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Stadt Hannover Polizei zeigt sich zufrieden nach Razzia am Steintor
Aus der Region Stadt Hannover Polizei zeigt sich zufrieden nach Razzia am Steintor
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16:06 22.11.2010
Von Tobias Morchner
Rund 80 Beamten und zahlreiche Bullis riegelten die Straße in Hannovers Rotlichtviertel um kurz vor 22 Uhr hermetisch ab. Quelle: Christian Elsner

Kokain, Ecstasy, eine scharfe Schusswaffe samt Munition und 140 kontrollierte Personen - das ist die Bilanz einer zweistündigen Großrazzia in der Reitwallstraße in der Nacht zu Sonnabend. Rund 80 Beamte und zahlreiche Bullis riegelten die Straße in Hannovers Rotlichtviertel um kurz vor 22 Uhr hermetisch ab. Alle Personen, die sich zu diesem Zeitpunkt in dem Bereich zwischen der Goethestraße und der Straße Am Marstall bewegten, mussten ihre Ausweise vorzeigen und Taschenkontrollen über sich ergehen lassen. Sie ließen die Überprüfungen in der Regel ruhig über sich ergehen.

Die Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Mitte hatten es vor allem auf Drogenhändler und Gewalttäter abgesehen. Nach Erkenntnissen der Kripo dient die Reitwallstraße diesen Tätergruppen seit Langem als Rückzugsgebiet. In den Spielotheken und den Klubs würden außerdem regelmäßig Drogengeschäfte abgewickelt. 300 Straftaten haben sich allein in diesem Bereich zwischen Anfang 2009 und heute ereignet. „Deshalb ist die Straße zum gefährlichen Ort im Sinne des Niedersächsischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung erklärt worden“, sagte Behördensprecher Stefan Wittke.

Besondere Aufmerksamkeit widmete die Polizei bei ihrer überraschenden Aktion, die von zahlreichen Schaulustigen verfolgt wurde, zwei Spielhallen und drei türkischen Klubs. Die Einsatzkräfte schickten Rauschgiftspürhunde durch diese Räume und untersuchten die Einrichtungsgegenstände intensiv nach möglichen Verstecken. Vor allem bei den drei türkischen Klubs, die in drei verschiedenen Stockwerken eines Gebäudes liegen, war Eile geboten. Denn nur eine Eingangstür führt zu den Etablissement und diese wird permanent von mehreren Videokameras überwacht. „Wären wir nicht schnell genug gewesen, wären die Anwesenden vorgewarnt gewesen und hätten Beweise vernichten können“, erklärte ein Beamter.

Die Besucher der Klubs, die nach der Kontrolle das Gebäude wieder verlassen durften, verbargen ihre Gesichter in der Regel hinter hochgezogenen Schals oder tief ins Gesicht gezogenen Mützen. Keiner der zumeist jungen Männer wollte im Zusammenhang mit der Razzia erkannt werden geschweige denn mit den Medien darüber sprechen.

Gegen Mitternacht war die Drogenrazzia beendet, doch der Einsatz für einen Teil der Beamten ging in die nächste Runde. Denn rund 30 Polizisten weiteten anschließend die Kontrollen auf den gesamten Innenstadtbereich aus. Bis zum Morgengrauen stellten sie die Identitäten von 350 weiteren Personen fest. Außerdem verteilten sie 46 Platzverweise. Die Beamten nahmen sechs betrunkene Jugendliche mit auf die Wache, schritten drei Mal bei Schlägereien ein und ahndeten zwei Verstöße gegen das Waffengesetz.

Seit Ende September hat die Polizei ihre Präsenz in der Innenstadt, vor allem aber im Steintorviertel deutlich erhöht. Die Änderung der Taktik war einerseits durch die weiterhin hohe Zahl der Straftaten in diesem Bereich, zum anderen durch das Verhalten der Steintor-Türsteher, die in der Regel Mitglieder im Charter der hannoverschen Hells Angels rund um Frank Hanebuth sind, bedingt. „Seit wir hier regelmäßiger auftauchen, besinnen sie sich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben und behindern die Kollegen nicht mehr bei ihrer Arbeit“, erklärte Olaf Gösmann, der Leiter der Polizeiinspektion Mitte. Auch im Bereich der Straftaten verzeichnet die Behörde einen spürbaren Rückgang. Insgesamt sank die Zahl der Delikte im Vergleich der Monate Oktober 2009 und Oktober 2010 von 164 auf 150. Auch die Anzahl der Körperverletzungsdelikte ist nach Angaben der Behörde leicht rückläufig.

Olaf Gösmann betonte, man die vorläufigen Erkenntnissen ließen noch keinerlei endgültigen Schlüsse zu. Die Entwicklung der Kriminalität müsse über einen längeren Zeitraum hinweg analysiert werden. „Klar ist aber, dass wir weiterhin unsere hohe Präsenz im Steintor aufrechterhalten und gegebenenfalls auch Hausbesuche abstatten werden“, teilte der Leiter der PI-Mitte mit.

Die Steintorwirte, die nach der ersten Großkontrolle heftig gegen den Polizeieinsatz gewettert hatten, nahmen die Razzia vom Freitagabend, gelassen hin. „Sowas sollte vielleicht nicht unbedingt jede Woche hier stattfinden, aber für uns war das unproblematisch, denn mit dieser Sache haben wir nichts zu tun“, sagte Werner Schenk vom Klub „Intensivstation“. Auch Werner Rieb vom Bayern Stadl beurteilte die Razzia positiv: „Sie diente schließlich zur Befriedung des gesamten Viertels und hat auf unsere Läden keinerlei Auswirkung gehabt“, sagte er. Der Polizeieinsatz sei zwar überall Gesprächsthema gewesen, Gäste der Clubs in der benachbarten Scholvinstraße seien dadurch aber nicht abgeschreckt worden, fügte der Wirt hinzu.

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