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Stadt Hannover Nackte Frauen provozieren in der Marktkirche
Aus der Region Stadt Hannover Nackte Frauen provozieren in der Marktkirche
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18:48 03.09.2015
Lea Hageroth stellt mit ihren auf nackte Frauenkörper maßgeschneiderte Orthesen Fragen nach Schönheit, Mode, Norm und Funktion.  Quelle: Petrow
Hannover

Die Kestnerschau ist eine Ausstellung im Südschiff der Marktkirche Hannover, die alle zwei bis drei Jahre eigenständig von den Praktikanten und Praktikantinnen der Kestnergesellschaft geplant und durchgeführt wird. Unter dem Titel "Die Dinge, das sind die Anderen" werden in diesem Jahr Werke von elf Künstlerinnen und Künstlern der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig gezeigt. Die Gruppenausstellung beschäftigt sich mit Fragestellungen rund um das Objekt Mensch. Wie sehr macht sich der Mensch selbst zum Objekt? Wie wird er von äußeren Zwängen zum Objekt, zur Form, erklärt?

Die Schau zeigt Erhellendes, Verstörendes und Ergreifendes. Sara Wieckenberg lädt zum Beispiel ein, ihr im Video beim trotzigen Scheitern an einer präparierten Treppe zuzusehen. Alina Erdmann reduziert Konsumversprechen installativ auf Lebensentwürfe. Enric Fort Ballester entdeckt die „Freiheit“ des Geldes in einer überraschenden Fotografie. Und Lea Hageroth stellt mit ihren auf nackte Frauenkörper maßgeschneiderte Orthesen (orthopädische Stützen) Fragen nach Schönheit, Mode, Norm und Funktion. Ihr gelingt es schließlich auch, die Grenzen des Kontextes auszuloten. In einer Laufstegperformance zeigte sie ihre Objekte bei der Vernissage an drei nackten jungen Körpern.

Das Publikum reagierte, wohl ganz im Sinne ihrer Schöpferin, zunächst sprachlos. Doch nicht die Nacktheit ließ im Vorfeld schon die Kirche zögern und dann am Mittwochabend viele Gäste erstarren. Vielmehr war es die Angst vor der Schaulust – noch dazu an einem sonst von beinahe ehrfürchtiger Zurückhaltung dominierten Raum wie der Marktkirche.

Christina Végh, seit wenigen Monaten neue Direktorin der Kestnergesellschaft, kündigte an, sie werde am Modell Kestnerschau festhalten. Das Potential junger Perspektiven spricht dafür. Es ist ein Erfolg für die jungen Kuratoren wie auch für die jungen Künstler, dass die präsentierte Kunst sich in ihrer Lebendigkeit und Eigenständigkeit zu behaupten vermag. Dass sie sich nicht von der Kirche instrumentalisieren lässt. 

Die Ausstellung ist noch bis Ende September zu sehen. Während des Ausstellungszeitraumes findet ein Begleitprogramm statt, unter anderem mit Künstlergesprächen, einer Theateraufführung und einer Film-Matinee.

mic

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