Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover CD-Werk EDC versteigert 1463 Teile
Aus der Region Stadt Hannover CD-Werk EDC versteigert 1463 Teile
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:26 22.05.2017
Von Conrad von Meding
Radan Tramosljika will drei bis vier tonnenschwere Spritzguss-Anlagen zur CD-Hüllen-Produktion mit in seine Fabrik in Bosnien nehmen.Fotos (3): Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Welche Maschinen gehen nach Bosnien? Welche nach Afrika? Was findet keinen Interessenten? Im Internet läuft bis Monatsende eine Versteigerung von insgesamt 1463 Maschinen und Zubehörteilen aus dem riesigen CD-Werk an der Grenze von Langenhagen und Hannover. Die traditionsreiche Firma EDC (früher Deutsche Grammophon, Polygram und Universal) ist insolvent, bis Ende Juni muss alles raus sein. Der bisher höchste Preis: Eine Vinylpresse für die Schallplattenproduktion ist mit 60 000 Euro aufgerufen. Aber auch ganze CD-Pressstraßen lassen sich erwerben (2500 bis 9000 Euro), etliche Hubwagen (rund 80 Euro) oder Leitern (ab 5 Euro).

Für Schnäppchenjäger und ernsthafte Kaufinteressenten war gestern der einzige Besichtigungstag im Werk. Fast 150 Besucher beäugten fachkundig das Inventar. Etwa Radan Tramosljika. Der stämmige Bosnier hat in seiner Heimat eine Firma zur CD-Hüllen-Produktion aufgebaut. „Wir fertigen 15 Millionen Spritzgussverpackungen im Jahr“, sagt er, „jetzt will ich hier drei bis vier Anlagen dazukaufen, um die Kapazität stabiler zu machen.“

„Das berührt einen schon“

Auch Christian Warot aus Aachen ist vom Fach. Er war früher bei der Firma Singulus Technologie Vertriebschef für die CD-Pressstraßen, die im EDC-Werk zu Dutzenden herumstehen. Inzwischen ist er selbstständiger Händler und im Auftrag eines afrikanischen Kunden unterwegs, der auf dem Kontinent eine CD-Produktion aufbauen will. „Für 200 000 bis 250 000 Euro mache ich ihm ein Angebot für ein komplettes kleines CD-Werk mit Pressstation, Drucker, Verpackungsmaschinen, Kompressoren und Wasserkühler“, sagt Warot. Bitter: Allein die CD-Presse aus dem Angebot habe ursprünglich rund 300 000 Euro gekostet. „Das Ganze berührt einen schon“, sagt Warot. „Bei großen Jubiläumsfeiern habe ich die Mitarbeiter und ihre Familien getroffen, jetzt wird hier alles verkauft.“ Fast gespenstisch wirken die riesigen Hallen. Bis vor sechs Monaten wurde hier rund um die Uhr gearbeitet. Keiner kann wirklich sagen, wer schuld am Niedergang ist. War es schlechtes Management? Waren es zu hohe Lohnkosten? War es die Krise am Tonträgermarkt? Oder von allem etwas? Sicher ist nur: Das Grundstück ist verkauft, Tonträger werden hier wohl nie mehr produziert. 119 Jahre nachdem in Hannover die erste Schallplattenproduktionsfirma des Kontinents gegründet wurde, endet das Kapitel.

Viele langjährige Mitarbeiter machen an diesem Tag Führungen. Dieter Jakobus (54) und Alwin Klause (57) haben noch keine konkreten Jobaussichten von der Arbeitsagentur. „Der größte Teil der Angebote kommt von Zeitarbeitsfirmen“, sagen sie. Ausschließen wollen sie zwar solch eine Berufsperspektive nicht. Aber im eigenen Werk haben sie miterlebt, wie die Leiharbeiter die Ersten waren, die gehen mussten, als die Krise unaufhaltsam kam. Ihr Kollege Marek Makowski (58) hat einen Job in Aussicht als Werkzeugmacher bei einer Firma in der Wedemark. Er strahlt sichtbar: In einer Gesellschaft, die den Wert ihrer Mitglieder vor allem über den Job definiert, hat er das große Los gezogen. „Ich habe mich riesig gefreut, als vom künftigen Chef die positive Antwort kam“, sagt er ehrlich.

Wer mitbieten will: Die Auktion ist geteilt, eine läuft am nächsten Montag, eine dann am Mittwoch, 31. Mai. Jedes Los hat eine Uhrzeit. Die Besonderheit: Wird direkt vorher geboten, so verschiebt sich die Endzeit um fünf Minuten. „So simulieren wir das Aufrufen von ,Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten‘“, sagt Verkaufsleiter Christoph Partzsch vom Auktionshaus Deckow: „Ein Bieterwettstreit kann dadurch durchaus Stunden dauern.“

Seit Jahren engagieren sie sich gegen das Vergessen; in Schulen berichten sie immer wieder über ihr Schicksal. Jetzt sind die drei hannoverschen Holocaust-Überlebenden Ruth Gröne, Henry Korman und Salomon Finkelstein mit dem Theodor-Lessing-Preis ausgezeichnet worden.

Simon Benne 25.05.2017

Der Kreativbereich der Buhmann-Schule präsentiert sich am Dienstag bei einem Tag der offenen Tür an der Prinzenstraße. Die Street-Art-Gruppe der Fachoberschule Gestaltung zeigt eine Werkschau mit Graffiti und Schwarz-Weiß-Fotos.

Saskia Döhner 22.05.2017

Lina Larissa Strahl, Hexe-Bibi-Darstellerin und Singer-Songwriterin aus der Region Hannover, tritt mit ihrer „Glitzer Deluxe Tour“ im ausverkauften Capitol auf.

Jutta Rinas 22.05.2017