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Stadt Hannover Mieter werfen Müll auf Kita Außengelände
Aus der Region Stadt Hannover Mieter werfen Müll auf Kita Außengelände
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00:17 31.03.2017
Von Jutta Rinas
Da hilft auch das Fangnetz über dem Kita-Gelände nicht mehr: Immer wieder regnet Müll auf Kinder und Erzieherinnen nieder. Foto: Wilde Quelle: Frank Wilde
Hannover

Eltern am Canarisweg in Mühlenberg fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen: In der Kita an einem von Hannovers sozialen Brennpunkten herrschen seit Jahren unhaltbare Zustände - doch trotz wiederholter Hinweise passiert nichts.

Nun ist ein neuer Höhepunkt erreicht: Die Stadt hat in der Einrichtung im Canarisweg 21 das Außengelände gesperrt - weil Anwohner derart häufig Müll, Aschenbecher oder Flaschen von Balkonen fallen ließen, dass Gefahr für Kinder und Erzieherinnen bestand. Vor etwa drei Wochen verfehlte ein Glasaschenbecher eine Erzieherin nur knapp.

Die Konsequenz der Sperrung für die Kita-Kinder: Sie können nur noch auf dem nahe gelegenen Spielplatz spielen, der seinerseits vermüllt ist. Wie lange die Sperrung bestehen bleibt, sagt die Stadt nicht. Das Wohnungsbauunternehmen Vonovia, dem das Haus gehört, müsse an den Balkonen gespannte Netze reparieren, um zu verhindern, dass weiter Müll im Außengelände lande. Bemerkenswert: Die Netze sind gespannt, weil das Problem der Vermüllung lange bekannt ist. Laut Vonovia werden im Canarisweg seit Längerem täglich wild abgestellter Sperrmüll und Einkaufswagen entsorgt. Auch im Fall der Netze werde man sofort tätig werden, heißt es.

Für die Kita-Eltern ist der Müll jedoch nicht das größte Problem. Schlimmer sei, sagen Betroffene, dass viele dringend Kita-Plätze suchten - und keine fänden. Die Betreuungsquote bei den Kitas im Stadtbezirk Ricklingen, zu dem Mühlenberg gehört, liegt nach Angaben der Stadt bei knapp 84 Prozent, es ist der am schlechtesten versorgte Bezirk Hannovers. Das ist auch in der Kita am Canarisweg spürbar. Mehr als 70 Anmeldungen gebe es, beklagt Mutter Selvane Gasi, darunter mehr als 20 von Fünfjährigen, die einen Platz bräuchten, damit sie wenigstens ein Jahr in einer Kita auf die Schule vorbereitet würden. Gasi hatte zwei Kinder in der Kita. Ihr drittes hat sie direkt nach der Geburt angemeldet. Einen Platz bekommt sie vermutlich trotzdem nicht.

Die Dezernenttin für Jugend, Bildung und Familie Rita Maria Rzyski im Interview Quelle: Michael Thomas

Interview mit Rita Maria Rzyski (Dezernetin Jugend, Bildung und Familie)

Frau Rzyski, was tut die Stadt als Trägerin, um die Situation der Kita-Kinder im Canarisweg zu verbessern?

Erst einmal: Dass die Kinder ausgerechnet zum Frühlingsanfang ihr Außengelände nicht betreten können, ist schlimm. Wir haben das Personal in der Kita verstärkt und das Budget erhöht, damit mehr Ausflüge gemacht werden können. Den nahe gelegenen Spielplatz bringen wir schnellstmöglich in Schuss, damit er eine echte Alternative ist.

Was heißt das konkret?
Die Spielgeräte werden wir schnellstmöglich instand setzen, sodass sie den Anforderungen der Kita-Kinder genügen, und es wird täglich eine Begehung und Sichtkontrolle geben. Sollte der Spielplatz verunreinigt sein, wird dies natürlich schnell behoben.

Die Probleme mit dem Müll gibt es schon lange. Warum sind sie jetzt eskaliert?
Früher hatten wir in den Wohnungen im Canarisweg Leerstände bis zu 30 Prozent. Jetzt ist die Hochhaussiedlung voll belegt. Das hat auch das Problem mit dem Müll verschärft. Ich glaube, es ist vielen gar nicht bewusst, was sie anrichten. Es ist trotzdem untragbar.

Zum Müll kommt die Kita-Platznot. Warum verzögert sich der seit 2015 beschlossene Kita-Neubau immer wieder?
In einem Paket sollten drei Kindertagesstätten im sogenannten ÖPP-Verfahren errichtet werden. Die Wirtschaftlichkeitsüberprüfun hat ergeben, dass nur die Kita Beckstraße in diesem Verfahren errichtet werden kann und dass jetzt ein neues Paket mit zwei weiteren Kitas geschnürt wird. Wir müssen trotz aller Zwänge eine Lösung finden, die unserem Budget entspricht. Die Verwaltung arbeitet mit Hochdruck. Aber es ist schwierig.

Auch auf absehbare Zeit ist keine Lösung in Sicht ...
Doch. Wir wollen auf dem Gelände der Beckstraße als Zwischenlösung eine Kita mit mobilen Raumeinheiten errichten. Schon am Freitag findet ein weiteres Abstimmungsgespräch innerhalb der Verwaltung statt.

Wann ist mit dem Umzug zu rechnen?
Da müssen wir ehrlich bleiben. Allein das Grundstück mit den nötigen Anschlüssen für den Kita-Betrieb zu versehen, wird Zeit brauchen. Unter einem Dreivierteljahr geht so etwas nicht.  

Die Stadt hat zudem schon vor Jahren Abhilfe versprochen. Seit 2015 gibt es einen Ratsbeschluss, der den Umzug der Kita in einen Neubau in einem Familienzentrum in der Beckstraße vorsieht. Die Inbetriebnahme war für 2019 geplant. Selbst diesen Termin kann die Verwaltung nicht halten. Aus Kostengründen hatte sie sich für einen gemeinsamen Neu- beziehungsweise Umbau von drei Kitas entschieden. Den Bau sollte - ebenfalls aus Spargründen - ein privates Unternehmen im Wege einer vertraglich geregelten Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft (ÖPP) übernehmen. Das Gesamtpaket war offenbar so unattraktiv, dass sich keine Firma auf die Ausschreibung meldete. Eine Abordnung verzweifelter Mütter sprach deshalb schon bei Oberbürgermeister Stefan Schostok vor, der „schnellstmöglich“ Abhilfe versprach. „Schnellstmöglich“ kann wiederum Jahre dauern. Die Verwaltung will den Neubau in der Beckstraße erst starten, wenn sie ein neues Gesamtpaket aus drei Kitas geschnürt und einen privaten Bauunternehmer gefunden hat. Als Zwischenlösung soll eine Containerkita her.

Die Kinder im Canarisweg 21 müssen bis dahin nicht nur mit Müll und einem zeitweilig gesperrten Außengelände leben. Die Einrichtung ist auch innen marode. Erst vor ein paar Tagen sei in der „Kinderküche“ in einem Waschbecken dreckiges Wasser aus dem Ausfluss gequollen und habe so massiven Schaden angerichtet, dass der Fußboden repariert werden müsse, sagt Gasi. Deshalb ist derzeit auch in der Kita ein Spielbereich abgesperrt.

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