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Stadt Hannover Das ist Hannovers erste Massenunterkunft
Aus der Region Stadt Hannover Das ist Hannovers erste Massenunterkunft
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00:20 12.12.2014
Von Andreas Schinkel
Noch sind die Flure im Oststadtkrankenhaus verwaist. Quelle: Jan Philipp Eberstein
Hannover

Das Kreischen der Bohrmaschine hallt durch die leeren Gänge. In einem Waschraum schrauben Handwerker Rohre zusammen. Neonlichter tauchen Flure in das typische Krankenhauslicht - grell, steril und kalt. Die Zeit drängt, denn schon morgen sollen dort, wo noch vor ein paar Monaten Patienten lagen, Flüchtlinge einziehen. Das Bettenhaus im leeren Oststadtklinikum soll als Notunterkunft für 300 Asylsuchende dienen, zunächst für zwei Jahre. Hannover bereitet seine erste Massenunterkunft vor.

„Wir haben diese Situation nicht herbeigesehnt“, sagt Sozialdezernent Thomas Walter in seiner trockenen Art. Man gehorche nur der Not. Diese Not lässt sich mit ein paar Zahlen darstellen: Seit Herbst muss die Stadt rund 100 Asylsuchende pro Woche aufnehmen. Alle Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünfte sind belegt, in drei Sporthallen musste die Stadt Feldbetten aufstellen. Eine Atempause soll jetzt die Nutzung des Klinikgebäudes verschaffen, es dient als eine Art Auffanglager. „Neuankömmlinge werden wir zunächst im Oststadtkrankenhaus aufnehmen“, sagt Baudezernent Uwe Bodemann. Das bedeutet, dass die Turnhallen noch für ein paar Wochen belegt sein dürften. Wann sie frei werden, um wieder Raum für Schul- und Vereinssport zu geben, ist noch unklar, möglicherweise im Januar. „Die neue Unterkunft an der Podbielskistraße dient auch dazu, dass wir nicht noch mehr Sporthallen belegen müssen“, sagt ein Stadtsprecher.

Hell und freundlich wirken die ehemaligen Patientenzimmer, die nun komplett ausgeräumt sind. Hohe Decken, weiß getünchte Wände, Linoleumboden. Rote Notfallknöpfe an den Wänden zeugen noch von früher. „Das Notfallsystem haben wir abgeschaltet“, sagt Ralf Lüdtke vom Fachbereich Planen. 14 bis 15 Quadratmeter messen die Räume, die für Einzelpersonen vorgesehen sind. Die größeren Zimmer ab 20 Quadratmetern sind für Mütter mit Kindern reserviert. Familien bekommen nebeneinanderliegende Räume. Ein Gemeinschaftsraum befindet sich auf jeder Etage.

Die Einrichtung ist spartanisch und zweckmäßig: Ein stabiles Metallbett, ein abschließbarer Spind, Tisch, Stuhl, Kühlschrank. „Von gemeinschaftlichen Kühlschränken haben wir abgesehen, weil es dann zu Streit kommen könnte“, sagt Lüdtke. Die Flüchtlinge kochen sich ihr Essen selbst, so wie es in anderen Flüchtlingswohnheimen üblich ist. Dazu gibt es ein bis zwei großzügige Küchen für rund 20 Personen.

Alle Zimmer verfügen über ein Waschbecken, eigene Toiletten haben nur wenige. Auf den Etagen gibt es aber genügend Duschen und WCs. In fast alle sieben Stockwerke des Bettenhauses sollen Flüchtlinge einquartiert werden - mit Ausnahme der Intensivstation. Zu wenig wohnlich seien die gekachelten Räume, heißt es. Als Erstes soll die sechste Etage bezogen werden, in den anderen Stockwerken laufen die Renovierungsarbeiten weiter auf Hochtouren.

