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Stadt Hannover So sieht es in der neuen Flüchtlingsunterkunft aus
Aus der Region Stadt Hannover So sieht es in der neuen Flüchtlingsunterkunft aus
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00:16 01.07.2016
Die Stehlampe ist noch da, der Blick aufs Rathaus auch – ansonsten hat sich im ehemaligen Maritim Hotel einiges geändert.  Quelle: Treblin
Hannover

Petra Clodius ist zufrieden. Die 61-Jährige hat Dienstagmachmittag die Gelegenheit genutzt und sich die neue Flüchtlingsunterkunft am Friedrichswall angeschaut, im ehemaligen Martim-Hotel. Am Donnerstag sollen die ersten Bewohner in das frühere Vier-Sterne-Haus einziehen, am Dienstag nutzten mehrere Hundert Hannoveraner beim Tag der offenen Tür die Möglichkeit zur Besichtigung. „Mir war es wichtig, die Betten zu sehen“, sagt Clodius. Denn im Vorfeld hatte es viele Gerüchte über durchgelegene Matratzen gegeben. „Alles ist gut gelungen“, sagt die 61-Jährige.

Im früheren Maritim werden in den kommenden zwei Jahren bis zu 550 Flüchtlinge untergebracht, dann läuft der Mietvertrag mit dem Investor des Gebäudes aus und die Flüchtlingsunterkunft soll wieder zum Hotel umgebaut werden.

Die früheren Hotelzimmer sind leergeräumt, der alte Teppich, an vielen Stellen zerschlissen, liegt noch in den Zimmern. Jetzt stehen dort jeweils zwei schlichte Stahlbetten mit einer dünnen Schaumstoffmatratze, zu jedem Bett gehört ein Stahlschrank. Außerdem stehen dort ein schlichter Tisch und zwei Metallstühle, ein einfacher Kühlschrank und ein Mülleimer. Nur das Bad ist so geblieben wie in den besseren Zeiten des Maritim. Und noch etwas: In allen Zimmern steht vorn am Fenster noch die Stehlampe, wie sie die Hannoveraner hier seit vielen Jahren kennen.

4500 Flüchtlinge - Turnhallen werden frei, der Waterlooplatz bald bezogen

Rund 4500 Flüchtlinge sind derzeit in Hannover untergebracht. Der Andrang ist stark zurückgegangen, pro Woche kommen nach Angaben von Stadtsprecher Alexis Demos nur noch wenige Asylsuchende. Mal seien es in einer Woche 15, in der nächsten dann 35, berichtet er. Dennoch benötige die Stadt die neue Unterkunft im früheren Maritim, weil das Land nach wie vor vorgegeben habe, bis Ende Juli 5500 Plätze in Hannover bereitzustellen.

Rund 1000 der Flüchtlinge leben in der Landeshauptstadt aktuell in Notunterkünften wie zum Beispiel dem deutschen Pavillon oder einem ehemaligen Möbelmarkt in Vahrenheide. Die zwölf Notquartiere in Turnhallen sind bis auf zwei allesamt wieder geräumt. Lediglich in der Turnhalle Fröbelstraße und in der Turnhalle Auf der Klappenburg sind noch Flüchtlinge untergebracht. Bis zum Schuljahresbeginn Anfang August will die Stadt alle Sporthallen wieder den Schulen und Vereinen zur Verfügung stellen. Bis dahin muss beispielsweise der provisorische Bodenbelag aus den Hallen entfernt werden.

Auf dem Waterlooplatz soll die Flüchtlingsunterkunft in Containerbauweise im August Bewohner aufnehmen können. Dort waren die Arbeiten im Frühjahr witterungsbedingt ins Stocken geraten. mak

„Alle Zimmer sind gleich groß und sehen gleich aus“, sagt Paulina Andrzejewska von Deutschen Roten Kreuz (DRK), das die Unterkunft im Auftrag der Stadt betreibt. An den Enden der Flure befinden sich Gemeinschaftsküchen mit jeweils vier Elektroherden und zwei Spülbecken. Nur die Suiten werden nicht für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt – diese Räume sind für Zweibettzimmer zu groß, erläutert Heimleiter Marcel Goeke.

