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Stadt Hannover Volles Haus an Weihnachten
Aus der Region Stadt Hannover Volles Haus an Weihnachten
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00:29 24.12.2014
Von Simon Benne
In der Dreifaltigkeitskirche ist vor allem das Krippenspiel gut besucht. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Hannover

Das mit dem Krippenspiel könnte ein Problem werden. Ein Luxusproblem, natürlich, das weiß er: „Im vergangenen Jahr waren wir kurz davor, die Kirche wegen Überfüllung zu schließen“, sagt Heinrich Plochg, Pfarrer an der katholischen St.-Joseph-Kirche in der List. Er klingt halb stolz, halb sorgenvoll dabei. Um in diesem Jahr in der Kirche Platz zu sparen, könnte man draußen eine Garage für die vielen Kinderwagen der Besucher aufbauen, überlegt er: „Man muss ja auch an die Fluchtwege denken.“  Doch nicht nur zum Krippenspiel, sondern auch bei den anderen Gottesdiensten am Heiligabend wird es eng werden in seiner Kirche: „Manche Besucher kommen inzwischen extra früh, um für die ganze Familie freizuhalten“, sagt Plochg.

Das ganze Jahr über kämpfen die Kirchengemeinden mit Austritten und schrumpfenden Mitgliedszahlen – doch in der Weihnachtszeit haben sie plötzlich Konjunktur. „Schon im Advent ist die Kirche sonntags rappelvoll“, sagt Pfarrer Plochg: „Wir mussten zusätzlich zu unseren 300 Plätzen noch 100 Stühle hineinstellen.“ Am Weihnachtsfest sind dann landauf, landab viele Gotteshäuser zu klein, um die Besucherscharen zu fassen.

Heiligabend wird es immer voller“, sagt Pastor Jürgen Kemper von der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in der Friesenstraße: „Wir haben vor einiger Zeit einen vierten Gottesdienst eingerichtet.“ Der Pastor zählt auf: Beim Krippenspiel um 16 Uhr kommen 1000 Besucher, beim Gottesdienst mit dem Gospelchor um 18 Uhr drängen sich 800 Kirchgänger auf den 750 Plätzen, und auch um 23 Uhr wird es noch einmal richtig voll. „Wir haben jetzt um 14.30 Uhr einen Gottesdienst speziell für kleinere Kinder vorgeschaltet“, sagt er: „Auch da kommen schon ein paar Hundert Menschen.“ Vor Heiligabend müssen Theologen auch Terminmanager sein. „Im vergangenen Jahr mussten wir schon sehr nachdrücklich werden, um beim Krippenspiel die erste Reihe für die Darsteller freihalten zu können“, sagt ein Pastor.

Etwa die Hälfte der Deutschen hat in den vergangenen Jahren zu Weihnachten einen Gottesdienst besucht. Nicht alle dieser Kirchgänger sind zum Christfest schlagartig fromm geworden: Es ist wohl auch eine Mischung aus familiärer Tradition und nostalgischem Ritual, die sie in die Kirche zieht. Einmal im Jahr trifft man dort alte Bekannte aus der Konfirmandenzeit, man wärmt sich am vertrauten Klang der Geschichte aus Bethlehem. Im Fall von Weihnachten ist es den Kirchen aber offenbar auch gelungen, die Lust am Event für sich zu nutzen: Viele Gemeinden laden nach den Gottesdiensten inzwischen zum Glühweintrinken ein oder präsentieren Posaunenmusik.

Auch die einzelnen Gottesdienste haben längst ein eigenes Profil – vom Krippenspiel für Kinder bis zur nächtlichen Christmette mit stimmungsvollem Lichtermeer und Hirtenfeuer. „Eigentlich wird Weihnachten am ersten Feiertag begangen“, sagt Pfarrer Plochg. Doch über die Jahrzehnte hätten sich die Gewohnheiten der Menschen verändert; viele wollen lieber Heiligabend in die Kirche gehen: „Darauf haben wir reagiert – eine einzige Christnachtsmesse, wie früher, reicht eben nicht mehr aus.“

Besondere Gottesdienste

Heiligabend: Allein die 61 Gemeinden des evangelischen Stadtkirchenverbands bieten Heiligabend mehr als 350 Gottesdienste an – in manchen Gemeinden sind es vier, in anderen sogar sechs, die an diesem Tag gefeiert werden. Dazu kommen zahlreiche katholische oder freikirchliche Gottesdienste – und viele davon haben ein besonderes Profil.

