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Stadt Hannover Brauchen wir noch Feministinnen, Ninia La Grande?
Aus der Region Stadt Hannover Brauchen wir noch Feministinnen, Ninia La Grande?
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16:40 11.03.2018
Hausbesuch bei Ninia La Grande. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover 

Die Frauenrechtsbewegung feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: 100 Jahre ist es her, dass in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. In den Sechziger- und Siebzigerjahren setzten sich Frauenbewegungen auch in Hannover erfolgreich dafür ein, dass die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen verbessert wurde.

Doch die Arbeit für Feministinnen ist noch lange nicht vorbei, sagt die hannoversche Buchautorin Ninia La Grande im HAZ-Interview zum Internationalen Frauentag am 8. März.

Früher gab es für Frauenbewegungen ein klares Ziel: Man kämpfte gegen rechtliche Ungleichstellung. Da ist viel erreicht worden. Braucht man heutzutage noch Feministinnen und Feministen?

Es ist noch nötig, sich für Feminismus einzusetzen. Wir haben viele Felder, wo Frauen und Männer noch nicht gleichberechtigt sind, sei es die Bezahlung, die gleichberechtigte Vertretung in Firmenvorständen und Managementpositionen. Oder, wenn man noch einen Schritt weitergeht, dann natürlich auch in weiteren Feldern, wo es nicht nur um Mann und Frau geht, sondern auch, wo es um Frauen geht, die schwarz sind, homosexuell oder behindert. Da ist es auch noch wichtiger, sich für Feminismus einzusetzen und für Gleichberechtigung zu stehen.

Hilft der Weltfrauentag dabei? Ist das für Sie ein wichtiges Datum?

Ich bin nicht so ein großer Fan davon, sich nur am 8. März für etwas zu engagieren. Das ist da auch wichtig, weil man die mediale Aufmerksamkeit nutzen kann. Aber eigentlich wäre es schön, wenn das ganze Jahr über solche Aktionen stattfinden würden.

 Hat sich denn in den vergangenen zehn Jahren etwas für die Frauen verbessert oder ist eigentlich alles gleich geblieben?

Ja, ich habe das Gefühl, dass sich ständig was verbessert und es dann immer mal wieder einen Rückfall gibt, wenn man zum Beispiel einen sexistischen Werbespot hat und dann sagen ganz viele Leute, ja ihr braucht euch nicht darüber aufzuregen. Wenn man so etwas anprangert, dann ist man immer gleich die humorlose Feministin. Und ich hab sehr viel Humor, aber ich finde halt Sachen, die beleidigend sind nicht witzig. Also ich glaube, dass sich in vielen Punkten schon einiges geändert hat. Wenn ich mir, mit Kind, meine Beziehung anschaue oder auch andere Väter in meinem Freundeskreis, da hat sich schon, im Vergleich zur Generation meiner Eltern, einiges verbessert, was die Gleichberechtigung angeht. Da ist noch nicht alles top und Studien zeigen ja auch, dass der Haushalt dann doch wieder vorrangig von Frauen gemacht wird. Aber wir haben noch einen Weg vor uns auf jeden Fall.

Welche Ziele kann man denn realistisch erreichen?

Das kommt auf die Politik an. Also wenn man so Sachen wie die Frauenquote endlich mal Gesetzlich verankern würde, dann wäre der Weg mit Sicherheit schneller beschritten. Es kommt vieles auf die Poltik an, auch dafür zu Sorgen, dass diese klassischen „Frauenberufe“ wie Krankenschwester oder Altenpfleger noch besser bezahlt werden. Und wenn da Voraussetzungen für geschaffen werden, dann wird sich mit Sicherheit auch da Bild in der Gesellschaft ändern. Aber das dauert seine Zeit. Also meine Oma musste ihren Mann noch fragen, ob sie ein eigenes Bankkonto haben darf, das ist natürlich für uns unvorstellbar. Das war für die damals normal.Also wenn man sich das so anschaut, was so vor 40/50 Jahren verbreitet wurde, da lacht man sich heute drüber kaputt. Und ich hoffe, dass das halt in 30 Jahren genauso ist, dass man sich über Aussagen, die gerade getätigt wurden kaputt lacht und denkt wie konnte es nur so sein. 

Wenn Feministinnen beschimpft werden, dann geschieht das heute oft über soziale Medien wie Facebook oder Twitter. Sind diese Medien auch eine Chance für Feministinnen?

