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Stadt Hannover Neue Räume für Osteuropäer
Aus der Region Stadt Hannover Neue Räume für Osteuropäer
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21:26 21.11.2013
Wieder in Betrieb: Die Unterkunft an der Autobahn in Lahe wird erneut genutzt – auch wenn sie zurzeit eher verriegelt aussieht. Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Handwerker montieren die Elektrik, auch viele Einrichtungsgegenstände sind schon angekommen. Es sind keine Luxusunterkünfte: in jedem Zimmer zwei zweigeschossige Stahlrohrbetten, die Matratzen schon bezogen, Tisch, Stühle. Eine schlichte Miniküche auf dem Flur, ein Sanitärraum. Doch für die Menschen, die hier einziehen, wird es mehr sein, als sie aus ihrer Heimat gewohnt sind.

Dort leben sie oft in slumartigen Vorstädten in Wellblechhütten und Häusern ohne Fenster und Heizung. Die Zahl von 1500 erwarteten Zuwanderern aus den EU-Staaten Rumänien und Bulgarien, die seit zwei Tagen im Rathaus kursiert, wurde gestern offiziell weder dementiert noch bestätigt. Dass Hannover sich aber vorbereitet auf den stärker werdenden Zustrom, ist überall sichtbar.

13 Standorte für derartige Containerunterkünfte hat die Stadt nach HAZ-Informationen ausgewählt, unter anderem in der Beneckeallee (Vinnhorst), neben dem Alten Forsthof (Marienwerder) oder in der Alten Peiner Heerstraße (Lahe), wo die Flüchtlingsunterkunft jetzt wieder geöffnet wurde. Auch die aufgegebene Paul-Dohrmann-Sonderschule soll zur Unterkunft für die sogenannten Armutsflüchtlinge umgebaut werden. Weil die Familienverbände, die es nach Deutschland zieht, so groß sind, seien Klassenräume für die Unterbringung besser geeignet als herkömmliche Wohnungen, heißt es im Rathaus. Zu der Standortliste gab es gestern keinen Kommentar. „Wir sind dezernatsübergreifend dabei, ein Arbeitspapier zusammenzustellen“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Wenn das fertig sei, werde informiert. Vorher: kein Wort zu aktuellen Vorhaben, kein Wort zu den Kosten. Auch die Genehmigung für aktuelle Fotos aus den Räumen einer Containerunterkunft wird verweigert.

Einzig Oberbürgermeister Stefan Schostok fand gestern in seiner Haushaltsrede einige Worte zur Zuwanderung aus Südosteuropa. Er bestätigte: „Wir suchen derzeit nach Standorten für Obdachlosenheime.“ Noch könne niemand prognostizieren, wie viele Armutsflüchtlinge nach Hannover kommen werden. „Ich gehe aber von einem verstärkten Zuzug ab 2014 aus, wenn die volle Freizügigkeit erreicht ist“, sagte er. Der Oberbürgermeister sprach sich im Grundsatz für Modulbauten für obdachlose Zuwanderer aus. Denn sollte die Zahl der Armutszuwanderer wieder zurückgehen, könne man die Bauten für „soziale Zwecke“ verwenden. „Wir werden unsere Pläne frühzeitig kommunizieren. Der Unterstützung aus der Stadtgesellschaft bin ich mir sicher“, sagte der OB.

Grünen-Ratsfrau Freya Markowis wies gestern darauf hin, dass „wir es zu einem Großteil mit Familien zu tun haben, die Unterstützung brauchen, damit ihre Kinder zur Schule und in den Kindergarten gehen können“. Alle Hannoveraner müssten einen Beitrag leisten, damit die Kinder „trotz des Obdachs ein kindgerechtes Leben führen und eine Zukunftsperspektive entwickeln können“, sagt ihre Fraktionskollegin Katrin Langensiepen. Bei den Zugereisten handelt es sich zwar um normale EU-Bürger, doch sie gehören der Volksgruppe der Roma und Sinti an und leben in einem völlig anderen Zivilisationszusammenhang als der durchschnittliche Westeuropäer. Viele von ihnen können weder lesen noch schreiben, die hier etablierten Grundregeln des Zusammenlebens hat ihnen niemand beigebracht, und wegen der Sprachbarrieren gibt es auch kaum Chancen, diese zu erlernen.

Für Fachleute gelten die erwachsenen Zuwanderer dieser Gruppe vielfach als „Lost Generation“, an deren Einstellung wenig zu ändern sei. Umso wichtiger sei es, den Kindern einen Weg in die mitteleuropäische Normalität zu ebnen.

Dortmund ächzt unter der Last

In Dortmund hat die erste Welle der Armutsflüchtlinge aus Osteuropa bereits zu spürbaren Problemen geführt. Weil meist einzelne Familienmitglieder kommen, sich niederlassen und dann große Familienverbünde nachholen, kam es in einigen Stadtteilen zu heftigen Konflikten. Ähnlich wie in Hannover in der Goethestraße und der Calenberger Neustadt wurden Mehrfamilienhäuser wegen Vermüllung quasi unbewohnbar. Es gab Nachbarschaftskonflikte, die prekäre Situation der Kinder zwang das Jugendamt zum Eingreifen, eine hohe Zahl Kinder mussten in Obhut genommen werden. Mit den Problemen steigen die Kosten für die Kommunen. Zwar dürfen die EU-Bürger zunächst keine Sozialleistungen in Anspruch nehmen – einziges legales Einkommen der Familien sind oft Kindergeld und Einnahmen aus Gelegenheitsjobs und Prostitution. Doch summieren sich die Kosten für Unterbringung, Gesundheitsvorsorge, Kinderbetreuung und Familienfürsorge schnell auf hohe Millionenbeträge, wie Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner vorrechnet. Sie ist inzwischen die Fachfrau für Armutszuwanderung im Städtetag und verweist aber darauf, dass die Probleme in allen Großstädten wachsen.

Von Conrad von Meding und Andreas Schinkel

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