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Zwar ist der Flüchtlingsstrom derzeit stark abgeebbt, dennoch braucht die Landeshauptstadt die neue Unterkunft. „Wir wollen die Notunterkünfte und die Turnhallen leer bekommen“, sagt Ralf Lüdtke, der bei der Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingen verantwortlich ist. Derzeit sind dort insgesamt rund 1000 Flüchtlinge untergebracht. Alle Turnhallen sollen zu Beginn des neuen Schuljahres wieder für den Sportunterricht und die Vereine zur Verfügung stehen, bestätigt er.
Vom alten Martim ist noch viel zu erkennen: Im großzügigen Foyer liegt noch der flauschige Teppich aus früheren Zeiten, allerdings haben ihn Handwerker an der ein oder anderen Stelle mit Klebeband geflickt.

Statt der alten Ledermöbel stehen dort jetzt knallrote Stoffsofas und rote und weiße, einfache Tische mit Stühlen. Die Tagungsräume mit den Namen niedersächsischer Städte sehen noch aus wie bisher, diese will das DRK als Schulungsräume für den Sprachunterricht nutzen. Noch unklar ist, was mit dem früheren Restaurantbereich passiert. „Das wollen wir mit den Bewohnern klären“, sagt Heimleiter Goeke. Die Piano-Bar direkt daneben bleibt auf jeden Fall geschlossen.

5,5 Millionen Euro kostet die Stadt die Miete für das Gebäude in zwei Jahren, 5,1 Millionen Euro erhält das DRK bis zum 31. Mai 2018 für den Betrieb der Unterkunft. Die Stadt will am Friedrichswall zunächst nur Männer unterbringen. „Das sind diejenigen, die jetzt in den Turnhallen und in den Notunterkünften leben“, erläutert Lüdtke. Zu einem späteren Zeitpunkt sei es vorstellbar, dort auch Familien einziehen zu lassen.

Eigentlich sollten bereits Anfang April dort die ersten Bewohner einziehen, Probleme bei den Sanierungsarbeiten hatten jedoch zu Verzögerungen geführt. Jetzt kommen morgen 50 bis 150 Bewohner, anschließend soll sich das Gebäude nach und nach füllen. 

„Hier gibt es nicht zu meckern“, sagt Ulrike Rötger nach der Besichtigung der Unterkunft. Kein Luxus – aber alles sehe gut aus.

Von Mathias Klein

Kommentar von Felix Habart

Die Tür geht schnell wieder zu

Es ist mittlerweile Usus, dass die Städte der Region ihre Flüchtlingsunterkünfte für die Öffentlichkeit öffnen, bevor sie bezogen werden. Das hat sich vor allem in den ganz normalen Unterkünften auf dem Dorf bewährt. Nicht zuletzt hat sich dadurch das Gerücht aufgelöst, die Flüchtlinge lebten hier in Saus und Braus.

Noch besser wäre es, die Stadt ließe Interessierte an ausgewählten Terminen und in Absprache mit den Bewohnern auch nach deren Einzug in die Häuser. Das gilt nicht nur für Medien, sondern vor allem für Nachbarn. Als zuletzt Flüchtlinge aus dem Deutschen Pavillon über unhaltbare Zustände in dem Gebäude berichteten, durfte sich die Öffentlichkeit kein Bild davon machen, wie es dort aussah. Das aber schafft nur Unmut bei den Bewohnern und Skepsis bei den Einheimischen. Es wirkt, als habe die Stadt, die bisher bei der Flüchtlingsunterbringung einen guten Job gemacht hat, etwas zu verbergen. Das kann sie nicht wollen.

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