Es ist eine Bewegung, die bestimmte Sachen in die Öffentlichkeit bringen können. Und es ist natürlich immer ein Schlagwort wo ganz viele Leute darauf reagieren – obs jetzt positiv oder negativ ist. Aber es wird immer gleich groß diskutiert. Das ist manchmal ein bisschen schade, weil manchmal der eigentliche Inhalt verloren geht. Also was ich ganz schön finde, dass es nicht mehr nur die eine Feministin gibt. Nicht mehr nur Alice Schwarzer, die bei den Thema für alles gefragt wird und überall präsent ist, sondern es gibt inzwischen ganz viele unterschiedliche Feministinnen. Ob die jetzt 20, 30 oder 40 sind, die bei solchen Themen gefragt und eingeladen werden. Und das zeigt auch, dass in der jüngeren Generation ein starkes Bewusstsein dafür gibt. 

Ist Feminismus nur eine Sache von großen Organisationen oder können Privatleute auch etwas tun?

Man kann alles mögliche machen. Man kann natürlich Organisationen unterstützen, sei es finanziell oder ehrenamtlich. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich in Mädchenzentren zu engagieren oder etwas online zu machen. Das mache ich unter anderem. Und dann kann man natürlich als Privatperson auch immer den Finger in die Wunde legen. Also, wenn jemand einen blöden sexistischen Witz macht oder man erlebt selbst Ungerechtigkeit, dann kann man den Mund aufmachen.

Wie sind Sie selber dazu gekommen, sich als Feministin zu sehen und zu engagieren?

Als ich so 20 war, habe ich gedacht, dass brauch man nicht mehr. Damals habe ich mich nie als Frau benachteiligt gefühlt. Dann habe ich angefangen zu studieren, dann habe ich einen Job gesucht und dann habe ich plötzlich gemerkt. Oh, offener Arbeitsmarkt und ich werde ja gar nicht so bezahlt wie mein Kollege. Oder ich werde in Berwerbungsgesprächen gefragt, wann ich den vorhabe schwanger zu werden. Und dann ist mir das immer mehr aufgefallen. Und dann bin ich tatsächlich übers Netz darauf gekommen. Ich habe dann angefangen Blogs zu lesen. Und dann habe ich gedacht, ja das sehe ich eigentlich genauso. Ich bin halt nur nicht auf die Idee gekommen, mich als Feministin zu bezeichnen. Weil das eine ganze Zeit lang und heute zum Teil immer noch für viele ein No-Go Wort ist. Und das finde ich ein bisschen schade, weil das eigentlich ja was tolles ist. Feminist oder Feministin sein heißt nur, man möchte, dass alle Menschen gleichberechtigt sind.

Kampagnen, Demo und Versammlung zum Weltfrauentag

Das Land Niedersachsen will ein klares Zeichen gegen Sexismus in der Werbung setzen. Für den heutigen Donnerstag lädt das Sozialministerium Vertreter von Kommunen und Gemeinden sowie alle anderen Interessierten ins Sprengel-Museum ein, um die Kampagne „Städte ohne Sexismus“ vorzustellen. Beginn der Veranstaltung ist um 12 Uhr.

Die Stadt Hannover sagt mit einer weiteren Informationskampagne sexueller Belästigung am Arbeitsplatz den Kampf an – Titel: „Wir müssen das ändern“. Oberbürgermeister Stefan Schostok, die Vize-Gleichstellungsbeauftragte Maren Gehrke und Gesamtpersonalratschefin Karin Gödecke stellten gestern eine Wanderausstellung, Plakate und Broschüren zu der Kampagne vor.

Alle Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung treffen sich heute außerdem zu einer Frauenversammlung – weshalb sich die Öffnungszeiten der Behörden und Dienststellen ändern. Von 8 bis 14 Uhr haben heute nur die Bürgerämter Aegi und Linden geöffnet, ab 14 Uhr dann wieder alle acht Bürgerämter. Auch andere Verwaltungsabteilungen (Kfz-Zulassung, Seniorenstützpunkt und Gewerbemeldungen, sind nicht oder nur eingeschränkt erreichbar.

Eine Demonstration durch die Innenstadt veranstaltet ein Bündnis lokaler Fraueninitiativen. Los geht es am Sonnabend, 10. März, um 12 Uhr vor dem Hauptbahnhof. Die Teilnehmerinnen ziehen dann weiter zur Goseriede, wo ab 13 Uhr ein internationales Frauenfest gefeiert wird.

Von Laura Ebeling

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