Das provisorische Wohnheim ist über den Hinterausgang Richtung Pasteurallee zu erreichen, der Trakt mit dem ehemaligen Hauptportal sowie Zugänge zu anderen Klinikgebäuden werden abgesperrt. Damit will die Stadt verhindern, dass sich Kinder der Bewohner auf dem Gelände verlaufen, zudem soll ein Pförtner den einzigen Zutritt zum Wohnheim im Blick behalten. „Der bauliche Standard ist gut“, sagt eine Mitarbeiterin des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK). Die Hilfsorganisation wird das neue Flüchtlingsheim leiten. Neun Sozialarbeiter und drei Hausmeister kümmern sich um Bewohner und Gebäude. „Damit haben wir denselben Betreuungsschlüssel wie in anderen Wohnheimen“, betont Bodemann.

Dennoch macht es einen Unterschied, ob 50 Menschen unter einem Dach leben oder 300. Das ist auch den Anwohnern klar, wie sich in einer Informationsveranstaltung zeigte, zu der die Stadt im Foyer des Bettenhauses einlud. „Wir werben um Verständnis“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok in seiner Begrüßungsrede. Rund 150 Anwohner, Bezirksratspolitiker und Ratsmitglieder kamen, um mehr über die Unterbringung ihrer neuen Nachbarn zu erfahren.

Woher die Menschen kommen, die im alten Klinikum einquartiert werden, und ob berücksichtigt werde, dass sich manche Gruppen nicht wohlgesonnen seien, will ein Anwohner wissen. Sozialdezernent Walter verweist auf die „hohe Kompetenz“ des DRK, das sich weltweit um Flüchtlinge kümmere und potenzielle Konflikte gut einschätzen könne. Zudem kündigt Walter an, zusätzlich ein Team von sieben städtischen Sozialarbeitern in die Einrichtung zu schicken. „Die Integrationsmanager sollen den Neuankömmlingen helfen, sich zurechtzufinden“, sagt Walter. Die Mitarbeiter begleiten die Flüchtlinge etwa bei Behördengängen und erklären das öffentliche Nahverkehrsnetz. Unbeantwortet bleibt die Frage, in welcher Schule die Flüchtlingskinder Platz finden. „Unsere Grundschule ist jetzt schon voll“, gibt eine Anwohnerin zu bedenken.

Unter den Teilnehmern herrscht aber nicht nur Skepsis. Viele sind bereit, die Flüchtlinge mit offenen Armen willkommen zu heißen. „Wann können wir die Gäste begrüßen?“, will eine ältere Dame wissen. Eine andere regt an, Sprachkurse im Wohnheim zu geben. Und Bezirksbürgermeister Henning Hoffmann verspricht, demnächst zu einer ersten Nachbarschaftsrunde einzuladen.

Neue Wohnheime

Nicht nur auf dem Gelände des Oststadtkrankenhauses arbeitet die Stadt fieberhaft daran, neue Plätze für die Unterbringung von Flüchtlingen zu schaffen. Erst kürzlich hat die städtische Immobiliengesellschaft GBH in Bothfeld ein neues Wohnheim errichtet. „Das haben wir jetzt in Betrieb genommen“, sagt Baudezernent Uwe Bodemann. Zusammen mit der Gemeinschaftsunterkunft Auf der Alten Bult und dem Heim in Kleefeld sind drei der insgesamt elf Neubauten fertiggestellt. Mitte kommenden Jahres sollen neue Wohnheime in Badenstedt und Wettbergen eröffnet werden. In allen Unterkünften ist Platz für jeweils rund 50 Bewohner.

Auf rot-grünen Wunsch im Rat hatte die Stadt die Anzahl der Flüchtlinge in den Gemeinschaftsquartieren begrenzen müssen. SPD und Grüne wollten Massenunterkünften einen Riegel vorschieben. Diesen Standard hat die Stadt in ihrer Not aufweichen müssen. Im ehemaligen Schulzentrum Ahlem leben rund 200 Asylsuchende unter einem Dach, im Oststadtkrankenhaus werden es bis zu 300 sein. „Potenzial für weitere Unterkünfte gibt es auf dem Klinikgelände nicht“, sagt Bodemann. Man habe überlegt, das ehemalige Schwesternwohnheim herzurichten, aber dann erkannt, dass sich das Gebäude in allzu schlechtem Zustand befindet.

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