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Stadt Hannover Brand im Museum: Retter proben Ernstfall
Aus der Region Stadt Hannover Brand im Museum: Retter proben Ernstfall
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00:23 01.09.2018
Feuerwehr, Landesmuseum und der Regionale Notfallverbund Hannover haben am Mittwoch die Rettung von Kulturgütern geübt. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Erst dringen dichte Rauchschwaden aus einem Fenster im ersten Obergeschoss, dann schrillt die Alarmanlage im Landesmuseum los: Ein Feuer ist am Mittwochmorgen im Trakt der Sonderausstellung ausgebrochen, mehrere wertvolle Kunstschätze müssen vor den Flammen gerettet werden. Glücklicherweise ist das dramatische Szenario gegen 10.10 Uhr nur eine Übung. Feuerwehr und Kunstexperten des Regionalen Notfallverbundes von Museen, Bibliotheken und Archiven trainieren, was im Ernstfall zu tun wäre.

„Es ist ein Fall, der hoffentlich nie eintreten wird“, sagt Matthias Görn, betriebswirtschaftlicher Leiter des Landesmuseums. „Deshalb ist es aber umso wichtiger, dass wir dieses Szenario am größten staatlichen Museum Niedersachsens üben.“ Nach ein paar Minuten geleiten die Mitarbeiter die Besucher aus den Ausstellungsräumen nach draußen – sie bekommen Freikarten als Entschädigung. Parallel trifft ein Löschzug der Feuerwache 3 an der Willy-Brandt-Allee ein. Schnell bauen die Retter unter Atemschutz die Wasserversorgung auf und bringen die Drehleiter in Stellung. Der Einsatzleiter berät sich bereits mit der Notfallkoordinatorin des Museums.

Fehler ausdrücklich erwünscht

Unter den Augen von Museumsmitarbeitern aus Braunschweig und Osnabrück beginnt nun die Rettung der Kunstschätze. Alle drei bis fünf Jahre findet solch eine Übung im Raum Hannover statt, die Experten der anderen Städte wollen Erfahrungen für ihre Einrichtungen mitnehmen. „Die größte Herausforderung ist, das gesamte Bergungsprogramm zu aktivieren“, sagt Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange. Brände löschen gehöre für die Retter zwar zum Alltag, auch das Konservieren von Exponaten sei für Kulturexperten nichts Ungewohntes. „Aber jetzt kommt es darauf an, alles gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen“, so Lange. Fehler seien ausdrücklich erwünscht. „Sonst wissen wir schließlich nicht, was verbessert werden muss.“

Gegen 10.30 Uhr bringt die Feuerwehr die ersten Kunstschätze nach draußen – darunter ein Gemälde einen historischen Holzklotz und eine Wolpertinger-Figur. Parallel dazu treffen zehn Ehrenamtliche des Notfallverbundes ein, die nach einer kurzen Besprechung mit dem Aufbau der sogenannte Bergungsstraße beginnen: Auf mehreren Tischen sollen die Kunstwerke begutachtet und sicher verpackt werden. „Ziel ist, die Exponate so aufzubereiten, dass möglichst wenig Schaden entsteht“, sagt Cornelia Regin, gleichzeitig Kulturgutschutzbeautragte und Leiterin des Stadtarchivs. Im Notfallverbund engagieren sich 20 Einrichtungen aus Stadt und Region, 100 Ehrenamtler sind aktiv.

Damit die Feuerwehr überhaupt weiß, mit welchen Kunstschätzen sie es im Ernstfall zu tun hat, verfügt das Museum über einen sogenannten Notfallplan. Die Mappe wird fortlaufend aktualisiert, ist sofort griffbereit und die Ausstellungsstücke sind nach Wichtigkeit sortiert. In der Akte steht, wie die Retter zum Exponat gelangen, wie es gesichert ist und mit welchem Gewicht zu rechnen ist. Der Notfallplan kommt bei Bränden, Wasserschäden und ähnlichen Katastrophen zum Einsatz.

Vorsicht beim Verpacken

Draußen beginnen die Kunstexperten mit der Rettung der Exponate. Mit Material aus speziellen Containern werden die Schätze gesäubert, in Folie verpackt und dokumentiert. Wichtigste Devise: sich Zeit lassen. „Wir dürfen nichts überstürzen“, sagt Regin. „Sonst machen wir noch mehr kaputt als der Brand.“ Laut Museums-Vorstand Görn wurden für die Übung nicht die wertvollsten Exponate wie das rund 30 Millionen Euro teure Gemälde „Der heilige Hieronymus als Büßer“ von Jacopo Pontormo ausgewählt, sondern unbedeutendere Gegenstände. „Aber nichtsdestotrotz haben wir zum Beispiel eine knifflige Vitrine mit ins Training eingebaut, die die Retter entsprechend öffnen müssen.“

Nach einer Stunde ist die Übung beendet, die letzten Exponate werden eingepackt, das Museum öffnet wieder. „Feuerwehr und Ehrenamtler haben einen klasse Job gemacht“, sagt Matthias Görn. Claus Lange lobt die Mühe des Museums, „den Einsatz möglichst realistisch“ gestaltet zu haben. Erste Optimierungsmöglichkeiten haben alle Beteiligten auch schon ausgemacht: „Zuerst war kein klarer Bergungsort für die Kunstobjekte festgelegt worden“, sagt die Kulturgutschutzbeautragte Regin. Sie wurden von der Feuerwehr bloß vor die Eingangstür gestellt. Unter anderem dieser Punkt soll nun bei allen Museen der Stadt genauer ausgearbeitet werden. Lange: „Wir dürfen nichts dem Zufall überlassen.“

Der Regionale Notfallverbund Hannover

Der Regionale Notfallverbund Hannover ist ein Zusammenschluss von 20 Museen, Bibliotheken und Archiven in der Region. Er arbeitet eng mit der Feuerwehr und den Katastrophenschutzbehörden zusammen, um bei Gefahren bedrohtes Kulturgut schnell bergen und sicherstellen zu können. Rund 100 Ehrenamtler mit entsprechender Fachkompetenz sind im Verbund aktiv.

Der Notfallverbund wurde 2009 ins Leben gerufen. Zur Ausrüstung der Helfer gehören Verpackungsmaterial und Transportmöglichkeiten für beschädigte Gegenstände aus Museen, Bibliotheken und Archiven. Dafür verfügt der Verbund seit 2014 über acht Container mit entsprechendem Material, die an der Feuerwache 4 in Bornum stationiert sind. Im Ernstfall sind die Helfer in 30 bis 40 Minuten einsatzbereit.

Von Peer Hellerling

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