  • In der Marktkirche feiert um 16.30 Uhr Landesbischof Ralf Meister die Christvesper. Es singt der Mädchenchor Hannover unter der Leitung von Gudrun Schröfel.
  • Eine Jesus-Gospel-Night beginnt in der katholischen St.-Joseph-Kirche, Isernhagener Straße 64, um 23.30 Uhr.
  • Eines der beliebtesten Krippen­spiele der Stadt ist das in der Dreifaltigkeits­kirche, Friesenstraße 28: Es beginnt um 16 Uhr. Von 19.15 Uhr an ist im Gemeindehaus eine „Weihnachtsstube“ für Menschen geöffnet, die den Abend hier mit anderen verbringen wollen.
  • In der Basilika St. Clemens beginnt die Christmette um 23 Uhr. Eine halbe Stunde zuvor stimmen Konni Heth (Flöte), Monika Herrmann (Violon­cello) und Nico Miller (Orgel) musikalisch darauf ein.
  • In der Erlöserkirche in Linden-Süd (An der Erlöserkirche 2) beginnt ein Musikgottesdienst mit Tine Hamburger und Joachim Dierks (Piano und Gesang) um 16 Uhr. Außerdem steht um 22 Uhr ein Gospel-Gottesdienst auf dem Programm.

Schimpften viele Pfarrer früher auf die „Weihnachtschristen“, sehen sie sich heute eher als deren Dienstleister: „Unsere Gesellschaft bietet kaum spirituelle Räume“, sagt Hannovers katholischer Propst Martin Tenge. Gerade zu Weihnachten gebe es aber eine Sehnsucht danach: „Die Kirche bietet den Menschen Spiritualität – und die Menschen wissen, dass das in der Kirche funktioniert und sie danach beschwingt nach Hause gehen“, sagt Tenge.

„Immer mehr Menschen suchen am Heiligabend die wärmende Gemeinschaft und Vertrautheit in unseren Kirchen“, sagt auch Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann: „Es ist schön, dass wir ihnen dieses Gefühl geben können.“

Dass es in den Gottesdiensten immer enger wird, hat allerdings noch einen anderen Grund: Im Gebiet der Landeskirche, das weite Teile Niedersachsens umfasst, besuchten im Jahr 2013 genau 1.032.308 Menschen einen evangelischen Heiligabendgottesdienst. Im Jahr 2010 waren es nur 967.626 gewesen. Doch während es damals noch 4998 Gottesdienste gab, waren es drei Jahre darauf nur noch 4285. Kirchen schließen, Gemeinden fusionieren, und beileibe nicht alle Pastoren sind dafür zu begeistern, am Heiligabend noch einmal mehr auf die Kanzel zu steigen. In den Gottesdiensten, die dann noch bleiben, wird es Weihnachten eben besonders voll.

Der Atmosphäre tut das meist eher gut; ein volles Gotteshaus ist stimmungsvoller als leere Bänke. Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann rechnet damit, dass Heiligabend allein im 18-Uhr-Gottesdienst mehr als 1100 Besucher in ihre  Marktkirche kommen werden. „Viele müssen dann stehen“, sagt sie. Doch die meisten werden im nächsten Jahr wieder da sein. Auch wenn sie das ganze Jahr über nicht kommen – am Heiligabend ist auf sie Verlass. „Sie erhoffen sich etwas, das zu Herzen geht – und wir versuchen, es ihnen zu geben“, sagt Pastorin Kreisel-Liebermann. „Es ist doch gut, wenn wir das schaffen.“

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