere Menschen in ihren Wohnungen brutal angegriffen worden. Zunächst traf es zwei Rentnerinnen in Hainholz, vergangene Woche einen 96-jährigen Mann aus Stöcken.

Eine 91-Jährige kam ums Leben, eine 82-Jährige liegt seit November im Koma. Der Gesundheitszustand des 96-Jährigen wird nach wie vor als kritisch beschrieben. In allen drei Fällen geht die Polizei von Anfang an von Gewaltverbrechen aus. Die Ermittler prüfen auch, ob es Zusammenhänge gibt.

Gibt es Verbindungen?

Einiges spricht dafür, dass die Taten miteinander zu tun haben könnten. Alle Opfer wohnten allein in Mehrfamilienhäusern, die beiden Tatorte in Hainholz liegen zudem gerade einmal 600 Meter auseinander. Womöglich könnten die Senioren Opfer von Raubüberfällen eines einzigen Täters geworden sein. Mindestens die beiden Rentnerinnen wurden niedergeschlagen, beim 96-Jährigen macht die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ bislang keine Angaben. „Wir arbeiten mit Hochdruck an den Fällen“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Alle Opfer wurden noch am Vortag in ihren jeweiligen Stadtteilen gesehen.

Am 30. November entdeckte der 61-jährige Sohn seine schwer verletzte Mutter, die 82-Jährige wohnt im Hochparterre an der Hüttenstraße. Die Rentnerin liegt seither im Krankenhaus und sei nicht ansprechbar, so Oberstaatsanwalt Klinge. Mitte Mai wurde die Polizei dann zum wenige Hundert Meter entfernten Prußweg gerufen. Die 91-jährige Etya V. lag erschlagen in ihrem Schlafzimmer, der Enkel hatte seine Großmutter morgens tot aufgefunden. Die in der Ukraine geborene Rentnerin lebte seit etwa 25 Jahren in Deutschland.

Tat Nummer drei geschah schließlich am vergangenen Dienstag: Der Rettungsdienst entdeckte den lebensgefährlich verletzten Wilhelm W. in dessen Wohnung an der Flemesstraße. Hier vermutet die Polizei ein versuchtes Tötungsdelikt. Der 96-Jährige mit Schnauzbart und Gehstock war regelmäßig mit seinem Damenrad in Stöcken unterwegs. Eine Nachbarin hatte sich daher über seine längere Abwesenheit gewundert.

Sowohl bei Etya V., als auch bei Wilhelm W. veröffentlichte die Polizei wenig später Fotos der Opfer und hofft seither auf Zeugenhinweise. „Das Ergebnis ist allerdings sehr dürftig“, sagt Oberstaatsanwalt Klinge. „Bislang war nichts dabei, das zielführend gewesen wäre.“

Die Ermittler hätten zudem weiterhin keine Spur, wer hinter den Taten stecken könnte und warum, sagt Klinge. Die drei Wohnungen wurden jeweils dahingehend untersucht, ob etwas gestohlen wurde. Auch das brachte die Polizei offenbar nicht entscheidend weiter. Zeugenhinweise in allen drei Fällen werden unter Telefon (05 11) 109 55 55 erbeten.

Karin von Schroeter betrachtet die brutale Angriffsserie auf Senioren in Hannovers Norden mit Sorge. „Vor Älteren wird kein Halt mehr gemacht“, sagt die Leiterin der Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring in Hannover. „Die Hemmschwelle wird niedriger.“ Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei 19 448 Kriminalitätsopfer in der Landeshauptstadt, knapp 5 Prozent davon waren Senioren. Karin von Schroeter: „Das ist nicht nachvollziehbar.“

Sicherheitstipps für Senioren

Enkeltrick, Überfall oder andere Delikte: Viele Täter vertrauen auf die Ahnungslosigkeit und Gutgläubigkeit ihrer Opfer. Nach Angaben der Präventionsstelle der Polizei haben es Kriminelle bei älteren Menschen vor allem auf Geld und andere Wertgegenstände abgesehen.
Eine Grundregel lautet daher: „Niemandem die Tür öffnen oder niemanden hereinlassen, den man nicht kennt“, sagt Karin von Schroeter, Leiterin der Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring in Hannover. Allein die Außenstelle in der niedersächsischen Landeshauptstadt betreut pro Jahr rund 300 Menschen, die Opfer von Kriminalität jeglicher Art geworden sind.
Gleichzeitig warnt die Polizei Hannover vor falschen Beamten oder Handwerkern. Deshalb der Rat: Jeder sollte sich zunächst den Ausweis zeigen lassen, um sich zu vergewissern. Polizisten in Niedersachsen zum Beispiel tragen einen grünen Dienstausweis mit einem Passfoto und einer Nummer bei sich.
Das Projekt „Sicherheitsberater für Senioren“ (SfS) der Polizei Hannover soll zudem allen Menschen ab 50 Jahren helfen. Die ehrenamtlichen, geschulten Sicherheitsberater sollen zu aktuellen Themen, Kriminalitätsformen und anderen Risiken aufklären. Weitere Informationen gibt es bei der Präventionsstelle der Polizei Hannover unter der Rufnummer (05 11) 109 11  13.

Peer Hellerling

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