Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Dichterwettstreit in der JVA Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Dichterwettstreit in der JVA Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:27 07.12.2018
In der JVA Hannover dichteten die Insassen um die Wette. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Hinter Stacheldrahtzäunen und schweren Türen, am Ende von endlos scheinenden Gängen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hannover präsentieren sieben Insassen einem kleinen Publikum poetische Texte, die sie selbst geschrieben haben. In einem zweiwöchigen Workshop lernten sie von der selbst ernannten Spoken-Word-Künstlerin Jessy James LaFleur, worauf es beim Schreiben und Vortragen ankommt. In einem Prison Slam, einem dichterischen Wettstreit, treten sie gegeneinander an.

In der Kirche der JVA ist es kalt und ungemütlich. Die hohen Wende sind schmucklos und lediglich ein kleines Plakat deutet auf die anstehende Veranstaltung hin. Im Hinterzimmer haben sich die Workshopteilnehmer versammelt und rauchen. LaFleur richtet noch ein paar aufmunternde Worte an die nervösen Häftlinge, die alle paar Minuten aus der Tür spähen, um die Anzahl der Zuschauer abzuschätzen. Nur etwa 30 Insassen und Bedienstete der JVA sind gekommen. Weniger als erhofft wollen das Ergebnis des Workshops sehen.

LaFleur nennt sich selbst Spoken-Word-Künstlerin, um sich von den Slammern abzugrenzen. Die Poetry Slams, die es heutzutage gebe, seien zu sehr auf Unterhaltung ausgerichtet. „Ich finde es schwierig, wenn mir die blonden weißen Studentinnen von ihren Problemen erzählen“, sagt LaFleur. Sie wollte es besser machen und Leute finden, die „wirklich was zu erzählen haben“. Ähnlich wie Johnny Cash, der ein Konzert im Gefängnis gab, ging auch sie in JVAs. Hannover ist die sechste Stadt, die sie mit der Aktion besucht.

Andrea Reimann, Psychologin und Fachbereichsleiterin in der JVA, hat sich dafür eingesetzt, dass der Workshop in Hannover stattfindet. „Auch wenn es nur ein paar einzelne sind, die wir damit erreichen, kommen sie auf einer anderen Ebene zum Nachdenken“, sagt sie. Für die Insassen sei es außerdem ein Erfolgserlebnis, wenn Leute zum Zuschauen kommen.

Die sieben Häftlinge, die sich auf die Bühne trauen, haben ganz unterschiedliche Texte mitgebracht. Einige sind in Gedichtform, andere eher kleine Kurzgeschichten. Auch eine Tierfabel ist dabei, über einen Affen im Zoo, der die Wärter draußen vorbeigehen sieht. Ein anderer Insasse fragt sich, was der Sinn seines Lebens ist, ein anderer dichtet sogar über Selbstmordgedanken. Drogen spielen eine Rolle, Freiheit und der Zweifel daran, ob man das Leben „da draußen“ überhaupt meistern kann.

Es fällt auf: Die Texte kommen an die von professioneller Slammer nah heran. Auch die Insassen selbst sind überrascht, wie gut ihre Texte geworden sind. „Das war eine ganz neue Erfahrung“, sagt einer der Gefangenen. „Ich bin richtig angefixt“, sagt ein anderer. René hat sich sogar sosehr unterschätzt, dass er keinen zweiten Text vorbereitet hat, den er im Finale vortragen kann. Dabei wurde er mit großem Vorsprung genau dahin gewählt. Joachim springt für ihn ein – und gewinnt. Der Preis: eine große Tafel Schokolade, Tabak und Instandkaffee.

„Ich bin jedes mal begeistert, wie viel die Jungs dazulernen“, sagt LaFleur. Sie bietet jedem an, nach der Entlassung bei einem ihrer Slams in Celle mitzumachen. „So haben die Jungs vielleicht einen anderen Anlaufpunkt, als sie nächste Drogenhöhle“, sagt sie. „Das ist mein Beitrag zur Resozialisierung.“

Von Lisa Neugebauer

Stadt Hannover Grundschule Glücksburger Weg - Eine Stunde Tierschutz

Den richtigen Umgang mit Haustieren lernen immerweniger Kinder zuhause. An die Grundschule Glücksburger Weg in Vahrenwald ist jetzt eine Tierärztin zum Unterricht gekommen und hat ihn erklärt.

07.12.2018

Die Stadt reagiert sehr schnell auf eine Forderung des Bezirksrats. Anwohner beklagen den Verlust von drei Parkplätzen – und kritisieren eine erhöhte Geschwindigkeit von Wagen, die in die schmale Straße hineinfahren.

07.12.2018

Drei junge Männer haben am Nikolaustag in einem Handygeschäft in der Innenstadt acht wertvolle Mobiltelefone der Marke Apple gestohlen. Die Polizei beziffert den Schaden auf rund 7500 Euro. Die Täter konnten mit ihrer Beute entkommen.

07.12.2018