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Sicherheitsdienst soll Probleme beim Frauenbadetag lösen

Vahrenwalder Bad Sicherheitsdienst soll Probleme beim Frauenbadetag lösen

Die Verstöße gegen Hygieneregeln beim Frauenbadetag im Vahrenwalder Bad bringen Ratspolitiker ins Grübeln. Die SPD warnt davor, ethnische Gruppen pauschal zu verurteilen. Die CDU wünscht sich ein Sicherheitskonzept.

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Jeden Freitag ab 17 Uhr haben Männer im Vahrenwalder Bad keinen Zutritt. Der Frauenbadetag wird gut angenommen, doch jetzt treten Probleme auf.

Quelle: Nigel Treblin

Hannover.  Die Probleme beim Frauenbadetag beschäftigen die Ratspolitik. SPD, CDU und Grüne sind sich einig, dass das Angebot im Vahrenwalder Bad bestehen bleiben soll, jedoch müsse gewährleistet sein, dass die Baderegeln eingehalten werden. „Ich warne davor, ethnische Gruppen pauschal zu verurteilen“, sagt SPD-Sportpolitiker Angelo Alter. Die CDU fordert ein Sicherheitskonzept für den Frauenbadetag. Die FDP will das Angebot streichen. „Das Projekt ist gescheitert“, meint FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. 

Sozial- und Sportdezernentin Konstanze Beckedorf dagegen betonte am Donnerstag im Internationalen Ausschuss, dass die Abschaffung beider Frauenbadetage in Hannover für die Stadtverwaltung nicht infrage komme. Neben dem Vahrenwalder Bad bietet auch das Stöckener Bad einmal wöchentlich ein Frauenschwimmen an. Man sei derzeit dabei, zum Schutz der Mitarbeiter und der Frauen beim Frauenbadetag im Vahrenwalder Bad einen passenden Maßnahmenkatalog zu erarbeiten, sagte Beckedorf. Dieser Katalog beinhalte Organisatorisches, aber auch Maßnahmen zu den Themen Integration und Dialog. Sie würden in Zusammenarbeit mit der Integrationsstelle Sport, dem städtischen Integrationsmanagement, dem Migrantennetzwerk Miso und mit Muttersprachlern erarbeitet. Gegebenenfalls ziehe man auch noch einen Schwimmverein hinzu.

Mehr als 400 Frauen und Kinder

Anfang der Woche hat die Stadtverwaltung in vertraulicher Sitzung des Sportausschusses berichtet, dass es beim Frauenbadetag in Vahrenwald  immer wieder zu massiven Verstößen gegen Hygieneregeln kommt. Frauen gehen in Straßenkleidung ins Wasser und picknicken am Beckenrand. Mehr als 400 Frauen und Kinder halten sich bisweilen am Freitagnachmittag in der Schwimmhalle auf. Das Bad verfügt aber nur über 300 Schränke. Mitarbeiterinnen des Bads können sich kaum durchsetzen. Auf Ermahnungen reagieren manche Badegäste mit massiven Drohungen. 

Nach Informationen der HAZ will die Stadtverwaltung ab Januar einen Sicherheitsdienst im Kassenbereich postieren. Ein neues Registriersystem an der Kasse soll dafür sorgen, dass nicht mehr Besucher ins Bad gelassen werden, als Garderobenschränke vorhanden sind. Das ist bisher technisch noch nicht möglich. 

„Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt raus“

Die CDU plädiert dafür, rigoros durchzugreifen. „Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt raus“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Sollten sich Besucherinnen weigern, das Bad nach Aufforderung zu verlassen, müsse die Polizei eingeschaltet werden. „Wir sollten den Badmitarbeitern den Rücken stärken“, sagt Seidel. Die Missstände im Vahrenwalder Bad hätten viel früher angesprochen werden sollen.

Die Grünen betonen, dass der Frauenbadetag nicht zur Disposition stehe. „Auftauchende Probleme müssen daraufhin überprüft werden, warum sie entstehen, um dann entsprechend handeln zu können“, sagt Grünen-Ratsfrau Renee Steinhoff. Eines der Probleme sei, dass es zu wenig weibliches Personal in den Bädern gebe. Im Internationalen Ausschuss regte Grünen-Fraktionschefin Freya Markowis eine Kampagne an, um eben jenes Personal für den Frauenbadetag zu gewinnen. Markowis betonte, dass auch christliche oder atheistische Frauen den Frauenbadetag nutzten, um beim Baden einfach mal unter sich zu sein. Es sei wichtig, nicht pauschal muslimische Frauen zu diskreditieren.

Viele Besucher mit Hannover Aktiv Pass

Hannovers FDP-Parteichef Patrick Döring betonte in dem Ausschuss, dass zur Integration auch die Akzeptanz gemeinsamer Regeln gehöre – auch in Hallenbädern. Er habe im Übrigen viele muslimische Länder besucht – unter anderem Saudi-Arabien, das nicht gerade als Hort des Liberalismus gelte. In voller Bekleidung habe er keine einzige Frau baden sehen. In der FDP wurde anfangs überlegt, die Preise für das Frauenschwimmen anzuheben, um dadurch die Besucherströme zu steuern. Aber das verwarfen die Liberalen schnell. „Die meisten Besucherinnen beim Frauenbadetag  besitzen einen Hannover Aktiv Pass“, sagt FDP-Sportpolitiker Andreas Bingemer. Mit der Rabattkarte, die an Menschen mit geringem Einkommen ausgegeben wird, ist der Bädereintritt umsonst.

Diskussion um Badetag geht schon seit zwölf Jahren

Im Jahr 2005 wurde der Frauenbadetag im Vahrenwalder Bad eingeführt – und er wurde schnell sehr gut angenommen. Allerdings gab es schon damals Berichte, dass Frauen in Gewändern oder Straßenkleidung ins Wasser steigen würden.

Das wurde damals aber von Badmitarbeitern bestritten. Erlaubt sei nur Badekleidung, maximal eng anliegende Leggins oder Radlerhosen, die über dem Knie enden, sowie ein T-Shirt. Auf die Einhaltung dieser Baderegeln werde geachtet, sagte 2005 ein Badmitarbeiter der HAZ.

Auch das Fössebad in Limmer hatte zuvor schon Frauenbadetage eingeführt und musste zumindest am Anfang auch darauf achten, dass niemand in Straßenkleidung ins Wasser stieg.

Als das Vahrenwalder Bad die Frauenbadetage 2005 einführte, war Hannover damit nicht Vorreiter – viele deutsche Städte hatten diese Einrichtung schon, wie eine HAZ-Umfrage zeigte. Berlin, Karlsruhe, Hamburg, Kaiserslautern oder Hanau bestätigten damals, dass sie diese Einrichtung ebenfalls pflegen würden.

Von Andreas Schinkel und Jutta Rinas

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