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Stadt Hannover Nur noch wenige Annahmestellen für Gartenabfälle?
Aus der Region Stadt Hannover Nur noch wenige Annahmestellen für Gartenabfälle?
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00:16 11.12.2016
Mehrere Touren mit dem Efeu: Rainer Lehnigk am Donnerstag auf dem Wertstoffhof in Pattensen. Quelle: Von Dithfurth
Hannover

Was befürchtet der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha?

Aha befürchtet, dass die 55 Grüngutannahmestellen im Umland geschlossen werden müssen. Diese werden von Landwirten betrieben, bei Bürgern mit eigenem Garten sind die Annahmstellen ausgesprochen beliebt.

Wie kommt es zu der Sorge?

Die große Koalition im Bund bereitet eine neue Düngeverordnung vor. Und in dieser Verordnung wird nach dem bisherigen Stand die grundwassergefährdende Gülle mit dem aus den Grünabfällen gewonnenen Kompost gleichgestellt: Das Verteilen beider Stoffe auf den Äckern wird zu bestimmten Jahreszeiten verboten. Aha sorgt sich, dass die Landwirte dann nicht nur auf das Verteilen der Gülle, sondern auch auf das Verteilen des Kompostes verzichten. Die Bauern würden dann noch mehr industriell hergestellten Mineraldünger verwenden, vermutet Aha. Der Maschinenring Hannover-Land, der die Höfe im Auftrag von Aha betreibt, ist gelassener: Grüngut sei kein Kompost, meint er.

Warum muss es denn überhaupt eine Düngeverordnung geben?

Die EU drängt, dass Deutschland geeignete Maßnahmen unternimmt, um das Verteilen von Gülle auf den Feldern zu minimieren. Dadurch sollen Grund- und Trinkwasser vor Nitrateinträgen geschützt werden.

Welche Auswirkungen hätten die Berliner Pläne auf den Kompost?

Durch die Gleichstellung mit Gülle wäre für die Landwirte die Bodenverbesserung mit Kompost unattraktiv. Das würde die Nachfrage nach Kompost von Aha fast vollständig zum Erliegen bringen - die Schließung der von der Landwirtschaft betriebenen Grüngutannahmestellen wäre die Folge.

Wo könnte man dann seinen Grünschnitt hinbringen?

Die Wertstoffhöfe von Aha würden weiterhin Grüngut annehmen. Allerdings würde es dort beispielsweise am Wochenende deutlich voller, wenn 55 Grüngutsammelplätze wegfielen.

Wie viel Grüngut landet bei Aha?

Pro Jahr erhält der Abwallwirtschaftsbetrieb 180 000 Tonnen Grüngut und Bioabfälle. Rund 60 000 Tonnen davon werden in den Grüngutannahmestellen abgegeben. Der Rest kommt über die Wertstoffhöfe und über den Bioabfall zu Aha.

Was passiert mit dem Grüngut?

Aha verarbeitet 120 000 Tonnen Grüngutabfälle zu 58 000 Tonnen Kompost.

Was passiert mit dem Grün, wenn die Bauern den Kompost nicht mehr haben wollen?

Dann müsste der Baum- und Strauchschnitt verbrannt werden, um ihn loszuwerden. Und das kostet viel Geld.

Was kosten die Gartenabfälle bereits jetzt die Bürger?

Der Aufwand für die Verarbeitung der Bio- und Grünabfälle liegt bei 6,5 Millionen Euro pro Jahr. Dem stehen Einnahmen in Höhe rund 4,4 Millionen Euro aus Biotonnen und Biosäcken gegenüber.

Wie verteilen sich die Kosten im Einzelnen?

Die Grüngutannahmestellen kosten 2,3 Millionen Euro pro Jahr, das Geld kommt - wie alle anderen Ausgaben in diesem Bereich - von den Gebührenzahlern. Der Betrieb der Kompostplätze auf den Deponien kostet jedes Jahr 2,6 Millionen Euro. Und der Betrieb des Bioabfall-Kompostwerks schlägt mit 1,6 Millionen Euro zu Buche.

Was würde es kosten, wenn Aha den Bioabfall und des Grüngut wie Restmüll behandeln müsste, weil kein Kompost mehr hergestellt werden kann?

Der Abfallwirtschaftsbetrieb geht von Mehrkosten von rund 10 Millionen Euro aus. Diese müssten dann die Gebührenzahler tragen.

Warum ist das Thema auch für die Bürger wichtig, die keinen Garten haben?

Abfallgebühren sind ein Solidarsystem. Das heißt, dass Bürger auch für die Leistungen mitzahlen müssen, die sie gar nicht in Anspruch nehmen. Auch wer zum Beispiel Strauchschnitt, Kaffeefilter und Kartoffelschalen selbst kompostiert, muss für die Entsorgung des Biomülls mitbezahlen.

Was sagen die Bürgermeister zu den Berliner Plänen?

Der Sprecher der Umland-Bürgermeister, Rolf-Axel Eberhardt (CDU) aus Wunstorf, ist empört. „Diese Pläne sind vollkommen unrealistisch“, sagt er. Das zeige, wie lebensfremd einige der Berliner Politiker agierten. „So kann man mit Bürgern nicht umgehen.“ Er sei „erschüttert“. Eine Schließung der Grüngutannahmestelle werde man im Umland nicht ohne Widerspruch hinnehmen.

Was sagt die Bundesregierung?

Maria Flachsbarth, CDU-Bundestagsabgeordnete für das südliche Umland und parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, berichtet, dass der Entwurf derzeit überprüft werde. Sicherlich spiele dabei auch das Kompostproblem eine Rolle.

Von Mathias Klein

Gelassenheit in Pattensen

Lange Wartezeiten sind die Kunden vom Wertstoffhof in Pattensen schon gewohnt. Falls die Grüngutannahmestellen geschlossen würden, könnten die Autoschlangen aber noch viel länger werden. „Samstags stehen die Autos ja jetzt schon bis zur nächsten Kreuzung“, erzählt Dirk Walter von Lüderitz. Er komme deswegen möglichst immer unter der Woche zum Wertstoffhof. Auch Rainer Lehnigk bringt seine Abfälle meistens nach Pattensen. Gestern fuhr er mehrmals zu der Entsorgungsstelle, um große Säcke voller Efeu in die Container zu laden. „Für Autos mit Anhängern ist hier natürlich nicht genügend Platz“, sagt er. Der große Vorteil der Grüngutannahmestelle in Koldingen sei, dass dort auch große Gespanne ihren Grünschnitt abladen könnten. Die meisten Kunden des Pattenser Wertstoffhofes haben noch nichts von den neuen Plänen zur Grünabfallentsorgung gehört. Sie zeigten sich aber auch angesichts der möglichen Veränderungen gelassen. „Ich habe meine abgesägten Äste immer nach Koldingen gebracht“, erzählt ein älterer Herr. Falls die Grüngutannahmestelle schließen müsse, sei er aber froh, in der Nähe noch den Wertstoffhof als Alternative zu haben. abe

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